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Frugale Produkte in der Industrie
Diese Idee der frugalen Produkte haben nun auch andere Märkte für sich entdeckt, dazu zählt der Maschinenbau ebenso wie die Automobilindustrie, das produzierende Gewerbe ebenso wie die Dienstleistungsbranche. Auch hier entspricht die Simplizität dem Weg zum Erfolg.
Beispiele für frugale Innovationen wurden erstmalig in einem vom Fraunhofer-IPA veranstalteten Workshop behandelt. Und das Interesse war gross. Es kamen mehr als drei Dutzend Firmenvertreter aus dem Maschinen-, Anlagen- und Gerätebau, vom Geschäftsführer bis zum Personalleiter.
Qualität zu gutem Preis
Das Kick-off stellte unter Beweis: Auch die Deutschen Maschinenhersteller wollen einfach und Standard. Dass sich der vermeintliche Vorteil der deutschen Wertarbeit schnell zum Nachteil umkehren kann, erlebt die Eima Maschinenbau GmbH. Der Teilnehmer der Veranstaltung berichtet von schwankenden Auftragseingängen von High-End-Maschinen, die leere Hallen und somit Stillstand zur Folge haben. «Uns fehlt eine Brot-und-Butter-Maschine», klagt deshalb Helmut Gras, Geschäftsführer des Unternehmens. Die Lösung wäre eine schlichte Maschine, die auf Vorrat produziert werden und so den Auftragsschwankungen entgegenwirken könnte. So würde man sowohl die Grundauslastung steigern als auch Leerkosten senken und zu guter Letzt noch neue Märkte erschliessen. Das, was Eima Maschinenbau braucht, ist sozusagen ein frugales Produkt: preiswert, aber nicht billig. Dabei verzichtet das frugale Produkt auf jeglichen Schnickschnack, konzentriert sich auf wesentliche Funktionen und ist deshalb sehr kostengünstig. Bei vielen läuten jetzt die Alarmglocken: kostengünstig ist gleich billig ist gleich minderwertig. Das frugale Produkt ist allerdings mitnichten minderwertig. Es ist eine abgespeckte High-End-Variante, die passgenau auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten ist. Mit einem um frugale Produkte erweiterten Portfolio liessen sich zudem Schwellen- und Entwicklungsländer erschliessen, deren einfache Ansprüche damit vollends abgedeckt würden.
Made in Germany als Ausschlusskriterium
Gras ist im Kickoff-Workshop einer unter vielen, denen die deutsche Komplexität zum Verhängnis wird. Made in Germany steht nicht nur für deutsche Wertarbeit, sondern auch für hochkomplexe Maschinen, gedacht für einen ganz bestimmten Kunden. Das, was einst Aushängeschild für den Produktionsstandort Deutschland war, empfinden heute viele als Barriere. Da heisst es in Expertenkreisen, dass man einfach einfach nicht mehr kann. Eine Tatsache, die insbesondere für einen exportorientierten Markt wie den Maschinen- und Anlagenbau, aber auch in Hinblick auf eine steigende Konkurrenz aus Fernost Konsequenzen nach sich zieht. «Wir müssen aufpassen, dass Deutschland nicht ins Spitzensegment abgedrängt wird und die Volumensegmente nicht mehr wettbewerbsfähig besetzen kann», warnt Dr. Dietrich Birk, Geschäftsführer des VDMA Baden-Württemberg. Und wie bleibt man wettbewerbsfähig? Darüber herrschte im Workshop Konsens, dass in den Unternehmen ein Umdenken nötig sei, sowohl im Management als auch bei den Mitarbeitern. Dabei gehe es nicht nur darum, das Interesse an schlichten Produkten zu wecken, sondern auch die Bedürfnisse der Märkte genauer zu studieren.
Einer, der ganz im Sinne einer frugalen Strategie handelt und seine Hausaufgaben diesbezüglich gemacht hat, ist DMG Mori. Der Maschinenbauer hat erstmals auf der AMB seine neue Strategie einer breiten Öffentlichkeit präsentiert, dass er seit September 2016 eine neue Basismaschinenstrategie verfolgt. Die Evolution der Ecoline zu CLX/CMX ist der neue DMG-Mori-Ansatz, Basismaschinen für eine grosse Vielfalt an Produktionsmöglichkeiten zu bauen. Im Rahmen einer produktstrategischen Evolution innerhalb des Unternehmens wandelt sich die Ecoline sukzessive vom klassischen Maschinenangebot zu einer kundenorientierten Basis ganzheitlicher Fertigungslösungen – mit mehr Möglichkeiten, Technologie und Ausstattungsoptionen, und das zu attraktiven Preisen.
Zu diesem Schritt hat sich DMG Mori entschieden, weil sich der Fokus der Investitionsentscheidung von den grundlegenden Leistungsmerkmalen der Maschine hin zur Gesamtperformance der Bearbeitungslösung verschoben hat. Deshalb hat der Maschinenbauer sein Programm an Basismaschinen konsequent vom Produkt- und Lösungsangebot mithilfe eines neuen Portfolios an Technologie, Software Solutions und Applikationen zu einem umfassenden Baukasten an Modulen und Möglichkeiten erweitert. Dadurch soll sich den Anwendern von CLX- und CMX-Maschinen die gesamte DMG-Mori-Bandbreite eröffnen. Das gilt unter anderem für die Ausrüstungsvielfalt etwa im Bereich der Spindeltechnologie. Der Anwender kann zudem selbst entscheiden, ob er optional eine Y-Achse, einen NC-Tisch, einen beschleunigten Eilgang oder ein nahezu verdoppeltes Werkzeugmagazin benötigt. Ganz im Sinne des Kunden liegt es also bei ihm, ob er sich für dieses oder jenes entscheidet.
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