Frugale Innovationen

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Baukastenprinzip als Erfolgsmodell

Betrachtet man frugale Maschinen unter dem Aspekt der Wissenschaft, ist der Hersteller von Holzverarbeitungsmaschinen Homag auf diesem Gebiet bereits lange aktiv. Schon früh ist das Unternehmen mit Produktionsstandorten nach China, Indien, Brasilien und in die USA gegangen und es ist schafft dort derzeit auch qualifizierte Entwicklungsstandorte. Homag entwickelt für die Emerging Markets und die Bedürfnisse der Kunden und Märkte vor Ort angepasste Maschinen und vertreibt sie auch dort. Mit global definierten Baukästen lassen sich beispielsweise Kosten im Einkauf, in der Produktion und im Vertrieb senken. So kann Homag, ausgehend von verschiedenen Plattformen, zu günstigen Kosten vom Einstiegsmodell bis zur High-End-Anlage alles abbilden.

Eine Vorreiterbranche im Bereich der frugalen Innovationen ist die Zuliefererindustrie. Hier geht es darum, Produkte qualitativ hochwertig und zugleich kostengünstig herzustellen. Das geht meist nur über die Massenproduktion. Vor allem in der Automobilindustrie: OEMs fordern ein gewisses Leistungsspektrum für einen maximal definierten Preis. Dafür verzichten die Automobilkonzerne gerne auch auf eine Exklusivitätsklausel. Für den Zulieferer bedeutet das, dass er mit der entwickelten Technologie Geld verdienen kann, indem er sie an andere Unternehmen aus der Branche weiterverkauft. So kann es sein, dass ein Bauteil, welches eigentlich für den indischen Automobilmarkt mit den Kriterien «funktional, kostengünstig und unkaputtbar» entwickelt wurde, in einem deutschen Fahrzeug Anwendung findet. Auch das bedeutet frugale Innovation: minimaler Aufwand bei maximalem Nutzen – zumindest solange die Qualität stimmt.

Industrie 4.0 erfordert frugale Produkte

Trotz der offensichtlichen Vorteile, die frugale Innovationen bieten, werden sie nicht selten als «Billigprodukt» angesehen. Vor allem in unserer hoch technisierten Welt werden einfache Produkte mit klarer Funktion belächelt. Doch eines muss man sich vor Augen führen: Die Individualisierung von Produkten und Arbeitsabläufen, wie sie im Zuge der vierten industriellen Revolution entsteht, führt auch zu einem höheren Automatisierungsgrad der Produktion. Allerdings fordert die Industrie 4.0 auch eine gewisse Flexibilität in der Fertigungshalle. Das bedeutet, die Produktion mit ihren Werkzeugmaschinen und Robotern passt sich dem zu produzierenden Bauteil an. Daher müssen Produktionsstrassen öfter umgestaltet werden, ohne dass die Qualität der Produkte darunter leidet. Gudrun Litzenberger, General Secretary beim Branchenverband IFR (International Federation of Robotics): «Vor allem die Elektronikindustrie verlangt Roboter, die schnell integrierbar und zu einem guten Preis erhältlich sind. Es geht oft um einfachere Montageaufgaben, die nicht unbedingt die höchsten Anforderungen an Präzision stellen. Aufgrund der Schnelllebigkeit der Elektronikprodukte steht die lange Lebensdauer dabei nicht im Vordergrund. Diese Roboter sind nicht mit den High-Tech-Robotersystemen in der Automobilfertigung vergleichbar.»

Litzenberger ist sich sicher, dass sich die Roboterindustrie bereits auf diesen Wandel in der Produktion einstellt: «Sowohl die Automobil- als auch die Elektronikbranche ist für die Roboterindustrie ein lukrativer Markt, sodass alle Roboterhersteller daran arbeiten, solche Roboter bereitzustellen.»

Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Schwesterportal maschinenmarkt.vogel.de

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