Wertschöpfungskette Elektromobilität Elektroautos brauchen andere Produktion

Redakteur: Stéphane Itasse

Neuen Produktionsbedingungen durch den Umstieg auf Elektromobilität trägt die EMO Hannover 2013 Rechnung mit Konzepten für angepasste Fertigungsstrukturen. Im Fokus stehen veränderte Wertschöpfungsketten im elektrischen Antriebsstrang.

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Das Elektroauto Frecco (Fraunhofer electric car concept) setzt auf marktverfügbare Technik und demonstriert die anstehenden Veränderungen in der Produktion.
Das Elektroauto Frecco (Fraunhofer electric car concept) setzt auf marktverfügbare Technik und demonstriert die anstehenden Veränderungen in der Produktion.
(Bild: Fraunhofer IFAM)

Die Präsentation des ersten rein elektrischen Serienmodells von BMW zeitgleich in New York, London, Peking entspricht den Anforderungen an künftige Produktionskonzepte, wie der VDW als EMO-Veranstalter berichtet. Die Innovation spiegle sich auch in der globalen Wertschöpfungskette wider: Im BMW-Werk Dingolfing entstehen Batterie, Getriebe und Aluminium-Struktur für das Drive-Modul, das Werk Landshut produziert CFK-Komponenten, Gussteile und Cockpit sowie den selbst entwickelten Elektromotor.

Elektroautos verwandeln Wertschöpfungsketten langsam, aber nachhaltig

Neue Wege auch bei Produktion und Verarbeitung der CFK-Fahrgastzelle: Das in Moses Lake im US-Bundesstaat Washington gemeinsam mit der SGL Group betriebene Carbonfaserwerk ist fest in die Wertschöpfungskette eingebunden. Die dort produzierten Faserbündel werden im Innovationspark Wackersdorf zu leichten textilen Gelegen weiterverarbeitet. Diese bilden das Ausgangsmaterial für die Herstellung von CFK-Bauteilen und CFK-Komponenten in den Werken Landshut und Leipzig.

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Vor drei Jahren bereits warnte der damalige Fraunhofer-Präsident Professor Hans-Jörg Bullinger, der Umstieg auf die Elektromobilität bedeute einen tiefgreifenden Wandel für die Produktionstechnik. So werde sich im Automobilbau die gesamte Wertschöpfungskette ändern. Diese Aussage kann Prof. Dr.-Ing. Matthias Busse, geschäftsführender Institutsleiter des Bremer Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM), auch heute noch „nur unterstreichen“. Gleichwohl werde sich die Entwicklung auf der Zeitachse „doch weiter strecken, als wir es noch vor zwei oder drei Jahren geglaubt haben. Es wird keinen Ruck geben. Vielmehr wird sich das Portfolio in der Wertschöpfungskette kontinuierlich verschieben“.

Dass damit der Werkzeugmaschinenindustrie ein ganzes Anwendungsspektrum ersatzlos wegbricht, glaubt der IFAM-Chef nicht: „Es werden sich einfach die Stückzahlverhältnisse ändern. Über die Zeit gesehen wird sich die Anzahl der klassischen Bauteile wie Zylinderkopf und Kurbelgehäuse reduzieren – das Bearbeitungsspektrum verschiebt sich nur.“ Werkzeugmaschinen seien auch unerlässlich zur Bearbeitung von Elektromotoren und derjenigen Komponenten, die man im „elektrischen Antriebsstrang“ verbaut. Zusätzlich würden weitere Techniken zum Einsatz kommen, zum Beispiel in der Prozesstechnik zur Batteriefertigung.

Werkzeugmaschinenbauer sollten sich mit Elektromobilität sehr intensiv beschäftigen

Den Werkzeugmaschinenherstellern rät Busse, „sich jetzt schon mit diesen Dingen sehr intensiv auseinanderzusetzen“. Denn auch die großen Automobilhersteller hätten längst begonnen, Fertigungslinien umzurüsten auf die Herstellung elektromotorischer Komponenten. Diejenigen, die in der Entwicklung dieser neuen Komponenten und der dazugehörigen Fertigungstechnik von Anfang an dabei seien, „die werden auch nachher diejenigen sein, die die Nase vorn haben – und auch in der Zulieferkette ganz vorn stehen“.

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