Energieeffizienz bei hoher Produktivität

Redakteur: Anne Richter

>> Reinheit und Präzision bilden die Basis für die Herstellung sicherer medizintechnischer Produkte, wobei Prozess-Know-how und die dazugehörige Dokumentation zu den Pflichtaufgaben gehören. Der Kostendruck steigt angesichts zunehmender Anforderungen und ressourcenschonende Lösungen sind gefragt. Entwicklungen, die diese Trends aufgreifen, stellen Kunststoffverarbeiter vom 13. bis 15. März auf der Medtec Europe 2012 in Stuttgart vor.

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Christoph Lhota, Leiter des Geschäftsbereichs Medical der Engel Austria GmbH, über den Qualitätsanspruch in der Medizintechnik: «Es geht also nicht alleine um die strikte Einhaltung der Regularien, sondern darum, dass ein Kunde und Auditor mit unbewaffnetem Auge erkennt, dass Qualität produziert wird.» (Bild: Engel)
Christoph Lhota, Leiter des Geschäftsbereichs Medical der Engel Austria GmbH, über den Qualitätsanspruch in der Medizintechnik: «Es geht also nicht alleine um die strikte Einhaltung der Regularien, sondern darum, dass ein Kunde und Auditor mit unbewaffnetem Auge erkennt, dass Qualität produziert wird.» (Bild: Engel)

ari. Die Fachmesse für Medizintechnik Medtec Europe bietet im kommenden Jahr vom 13. bis 15. März zahlreichen namhaften Unternehmen eine umfassende Plattform, ihre Neuentwicklungen vorzustellen. Dafür stehen in den Hallen 2, 4, 6 und 8 der Landesmesse Stuttgart rund 36 000 Bruttoquadratmeter zur Verfügung. Erzeuger von Komponenten für medizintechnische Geräte wie Pumpen, Schläuche, Motoren, Elektronik und mechanische Bauteile zählen ebenso zu den Ausstellern wie die Ausrüster aus dem Maschinen- und Anlagenbau.

Trend zu vollautomatisierten Fertigungszellen

Der Stellenwert der Kunststoffverarbeitung auf der Fachmesse ist, seit ihrem Start im Jahr 2002, traditionell hoch. Namhafte Spritzgiessmaschinenhersteller zeigen auch im kommenden Jahr auf der Medtec Europe ihr Können.

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Die wachsende Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Medizinprodukten mit zunehmender Bauteilkomplexität stellt die Industrie vor immer neue Herausforderungen, wobei sich nach Ansicht von Hans Malinowski, Produktmanager beim Kunststoffmaschinenhersteller Krauss Maffei, in der Medizintechnik die allgemeinen Trends der Kunststoffbranche widerspiegeln: «Energieeffizienz, Kostendruck, Flexibilität». Aus Sicht des Unternehmens zeichnet sich aufgrund der Forderung nach hoher Prozesssicherheit eine steigende Anzahl an vollautomatisierten Fertigungszellen ab, die auch Montage- und Prüfaufgaben zu Dokumentationszwecken übernehmen. Mit der übergreifenden Lösungskompetenz entstehen für den Kunden individuelle Produktionszellen für alle GMP-Klassen. Reinraumlösungen werden für alle Maschinentypen von Krauss Maffei zunehmend nachgefragt, bestätigt Malinowski.

Der österreichische Spritzgiessmaschinenhersteller Engel sieht einen ganz klaren Trend hin zu grossen elektrischen Maschinen, die zunehmend auch für Mehrkomponententechnologien eingesetzt werden, wie Christoph Lhota, Leiter des Geschäftsbereichs Medical der Engel Austria GmbH, feststellt. Seiner Meinung nach zeichnet sich der verstärkende Einsatz hochfachiger, grosser Werkzeuge für vergleichsweise kleine Artikel mit hohen Anforderungen an die Präzision ab.

Automobilindustrie: Vorbild für Optimierungspotential

In jeder Hinsicht lohnt sich auch der Blick über den Tellerrand hinaus zu anderen Fachgebieten. So tun sich beispielsweise aus Erkenntnissen der Automobil- oder Verpackungsindustrie Optimierungspotentiale für die Fertigung medizintechnischer Anlagen auf. Daher könne, nach Einschätzung von Christoph Lhota, die Medizintechnik von der Verpackungsindustrie hinsichtlich der Ausstossoptimierung lernen. Von der Automobilindustrie, wenn es um die Funktionsintegration geht. Mit dem Trend zu grösseren Werkzeugen und Maschinen werde in der Medizintechnik der Anteil an Hochleistungsanwendungen steigen – derzeit eine Domäne der Verpackungsindustrie wie etwa das Herstellen von Verschlusskappen für Getränkeflaschen. Dagegen sei die Automobilindustrie Vorreiter, wenn es um die Reduktion der Stückkosten durch die Integration verschiedener Fertigungsschritte in einer hochautomatisierten Produktionszelle gehe, beschreibt Christoph Lhota den Wissenstransfer. Denn auch in der Medizintechnik wird mit zunehmendem Kostendruck der Integrationsgrad steigen. Mehrkomponenten-Spritzgiessanwendungen machen aus Sicht des Fachmanns bereits den Anfang.

Mit dem Kostendruck steigt der Integrationsgrad

Dem wachsenden Kostendruck auf medizintechnische Produkte begegnet man bei Krauss Maffei mit ressourceneffizienten Lösungen. Produktmanager Hans Malinowski: «Durch Abstimmung des Produktdesigns, der Herstellprozesse und der Produktionsschritte können Materialeinsatz, Energieverbrauch und Produktionsaufwendungen reduziert werden.»

Auch beim auf hochpräzise Spritzgiessmaschinen spezialisierten Unternehmen Netstal – gehört zur Krauss-Maffei-Gruppe – wird «bei gleicher Reproduktionsqualität eine höhere Ausstossleistung, sprich Produktivität, erzielt», wie Adrian Landolt, Netstals Business-Unit-Leiter Med, ausführt. Ausserdem werden die Kunststoffteile weiter gewichtsreduziert, um Rohmaterial zu sparen, so Landolt.

Auf der Medtec spielt die Kunststoffverarbeitung bereits seit Jahren eine herausragende Rolle. So zählt Netstal bezüglich der Messeteilnahme zu den Pionieren. Adrian Landolt blickt zurück: «Diese Rolle werden wir auch weiterhin wahrnehmen und 2012 mit interessanten Exponaten aufwarten.» <<

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