Elio Lupica, COO der Mikron Switzerland AG, Division Tool, gibt zu bedenken, dass es im Bereich der Werkzeugherstellung noch keine Berufsschule in der Schweiz gebe, die sich auf dieses Segment spezialisiert hat. Deshalb setzt Mikron Tool auf ein eigenes Trainingskonzept TTP (Training Team Production), um die Werkzeugspezialisten auszubilden.
«In der hoch technologisierten Industrie gibt es keine Komfortzone.» COO Elio Lupica startete seine Karriere bei Mikron Tool 2005 als Verantwortlicher für Finanzen und Controlling und übernahm 2022 die Geschäftsführung.
(Bild: Mikron Tool)
SMM: Mikron Tool ist im Bereich der Werkzeugentwicklung wie auch -herstellung eines der führenden Unternehmen in der Schweiz. Wo liegt der personelle Fokus in Ihrem Unternehmen?
Elio Lupica: Wir setzen Wert auf ein talentiertes Team von Fachleuten, die sich für die Entwicklung innovativer Lösungen und die Herstellung hochpräziser Produkte begeistern können und dafür ihre fundierten Kenntnisse in den Bereichen Ingenieurwesen, Maschinenbau wie auch Präzisionsfertigung und Materialwissenschaften einbringen.
Die Schleifexperten in der Produktion müssen Fähigkeiten wie hohe Präzision und Fingerfertigkeit besitzen. Sie stellen Hochleistungswerkzeuge her, die hohe Wiederholgenauigkeit garantieren und deren Toleranzen Werte bis 0,1 μm einhalten müssen. Dafür sind Jahre an Erfahrung und Training nötig.
Werkzeugentwicklung wie auch -herstellung ist ein sehr spezifisches Technologiesegment. Wie kommen Sie hier zu entsprechend ausgebildeten Fachkräften?
E. Lupica: Hier hakt es. Beispiel Produktion: Zwar ist in der Schweiz die berufliche Ausbildung im Handwerk eine jahrhundertelange Tradition. Und nach wie vor ist sie einer der wichtigsten Stützpfeiler für produzierende Unternehmen. Aber es besteht Bedarf an spezialisierteren Ausbildungsmöglichkeiten, um den Anforderungen der modernen Produktionstechnologie gerecht zu werden. In der ganzen Schweiz gibt es sehr zu unserem Bedauern derzeit keine Berufsschule, die junge Menschen zum Schneidwerkzeugmechaniker oder zum Präzisionswerkzeugmechaniker ausbildet.
Gibt es andere Schulen in der Schweiz oder in Deutschland, die genau auf den Bereich der Werkzeugherstellung ausbilden, wenn ja, gibt es hier eine enge Zusammenarbeit?
E. Lupica: Ja, in Deutschland, wo sich in Rottweil unsere zweite Produktionsstätte befindet. Die Jakob-Preh-Schule in Bad-Neustadt an der Saale ist hierbei von zentraler Bedeutung. Sie ist derzeit die einzige Berufsfachschule bundesweit, die Präzisionswerkzeugmechaniker ausbildet. Das nutzen wir natürlich für unseren Nachwuchs.
Welche Rolle spielt die Ausbildung bei Mikron Tool?
E. Lupica: Sie ist das Fundament, und das nicht nur in der Fertigung. Also bilden wir selbst aus und bieten verschiedene Ausbildungskonzepte auf allen Ebenen an. Bleiben wir beim Präzisionswerkzeugschleifer:
Die Auszubildenden nehmen an unserem Trainingskonzept TTP (Training Team Production) teil, wofür eine abgeschlossene Ausbildung zum Polymechaniker oder eine gleichwertige Qualifikation erforderlich ist. Das interne Traineeship bietet den Vorteil, dass Mitarbeiter mit verschiedenen Ausbildungsniveaus und Einstiegsleveln zu hoch qualifizierten Fachkräften heranwachsen, was für uns äusserst wertvoll ist. Im ersten Teil des Trainings lernen die Teilnehmer den gesamten Produktionsablauf kennen, von manuellem Schleifen bis hin zur Nutzung computergesteuerter Maschinen, und erweitern ihr Wissen in Werkstoff-, Schleif- und Messtechnik. Im zweiten Teil spezialisieren sie sich je nach Talent auf einen Fachbereich, behalten aber die Möglichkeit, auch in anderen Abteilungen der Fertigung mitzuarbeiten. Das bringt sowohl dem Facharbeiter als auch dem Unternehmen einen Mehrwert durch erhöhte Flexibilität.
Wie wird die Qualifizierung von bestehenden Mitarbeitenden bei Mikron Tool weiterentwickelt?
E. Lupica: Jeder Mitarbeiter erhält die Möglichkeit, an weiterführenden Kursen und Seminaren teilzunehmen, die ihre Fachkenntnisse vertiefen und ihre berufliche Entwicklung fördern. Zur professionellen Unterstützung unserer Kunden setzen wir auf segmentspezifisch ausgebildete technische Experten und kontinuierliche Fortbildung unserer Sales Force.
Die Technologien in Ihrem Segment wandeln sich kontinuierlich, wie können sich Ihre Mitarbeitenden diesbezüglich weiterbilden?
E. Lupica: In der hoch technologisierten Industrie gibt es keine Komfortzone. Die Produktionstechniken erfinden sich ständig neu, und das lieben wir. Wir sind technologiebegeistert und hochdynamisch. Und unsere Mitarbeitenden selbst pushen die Entwicklung stark nach vorne.
Welche Stellen sind in Ihrem Segment am schwierigsten zu besetzen und in welchen Bereichen suchen Sie aktuell konkret Mitarbeitende?
E. Lupica: Da kommen wir zu einem brandheissen Thema. Ein dringendes Anliegen für uns ist die Verstärkung unseres hochmotivierten Marketingteams durch einen Marketingmanager. Gesucht wird eine Person, die strategische Planung und Marktforschung beherrscht, Kreativität mitbringt und über ausgezeichnete Kommunikationsfähigkeiten und technische Kompetenz verfügt. Das ist herausfordernd.
Wie muss sich ein Unternehmen wie Mikron Tool positionieren, um für Fachkräfte ein attraktiver Arbeitgeber zu sein?
E. Lupica: Fachpersonal legt Wert auf berufliche Weiterentwicklung, eine positive Arbeitsumgebung und -kultur sowie die Möglichkeit, an innovativen Projekten und Technologien zu arbeiten. Da ist Mikron Tool sehr dynamisch, weil wir ständig in neue Technologien investieren. In unserem Technology-Center, das heute eines der modernsten Entwicklungszentren der Zerspanung im Mikrobereich ist, findet ständig Weiterbildung mit hohem Praxisanteil statt. Zudem bieten wir eine internationale Arbeitsumgebung und -kultur mit flachen Hierarchien und sind begeistert, wenn sich jeder mit seinen eigenen Ideen einbringt.
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Stand vom 30.10.2020
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