Wer hat‘s erfunden? Natürlich die Schweizer Erstes energieautarkes Mehrfamilienhaus der Welt

Redakteur: Silvano Böni

Gemeinsam mit einigen Partnern hat die Umwelt Arena Spreitenbach in Brütten ZH das erste «solarbetriebene» Neunfamilienhaus der Welt gebaut, das komplett ohne externe Energieanschlüsse auskommt. Die ersten Mieter konnten ihr neues Heim bereits beziehen.

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(Bild: Rene C. Duerr / Umweltarena)

«Wenn Bertrand Piccard mit einem Flugzeug ohne fossilen Treibstoff rund um die Erde fliegen kann, sollten wir auch ein Wohnhaus ohne fossile Energien bauen und betreiben können», erklärt Walter Schmid, Initiator und Bauherr, seinen Antrieb zum Bau des ersten energieautarken Mehrfamilienhauses der Welt. Die Herausforderung: Um ein 100 Prozent energieautarkes Gebäude (ohne externe Anschlüsse für Strom, Öl und Gas, ohne Cheminée) realisieren zu können, musste die Effizienz in jedem Bereich gesteigert werden: von der Energieproduktion über die Energiespeicherung bis hin zum Verbrauch und dem

Benutzerverhalten.

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Energiestrategie 2050 ist möglich

Das Projekt der Umwelt Arena Spreitenbach zeigt, dass die Umsetzung der Energiestrategie 2050 bereits heute möglich ist, wenn die vorhandenen Technologien und das Knowhow konsequent genutzt und intelligent kombiniert werden. Dazu gehört, dass sich alle Komponenten des Hauses wie Gebäudehülle, Gebäudetechnik und Energiekonzept technisch auf dem höchsten Niveau bewegen und die energieeffizientesten Küchen- und Haushaltsgeräte (A+++) eingesetzt werden. So wird der heute durchschnittliche Verbrauch von 4400 kWh pro Wohnung und Jahr auf 2200 kWh/Wohnung/Jahr halbiert, ohne dass die Bewohner Komforteinbussen in Kauf nehmen müssen.

Elektro- und Biogasfahrzeug

Zusätzlich stehen den Mietern ein Elektro- und ein Biogasfahrzeug zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung. Der Strom für das Elektroauto wird mit der hauseigenen PV-Anlage produziert, und für das Bio-/Erdgasauto steht so viel Biogas bereit, wie aus den biologischen Abfällen aller Bewohner gewonnen werden kann (Kompogasverfahren). Die Mieter sind jederzeit über ihren Energieverbrauch informiert. So können sie mit ihrem Verhalten aktiv und messbar ihren Energieverbrauch beeinflussen.

Architektur besonders wichtig

Eine wichtige Rolle spielt die Architektur. Hier war die Herausforderung, Ästhetik und Energieproduktion - das ganze Haus ist schlussendlich ein Kraftwerk – in Einklang zu bringen. Die Solarpaneele sind speziell auf die Anwendung im architektonischen und gestalterisch-ästhetischen Bereich angepasst und weiterentwickelt worden. Deshalb sind die verbauten Photovoltaikplatten an der Fassade matt, blendfrei und als Bauplatten verwendbar. Neben dem Vorteil der Stromproduktion bietet dieses neuartige Konzept auch eine weit höhere Lebensdauer als herkömmliche Fassaden; dies bei kaum höheren Kosten. Die gesammelte Energie wird kurzfristig (2 bis 3 Tage) in Batteriespeichern zwischengespeichert. Für die Langzeitspeicherung kommen zwei Wasserstoffspeicher zum Einsatz. Wasserstoff wird produziert, um die überschüssige Energie, welche im Sommer vorhanden ist, für die Wintermonate zu speichern. Dazu erzeugt ein Elektrolyseur mit dem Strom aus der Photovoltaik-Anlage Wasserstoff. Es handelt sich dabei um eine Energieumwandlung von elektrischer in chemische Energie. Mit dem Speicherinhalt der zwei Tanks könnte ein Fahrzeug dreiviertel Erdumdrehungen zurücklegen. Bei Bedarf wird der gespeicherte Wasserstoff mittels einer Brennstoffzelle wieder in Strom und – ganz wichtig – auch in Wärme umgewandelt. Die Wärme wird konsequent genutzt, um das Haus zu heizen. Dadurch beträgt der Gesamtwirkungsgrad dieses Kreislaufs über 90 Prozent.

Erste Bewohner im neuen Heim

Die ersten Mieter sind bereits eingezogen. Bei der Auswahl wurde bewusst auf eine Durchmischung von energiebewussten Personen und solchen, die sich weniger um den Energieverbrauch kümmern, geachtet. So kann aufgezeigt werden, wie stark sich das Benutzerverhalten auf den Energiebedarf auswirkt. Die Mietpreise liegen im ortsüblichen Rahmen.

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