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Europäisches Berufsbildungsprogramm

| Redakteur: Thomas Koch

>> Mit dem europäischen Berufsbildungsprogramm Leonardo da Vinci, an dem sich die Schweiz seit 2011 beteiligt, stehen finanzielle Mittel für denAufbau und die Umsetzung von Mobilitätsprojekten zur Verfügung. Die chStiftung, welche das Programm betreut, unterstützt interessierte Betriebe und Verbände gerne bei der Suche nach geeigneten Partnern und berät sie bei der Projektplanung und -vorbereitung.

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Internationale Mobilität war bisher kein Schwerpunkt in der Schweizer Berufsbildung. Dies könnte sich nach der Lehrstellenkonferenz von 2011 nun ändern. Mit dem verabschiedeten Massnahmenpapier hat Bundesrat Johann Schneider-Ammann ein deutliches Zeichen für die Mobilität in der Berufsbildung gesetzt.

Zurzeit mangelt es noch an Erfahrungen und geeigneten Strukturen für den Austausch in der Berufsbildung. Mit dem europäischen Berufsbildungsprogramm Leonardo da Vinci, an dem sich die Schweiz seit 2011 beteiligt, stehen jedoch finanzielle Mittel für den Aufbau und die Umsetzung von Mobilitätsprojekten zur Verfügung. Die ch Stiftung, welche das Programm betreut, unterstützt interessierte Betriebe und Verbände gerne bei der Suche nach geeigneten Partnern und berät sie bei der Projektplanung und -vorbereitung.

Der Nutzen für die Teilnehmenden von Mobilitätsprojekten ist unbestritten. Oft wird aber unterschätzt, dass auch die Organisationen, welche die Aufenthalte organisieren (Projektträger), vom Austausch profitieren. Denn die Zusammenarbeit mit europäischen Partnern geht in den meisten Fällen weit über die Vermittlung und Betreuung der Praktikant/-innen hinaus. Projektträger lernen die Arbeitsweise und Branchengepflogenheiten in anderen Ländern kennen und erhalten dadurch wertvolle Impulse für die eigene Arbeit. So rät Hermann Sieber, Projektleiter der Berufsschule Wetzikon, trotz der Herausforderungen: «Machen Sie ein Projekt-Lernenden-Austausch!»

Das Programmangebot

Bisher bekannte Mobilitätsprogramme wie X-Change oder Eurodyssee sind meist regional ausgerichtet und fokussieren sich auf die Lernenden bzw. Absolvent/-innen. Diese Programme verfügen über ein festes Netzwerk und daher auch über ein fixes Angebot von Praktikumsplätzen. Im Unterschied dazu bietet Leonardo da Vinci die Möglichkeit, eigene, auf die Bedürfnisse der Lernenden oder Absolvent/-innen zugeschnittene Austausche zu entwickeln. Im Rahmen eines Projekts können dafür Zuschüsse beantragt werden. Betriebe und Verbände können das Programm Leonardo da Vinci aber auch zur Personalentwicklung nutzen und Fachkräfte wie Berufsbildner oder Verbandmitarbeitende in einen Austausch schicken. Diese kürzeren Aufenthalte dienen dem besseren Kennenlernen von Partnerorganisationen und der informellen Weiterbildung.

Leonardo da Vinci beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Mobilität. Mit dem Programm fördert die ch Stiftung auch Kooperationsprojekte, die der Vernetzung und dem Erfahrungsaustausch u.a. zwischen Unternehmen und Verbänden zugutekommen. Es stehen zudem auch Mittel für sogenannte «vorbereitende Besuche» – die Besprechung erster Projektideen mit Partnern in Europa – zur Verfügung.

Projektbeispiele für Mobilität

Die Organisation der Arbeitswelt AgriAliForm (Brugg) profitiert von Leonardo da Vinci: Sie bietet 30 Lernenden im Bereich Landwirtschaft die Möglichkeit, das in der Ausbildung vorgesehene dreimonatige Pflichtpraktikum in Deutschland, Dänemark oder Holland zu absolvieren.

Auch die Firma Bobst in Lausanne engagiert sich für die Mobilität und ermöglicht jährlich zwei bis vier Automatiklernenden mit herausragenden Leistungen, das 3. Lehrjahr bei einer Tochterfirma in Deutschland oder England zu absolvieren. Um die schulische Betreuung während der Aufenthalte sicherzustellen, hat die Berufsschule ein E-Learning-System entwickelt. Wie motivierend ein Auslandpraktikum sein kann, zeigt die Tatsache, dass die Automatiklernenden (2011) im Ausland bessere Noten schrieben als ihre Kolleg/-innen zu Hause.

Wer seinen Lernenden ebenfalls eine erste Auslanderfahrung ermöglichen möchte, jedoch nicht über die Ressourcen verfügt, kann mit der Organisation visite zusammenarbeiten. visite ist ein Verein des Rotary Clubs, welcher bereits seit 1998 drei- bis vierwöchige Auslandpraktika im deutschsprachigen Raum organisiert und diese Aufenthalte seit 2011 im Rahmen von Leonardo da Vinci durchführt.

Leonardo-da-Vinci-Projekte leisten auch einen Beitrag gegen die Jugendarbeitslosigkeit. Um den KV-Absolvent/-innen den Einstieg in die Arbeitswelt zu erleichtern, vermittelt der Kanton Jura drei- bis sechsmonatige Praktika in Deutschland und England. Dies gibt den arbeitsuchenden Kandidat/-innen die Gelegenheit, zusätzliche Arbeitserfahrungen zu sammeln und die für ihren Beruf besonders wichtigen Sprachkenntnisse zu verbessern. Denkbar ist, dass auch Berufsverbände die Absolvent/-innen ihrer Branche auf ähnliche Weise unterstützen und entsprechende Projekte organisieren.

Erste Erfahrungen

Die Projektträger bestätigen, dass Leonardo da Vinci zur Attraktivität der Berufsbildung beiträgt. Die jungen Leute schätzen die Möglichkeit, einen Auslandaufenthalt absolvieren zu können. Lehrbetriebe, Verbände oder Berufsschulen können sich mit einem solchen Angebot vorteilhaft auf dem Bildungsmarkt positionieren. Einerseits lernen die Teilnehmenden von Mobilitätsprojekten ihren Beruf sowie ihre Branche aus dem Blickwinkel einer anderen Kultur kennen und erweitern dadurch ihren beruflichen und persönlichen Horizont. Andererseits erhalten Projektträger neue Impulse, um den Herausforderungen ihrer Branche zu begegnen. Diese Erfahrungen teilen die Organisationen, welche bisher am Programm teilgenommen haben, so auch die OdA AgriAliForm. Projektleiter Jakob Rösch betont, dass Mobilitätsprojekte Innovationen fördern. Nebst den finanziellen Mitteln sieht er auch die Vernetzung und den Austausch als grosse Vorteile des Programms.

Jährlich gibt es eine Eingabefrist für Projektanträge, in der Regel Anfang Februar. Um die antragsstellenden Organisationen zu unterstützen, führt die ch Stiftung zwischen November und Januar jeweils verschiedene Informationsveranstaltungen durch (http://www.ch-go.ch/ueber-go/veranstaltungen).

Piaget – binnenstaatlicher Austauschin der Berufsbildung

Im Auftrag des Bundesamtes für Kultur fördert die ch Stiftung für eidgenössische Zusammenarbeit seit 2011 den binnenstaatlichen Lehrstellentausch in der Berufsbildung. Grundlagen sind die Sprachengesetzgebung des Bundes und das Berufsbildungsgesetz (BBG). Mit dem Programm Piaget unterstützt die ch Stiftung Austauschinteressierte und Berufsbildende bei der Suche nach Austauschbetrieben und Unterkünften in einer anderen Sprachregion der Schweiz. Konkret betreut die ch Stiftung Vorbereitungsarbeiten und die Begleitung während des Austauschs. Sie führt eine Evaluation des Austauschs durch und stellt eine Austauschbestätigung aus. Mit interessierten Unternehmen und Schulen entwickelt sie Konzepte für Austauschprojekte und sorgt für die Verbreitung von Berichten über erfolgreich durchgeführte Austausche.

ch Stiftung für eidgenössische Zusammenarbeit

Die ch Stiftung mit Sitz in Solothurn ist eine privatrechtliche Stiftung und wurde 1967 gegründet. Träger sind alle 26 Kantone der Schweiz. Zweck der Stiftung ist der Brückenschlag zwischen den Sprachgemeinschaften und die Wahrung der Vielfalt von Sprachen und Kulturen sowie die Förderung des föderalistischen Staatsgedankens. Das Schweizerische Kompetenzzentrum für Austausch und Mobilität der Stiftung bietet binnenstaatliche, europäische sowie aussereuropäische Bildungs-, Berufsbildungs- und Jugendprogramme an. Diese richten sich an Institutionen und Akteure aller Landesteile der Schweiz und bieten ihnen vielfältige Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

Für ausführliche Informationen wenden Sie sich an die ch Stiftung (www.ch-go.ch, leonardo@chstiftung.ch, Tel. 032 346 18 71). Falls Sie bereits eine Projektidee haben, beraten wir Sie gerne, um ein förderfähiges Projekt zu entwickeln. <<

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