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Das hört sich nach einem enormen Aufwand an?
Suzuki: Ja das ist es. Um aber den Vorsprung gegenüber dem Wettbewerb zu halten, unabdingbar. Unsere Marktbegleiter arbeiten sicher ähnlich.
Interessant ist in dem Zusammenhang, OSG hat dabei nicht wie einige grossen Konzerne in Japan, Subventionen der japanischen Regierung in Anspruch genommen und war im Gegensatz dazu immer aktuell. Wie schafft das ein Familienunternehmen?
Suzuki: Das muss man sicher ein wenig relativieren, denn OSG konzentriert sich ausschliesslich auf die Zerspanung und damit auf gewisse Segmente in der Industrie. Natürlich haben wir in Japan auch im Bereich Zerspanungswerkzeuge Wettbewerber aber das sind teilweise auch Grosskonzerne, die sich zudem auf die Entwicklung von Spitzentechnologien konzentrieren.
Wir haben die Thematik Forschung und Entwicklung ja bewusst aufgegriffen, denn trotz dieses enormen Engagements hat OSG im deutschen Markt noch nicht dieses Image und den erwünschten Bekanntheitsgrad. Wie können Sie sich das erklären?
Suzuki: Für uns ist zunächst das Vertrauen der Kunden wichtig. Das ist nur mit Qualität möglich, die sich aber nicht nur auf unsere Produkte beschränkt. Dazu zählen auch einzelne Projekte mit den Kunden, Beratung, Betreuung, Service, Lagerbestand und so weiter. Wir haben mit vier Mitarbeitern in Deutschland begonnen. Wenn wir da schon 1.000 Kunden gehabt hätten, wäre das sicher zu einem Problem geworden. Heute sind wir da sicher wesentlich weiter und können diese Qualität in der Gesamtheit gewährleisten.
Zurück zur Forschungsarbeit. Insider wissen, dass OSG speziell bei der Entwicklung von Beschichtungen marktführend ist. Wie kommt das, woher weiss OSG was aktuell benötigt wird?
Suzuki: Es gibt ja einige Unternehmen, die sich mit dem grossen Feld Beschichtung beschäftigen. Wir dagegen konzentrieren uns ausschliesslich auf die Beschichtung unserer Zerspanungswerkzeuge, die wie bereits erwähnt, überwiegend aus Kundenanforderungen resultiert. Deshalb fokussieren sich unsere Spezialisten beispielsweise auf Hitzebeständigkeit, Haftfähigkeit oder auch die Eigenschaften der Beschichtung unter bestimmten Bedingungen.
Wie darf man sich solch einen Prozess vorstellen? Yasushi Suzuki telefoniert mit Japan und sagt, wir brauchen eine neue Beschichtung?
Suzuki: So in etwa. Wir arbeiten beispielweise aktuell an grossen Projekten mit der Automobilindustrie. Ein Thema ist da MMS. Da stellt sich die Frage, welches Vollhartmetall und welche Beschichtung bewährt sich. Nun ist die Beschichtung nur drei bis fünf µm dick aber es geht auch um deren Haftung. Und natürlich spielen auch die Geometrien eine entscheidende Rolle. Bei sehr harten Materialien beispielsweise muss man Substrat und negative Schneiden sehr exakt bestimmen. Gerade in der deutschen Automobilindustrie sind solch elementaren Untersuchungen, Tests und schnelle Reaktionszeiten sehr wichtig, denn durch die rasanten Neuentwicklungen müssen hier ständig neuen Ansätze getestet werden.
Wie hoch war den allein der Invest in die Beschichtungstechnologie in den letzten Jahren und wieviel Mitarbeiten beschäftigt OSG in Forschung und Entwicklung?
Suzuki: Ausschliesslich im Bereich Beschichtung dürfte man den Invest mit zirka bei 30 bis 40 Millionen Euro beziffern. Zum zweiten Teil Ihrer Frage: In Japan beschäftigen wir in Forschung und Entwicklung 150 Mitarbeiter, weltweit zirka 300 Mitarbeiter. Wobei ich dazu auch die Anwendungstechniker vor Ort zähle, denn die greifen ja kontinuierlich die aktuellen Kundenanforderungen auf und sind in ständigem Kontakt mit unseren Abteilungen Hartmetall, Beschichtung und Geometrie.
Nun entwickelt OSG Geometrien, Beschichtungen und Substrate für die Werkzeuge selbst. Nahezu alle Maschinen, mit denen OSG fertigt, sind Eigenentwicklungen oder modifiziert. Ist das nicht ein enormer Aufwand?
Suzuki: Ja, aber wenn wir grosse Stückzahlen produzieren, benötigen wir keine Universalmaschinen. Mit diesen Spezialmaschinen wird jeweils immer nur ein Typ an Werkzeug hergestellt. Für ein spezielles Projekt dagegen, das spiralisierte Tieflochbohren hat OSG enorm in Fertigungsmaschinen investiert. Insbesondere wegen der Kühlkanäle und der notwendigen Messtechnik mussten hier Spezialmaschinen neu entwickelt werden.
OSG arbeitet ja auch sehr eng mit Maschinen- und Steuerungsherstellern zusammen. Mit diesen Partnerships (Makino, Mori Seiki, Mazak) konzentriert sich OSG auf bestimmte Projekte. In wie weit sind solche Kooperationen für den Bereich Forschung und Entwicklung hilfreich?
Suzuki: Sehr wichtig. Dazu gibt es ein aktuelles Beispiel. OSG hatte in Mexiko einen Umsatz von 20 Mio. Euro. Durch die Betreuung japanischer Unternehmen in Mexiko sind nochmals 10 Mio. Euro hinzugekommen. Wesentlichen Anteil daran, hat die Erstmaschinenausrüstung. Um weitere Aufträge zu bekommen sind also auch hier die Kundenanforderungen wichtig und vor allem wie zufriedenstellend man diese lösen kann.
Woran arbeitet die OSG-Mannschaft derzeit und was dürfen wir in Zukunft erwarten?
Suzuki: Auf Grund der derzeitigen weltweiten Anforderung konzentrieren wir uns sehr stark auf den Bereich Beschichtung. Dazu zählen unter anderem Diamantbeschichtungen, die vor allem in der Finishbearbeitung zahlreiche Möglichkeiten bietet. Ich denke, hier wird man in Zukunft noch viel OSG hören.
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