Die Schweiz kennt seit 2021 eine Quote für grosse, börsenkotierte Unternehmen. Demnach müssen Frauen mindestens 20 Prozent der Geschäftsleitung und 30 Prozent des Verwaltungsrates ausmachen. Bei Nichteinhaltung entsteht eine Rechenschaftspflicht. Wäre eine solche Quote auch für Schweizer KMU in der MEM-Branche wünschenswert?
Frauen machen gerade mal ein Viertel der Beschäftigten in der MEM-Industrie aus.
(Bild: Adobe Stock)
Heutzutage arbeiten beträchtlich weniger Frauen als Männer in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM). So machen Frauen nur gerade ein Viertel der MEM-Industrie aus. Ganz anders sieht es in den typisch «weiblichen» Berufen aus. So sind beispielsweise 8 von 10 Pflegefachpersonen Frauen. Die Nachfrage von Frauen nach MEM-Berufen ist gering, obwohl diese deutlich besser entlohnt werden als «frauentypische» Berufe. Eine Erhöhung des Frauenanteils in MEM-Berufen hilft deshalb nicht nur, der Einkommenskluft zwischen den Geschlechtern entgegenzuwirken, sondern auch das Nachwuchsproblem in dieser Branche besser zu bewältigen.
Wichtige Vorbilder
Empirische Studien zeigen, dass Vorbilder eine wichtige Rolle spielen bei der Berufswahl. Wenn Mädchen mehr Frauen in MEM-Berufen sehen, dann wählen sie öfter einen solchen Beruf. KMU-Frauen mit Führungsverantwortung sind oftmals am sichtbarsten für Aussenstehende. In der MEM-Branche sind sie jedoch eine Seltenheit. Wie kann man das ändern? Zum Beispiel durch Frauenquoten!
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Quoten machen Beruf attraktiver
Empirische Studien haben gezeigt, dass sich bei Vorhandensein einer Quote mehr Frauen – v. a. mehr leistungsfähige Frauen – bewerben. Ein Laborexperiment kam zum Schluss, dass sich bei Vorliegen einer sog. Soft-Quote (d. h. wenn in einem Wettbewerb jeweils ein Mann und eine Frau gewinnen bzw. wenn in einem Reissverschluss-System abwechselnd jeweils eine Frau und ein Mann zum Zuge kommen) fast doppelt so viele leistungsfähige Frauen bewerben verglichen mit herkömmlichen Verfahren. Warum ist das so? Oftmals scheuen leistungsfähige Frauen Berufe in «Männerdomänen» wie der MEM-Branche, weil sie den Wettbewerb gegen Männer in «Männerdomänen» scheuen. Sie wollen nicht als «unweiblich» erscheinen. Eine weibliche Führungskraft eines MEM-Unternehmens wird nun einmal gegen Männer in Wettbewerb treten müssen, sei es innerhalb des Unternehmens oder zwischen den Unternehmen. Eine Quote senkt den Wettbewerb innerhalb des Unternehmens, was den Vorstellungen von Frauen entgegenkommt. Es ist damit zu rechnen, dass sich mehr Frauen bewerben und in Führungspositionen gelangen. Folglich wird auch der Wettbewerb zwischen den Unternehmen weiblicher, sodass der Beruf abermals für Frauen attraktiver wird.
Quoten – schlechtes Image unbegründet
Leider haben Quoten ein schlechtes Image. Erstens wird befürchtet, dass sich Quoten negativ auf die Unternehmensleistung auswirken. Empirische Befunde zeigen, dass das Gegenteil der Fall ist. Unter Quotenbedingungen sind gewählte Frauen besser qualifiziert als Männer, gleichzeitig steigt die Qualifikation der Männer. Zudem verbessern gemischte Teams die Unternehmensleistung. Es werden Bedürfnisse eines grösseren Teils der Bevölkerung besser befriedigt, nämlich des weiblichen Teils. Zweitens wird argumentiert, dass Quoten Männer diskriminieren. Dem kann entgegengesetzt werden, dass die Struktur der MEM-Branche momentan fast vollständig auf die Vorlieben der Männer ausgerichtet ist. Historisch bedingt arbeiten mehr Männer in MEM-Berufen. Das macht den Beruf unattraktiv für Frauen, die nicht gern in den Wettbewerb mit Männern eintreten. Drittens kommt der durch Quoten abgeschwächte Wettbewerb dem geringeren Selbstbewusstsein von Mädchen entgegen, das besonders in MINT-Fächern ausgeprägt ist (MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik), obwohl es heute kaum mehr Leistungsunterschiede gibt. Dieses geringere Selbstbewusstsein von Mädchen und Frauen wird noch dadurch verstärkt, dass ihre Leistungen häufig ungünstiger bewertet werden als die der Männer – sei dies als Führungsfrau, Ingenieurin oder Musikerin. So wurde gezeigt, dass bei der Besetzung von Orchestern Männer so lange bevorzugt wurden, bis die Kandidierenden anonym hinter einem Vorhang vorspielten.
Freilich haben Quoten den Nachteil, dass Frauen nicht gern als «Quotenfrauen» disqualifiziert werden und sich zu Unrecht in die Opferrolle gedrängt fühlen. Dem kann man aber entgegentreten, indem die genannten Argumente ins Feld geführt werden.
Plädoyer für eine Frauenquote
Wir plädieren daher dafür, auch für Führungskräfte von KMU in der MEM-Branche eine Frauenquote einzuführen – am besten im Wege der Selbstverpflichtung. Die Unternehmen könnten dadurch von einem Zuwachs an leistungsfähigen Führungskräften und einer erheblichen Verbesserung ihres innovatorischen Potenzials profitieren. Die Frauen würden profitieren, weil auf diese Weise die immer noch hohe Einkommenskluft zwischen den Geschlechtern reduziert würde. Diese Kluft zu schliessen, ist heutzutage ein erstrebenswertes Ziel, nicht zuletzt, weil die Rechtsprechung in der Schweiz in Sachen Scheidung immer mehr darauf ausgerichtet ist, dass Ehefrauen ein eigenes (gutes) Einkommen haben. Die Quote wäre deshalb ein Gewinn für alle Beteiligten. SMM
Prof. Dr. Dr. h. c., dipl. Ing. Margit Osterloh ist emeritierte Professorin an der Universität Zürich, ständige Gastprofessorin an der Universität Basel und Forschungsdirektorin von CREMA (Center for Research in Economics, Management and the Arts).
Louisa Hizli ist Studentin der Volkswirtschaftslehre auf Masterstufe an der Universität Zürich sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin bei CREMA (Center for Research in Economics, Management and the Arts).
Dieser Artikel ist ursprünglich im Swissmechanic Journal erschienen.
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