G. Bopp + CO. AG: Feinstes Metallgewebe – exportiert in die Welt

Redakteur: Anne Richter

>> Die Firma Bopp + Co. AG ist ein weltweit führender Hersteller von Metallgeweben. Am Standort Schweiz produziert das Unternehmen einen Grossteil seines hochwertigen Feindrahtgewebes mit einer Maschenweite von 25 Mikrometer. 85 Prozent seiner Erzeugnisse gehen in den Export.

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Das Bopp-Werk in Wolfhalden wurde 1956 gebaut und 2007 mit dem neuen Websaal erweitert. (Bild: Bopp)
Das Bopp-Werk in Wolfhalden wurde 1956 gebaut und 2007 mit dem neuen Websaal erweitert. (Bild: Bopp)

ari. Obwohl das KMU-Unternehmen G. Bopp + CO. AG ein aussergewöhnliches Produkt herstellt und damit weltweit eine Führungsposition einnimmt, ist die Firma in der Allgemeinheit nur wenigen bekannt. Aus rund 170 Tonnen feinstem Edelstahl in Form von 24 Millionen Kilometer Metalldraht produziert das Unternehmen jährlich 450 Kilometer hochpräzises Metallgewebe. Zum grossen Teil handelt es sich um sehr feine Präzisionsgewebe, die in komplexen Siebdruckprozessen in der Solarindustrie und in der Elektronik oder für anspruchsvolle Filtrationsaufgaben weltweit eingesetzt werden.

Feinstes metallisches Gewebe aus dünnen Metalldrähten

Kern des Unternehmens ist die topmoderne Feindrahtweberei in Wolfhalden, Appenzell. Hier werden bis zu 15 Tausendstel Millimeter (Mikron) dünne Metalldrähte – der Durchmesser entspricht einem Fünftel des menschlichen Haars – in staubfreien, temperatur- und feuchtigkeitsgesteuerten Räumen zu äusserst feinen metallischen Geweben verarbeitet. Das derzeit feinste Gewebe wird für den Siebdruck eingesetzt und hat eine Maschenweite von 25 Mikrometer mit einem Drahtdurchmesser von 15 Mikrometer, dies entspricht 635 Drähten pro Zoll.

Bei den eingesetzten Webmaschinen handelt es sich um Eigenentwicklungen, die, ausgehend von der klassischen Textil-Webmaschine, speziell auf die Anforderungen des Drahtwebens angepasst und über viele Jahre permanent weiterentwickelt wurden. Die Bestandteile werden nach definierten Spezifikationen extern hergestellt, die Montage der Maschinen erfolgt durch firmeneigene Spezialisten in Zusammenarbeit mit einer Engineering-Firma.

Erschütterungsfreie Sockel für die Webmaschinen

Das Weben in diesen hochfeinen Bereichen ist äusserst anspruchsvoll. Bereits leichte Maschinenvibrationen können qualitätsmindernde Auswirkungen auf die Maschengenauigkeit und die Oberflächengüte haben. Im Jahr 2007 wurde deshalb zusätzlich ein neuer Websaal gebaut, in dem jede der 60 Webmaschinen auf eigenen erschütterungsfreien Sockeln stehen – insgesamt sind im Werk Wolfhalden 140 Webmaschinen in Betrieb. Der Zugang zum Produktionsraum ist nur über spezielle Schleusen möglich und nur autorisiertem Personal erlaubt. War früher ein Mitarbeiter pro Maschine eingesetzt, so betreut ein Weber heute 12 bis 14 Webmaschinen. Die Anlagen laufen elektronisch überwacht rund um die Uhr in zwei besetzten und einer «stillen» Schicht.

Qualitätssicherung – optisch und elektronisch

Je feiner das Gewebe, desto höher die Ansprüche. Eine entsprechend grosse Bedeutung hat die Endkontrolle und die Qualitätssicherung. Mit modernsten optischen und elektronischen Einrichtungen werden Fehler und Unreinheiten erfasst, ihre Position bestimmt und das Resultat auf der sogenannten Rollenkarte eingetragen. Diese Werte bestimmen die Qualität und sind wichtig für die Weiterverarbeitung der Gewebe.

Dank moderner Einrichtungen sind die aus der Webmaschine kommenden Gewebe schon sehr sauber. Für bestimmte Anwendungen wird aber eine zusätzliche Reinigung verlangt. Dies geschieht in einer eigens für diesen Zweck konzipierten und im letzten Jahr in Betrieb genommenen Reinigungsanlage mit integrierter Fehlerdetektion. Bei der Entwicklung der Anlage wurden selbstverständlich ganz speziell auch ökologische Aspekte wie Energierückgewinnung, Recycling der Reinigungsmedien und der Einsatz umweltverträglicher Substanzen berücksichtigt.

Unternehmenseigene Drahtzieherei garantiert Drahtqualität

Der Aufwand für die Herstellung von metallischen Feingeweben ist enorm. Ausgangsmaterial ist Edelstahldraht der höchsten Qualitätsstufe mit einem Durchmesser von 0,9 Millimeter, der in einem aufwendigen Verfahren auf den gewünschten Enddurchmesser gezogen wird. Ein Grossteil des Bedarfs wird in der unternehmenseigenen Drahtzieherei Filinox AG aufbereitet, sie ist innerhalb des Produktionswerkes in Wolfhalden domiziliert. Die Qualität des Drahtes bezüglich Reinheit der Schmelze, Spannungsfreiheit und Oberflächenbeschaffenheit ist entscheidend für den störungsfreien Betrieb der Webmaschine.

In der Schweiz produziert – in die ganze Welt exportiert

Rund 70 Prozent des gesamten Produktionsvolumens werden in der Schweiz hergestellt, 85 Prozent sind für den Export bestimmt, wo hauptsächlich Geweberollen geliefert werden. Bei den Feinstgeweben hat sich vor allem der asiatische Markt sehr stark entwickelt. Es handelt sich hier schwergewichtig um Anwendungen in der Produktion von Solarzellen sowie in der Elektronik. Da es in diesem anspruchsvollen Produktbereich nur wenige Anbieter gibt, ist das Segment durch einen markanten Nachfrageüberhang geprägt.

Im Gegensatz zum Export werden im Schweizer Markt mehrheitlich konfektionierte Produkte, zum Beispiel für die Filtration oder Siebung, ausgeliefert. Am Hauptsitz in Zürich-Affoltern werden die Gewebe zugeschnitten, geformt, geschweisst und zu kundenspezifischen Produkten und Halbfabrikaten verarbeitet, sowohl als Prototyp wie auch als Serie. <<

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