SWISSMECHANIC Gedanken des Präsidenten zum Jahresanfang

Redakteur: Lya Bartholet

>> Seit rund 10 Jahren steht Felix Stutz als Präsident dem Verband SWISSMECHANIC vor. Als Unternehmer kennt er die Sorgen und Nöte seiner Mitglieder. Er stellt sich den Fragen der Redaktion der Verbandszeitschrift Swissmechanic.

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Felix Stutz ist seit rund 10 Jahren Präsident von SWISSMECHANIC. (SWISSMECHANIC)
Felix Stutz ist seit rund 10 Jahren Präsident von SWISSMECHANIC. (SWISSMECHANIC)

SWISSMECHANIC: In Ihrem letzten Editorial in der Dezember-Ausgabe 2011 der Verbandszeitschrift schreiben Sie, dass der Bund, so wie er der Grossindustrie hilft, in neue Märkte vorzustossen, auch der exportorientierten KM-Zulieferindustrie mit einer sinnvollen Unterstützung mit entsprechenden Massnahmen gleichberechtigt und massvoll helfen soll. Wie könnten Sie sich eine solche Unterstützung vorstellen?

Felix Stutz: Eine Unterstützung im Sinne, wie sie von Schweiz Tourismus vorgesehen ist, könnte ich mir durchaus für unsere Betriebe vorstellen. Ähnlich wie im Tourismus könnte man auch bei uns kleinere Betriebe zusammenfassen und diesen entsprechende, gezielte Unterstützung geben. Was unseren KMU-Betrieben jederzeit sofort hilft, ist, sie von unnötigen, administrativen, d.h. mit viel Papier verbundenen Büroarbeiten zu entlasten. Ich bedaure auch, dass die Einführung eines Einheitssatzes bei der Mehrwertsteuer einmal mehr zurückgestellt wurde. Anderseits muss es uns als Verband gelingen, als Einheit präsent zu sein und mit verschiedenen Arbeitsprojekten (ARGES) auch im Ausland stärker aufzutreten.

SM: In letzter Zeit erhält man den Eindruck, dass Regierung und Parlament sich weiterhin mit internen Machtkämpfen neutralisieren. Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit ihrem am 9. Januar 2012 zurückgetretenen Präsidenten kommt zurzeit nicht mehr aus den Schlagzeilen. Dies sind alles Negativfaktoren, die wenig zur Lösung unserer wirtschaftlichen und politischen Probleme beitragen. Wie sehen Sie diese Problematik?

F. Stutz: Es ist beängstigend, feststellen zu müssen, dass seit geraumer Zeit immer mehr «auf den Mann» gespielt wird anstatt die Sache in den Mittelpunkt des Problems zu stellen. Das Erarbeiten von vernünftigen Rahmenbedingungen für unsere Branche ist in weite Ferne gerückt. Dabei gäbe es genügend Ansätze für eine konstruktive Lösungsfindung für unsere Branche. Ansätze zu einer pragmatischen Lösung, die es unseren Betrieben erlauben sollten, weiterhin konkurrenzfähig auf dem harten Markt auftreten zu können.

SM: Manchmal bekommt man den Eindruck, dass die Verbandsmitglieder von SWISSMECHANIC ihre Probleme lieber alleine zu lösen versuchen als ihre Sorgen und Nöte dem Verband anzuvertrauen. Was muss der Verband unternehmen, um Vertrauen gegenüber dem Mitglied zu schaffen und es zu überzeugen, dass ein gemeinsames Vorgehen zu einer besseren Lösung führen könnte?

F. Stutz: Vielfach ist man auch Konkurrent in gewissen Bereichen und man hat Angst vor den Mitbewerbern. Hier könnte es eine Aufgabe des Verbandes sein aufzuzeigen, dass, trotz Zugehörigkeit zur gleichen Branche, die Angebotsvielfalt derart unterschiedlich ist, dass eine direkte Konkurrenzierung vielfach nicht vorhanden ist. Anderseits kann man auch darauf aufmerksam machen, dass man ähnlich gelagerte Probleme des Einzelnen besser zu einer gemeinsam erarbeiteten verbesserten Situation für alle führen könnte. Ich denke auch an Problembereiche in der Administration, im Personal- oder Finanzwesen oder in der Bewältigung der Exportvorschriften. Solche Problemstellungen könnten gemeinsam bestimmt rationeller gelöst werden, ohne dass eine mittelbare Konkurrenzierung vorhanden wäre. Der Verband könnte allenfalls durch gezielte Veranstaltungen mithelfen, Ängste und Befürchtungen sowie vorhandenes Misstrauen abzubauen und die gegenseitige Offenheit innerhalb der Verbandsmitglieder zu fördern. Beispiele von vertrauensbildenden Massnahmen oder Beispiele einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit müssten allenfalls in der Verbandszeitschrift vermehrt aufgezeigt werden. Dies könnte für die Unternehmen Anstoss sein, vermehrt mit dem Verband bei gezielten Lösungsfindungen zusammenzuarbeiten.

SM: Wie sehen Sie anfangs Jahr die wirtschaftliche Entwicklung unserer Branche?

F. Stutz: Diese Frage ist sehr schwierig zu beantworten. Wenn man die Antworten wüsste, wäre es vielen von uns bestimmt um einiges wohler. Eine gewisse Verunsicherung ist vorhanden. Prognosen, die heute gültig sind, können sich morgen ins Gegenteil kehren. Diese Tatsache konnten wir bereits in der Vergangenheit erleben, als wir feststellen mussten, wie schnell sich die jeweilige Situation ändern konnte. Situationen, die wir nicht selber beeinflussen können, bleiben als Fragezeichen stehen und helfen bestimmt nicht mit, die Unsicherheit der heutigen Situation zu verbessern.

SM: Auch intern haben sich zu Jahresbeginn einige Änderungen ergeben. So hat der langjährige Direktor Robert Z. Welna sein Amt seinem Nachfolger, Daniel Thévenaz, übergeben. Was erwarten Sie von diesem Generationenwechsel?

F. Stutz: Einerseits erwarte ich, dass Bewährtes weitergeführt wird, die internen Kosten mit dem Angebot im Gleichschritt bleiben und ein Verbandsangebot nur dort entwickelt wird, wo auch ein Bedürfnis besteht. Es muss aber auch Platz dafür vorhanden sein, Bisheriges kritisch zu hinterfragen. Mit neuem Blut erwarte ich auch einen neuen Innovationsschub zur Weiterentwicklung des Verbandes. So wie bereits in der Vergangenheit erfolgreich neue Produkte und Leistungen dem Mitglied angeboten werden konnten, soll es auch unter der neuen Führung gelingen, allenfalls unter gewissen neuen Voraussetzungen, neue Dienstleistungen und Produkte zu Gunsten des Mitglieds anbieten zu können.

SM: Welches sind Ihre persönlichen Wünsche, die Sie im angelaufenen Jahr erfüllen möchten?

F. Stutz: Was meinen Betrieb betrifft, würde ich mich freuen, wenn ich die in diesem Jahr zu erreichenden Ergebnisse auf Höhe des Vorjahresniveaus konsolidieren könnte. Für den Verband wünsche ich mir einen harmonischen Übergang von der alten zur neuen Geschäftsleitung. Wo man gewillt ist, voneinander zu lernen, aufeinander einzugehen und offen bleibt für Neuerungen. Dann können vorhandene Synergien aus allen Bereichen zum Nutzen unseres Verbandes und unserer Mitglieder umgesetzt werden. <<

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