Das sogenannte Luftschleifen zählt seit jeher zu den grössten Effizienzbremsen im Flachschleifen, insbesondere bei grossen, verzogenen oder ungleichmässigen Werkstücken. Mit «MAP Grinding» (Measuring highest point for Air-cut-less Productivity) präsentiert der Schleifmaschinenhersteller Okamoto eine innovative Lösung, die diesen unproduktiven Leerhub konsequent eliminiert.
Durch automatische Werkstückvermessung, intelligentes Abtragsmanagement und die nahtlose Integration in die intuitive «iQ»-Steuerung ermöglicht «MAP» signifikante Zeit- und Kosteneinsparungen bei gleichzeitig höherer Prozesssicherheit – auch im mannarmen Betrieb. Im Bild vermisst der taktile Messtaster das Werkstück.
(Bild: Okamoto)
Beim Flachschleifen bezeichnet Luftschleifen Bewegungen der Schleifscheibe über dem Werkstück, ohne dass tatsächlich Material abgetragen wird. Die Maschine arbeitet, verbraucht Energie und Zeit jedoch ohne produktiven Effekt. Besonders bei grossen oder verzogenen Platten entstehen lange Leerwege, weil zunächst vom höchsten Punkt des Werkstücks bis zur eigentlichen Bearbeitungszone «heruntergeschliffen» werden muss. Die Folgen sind bekannt: verlängerte Bearbeitungszeiten, unnötiger Scheibenverschleiss, steigende Stückkosten und schwer kalkulierbare Zykluszeiten. Mit «MAP Grinding» hat Okamoto nun eine Lösung entwickelt, die das Luftschleifen erstmals vollständig eliminiert.
Die erste echte Antwort auf das Luftschleifen-Problem
«MAP Grinding» basiert auf einem intelligenten Zusammenspiel aus Messtechnik, NC-Logik und hochpräziser Achsmechanik. Der Prozess läuft vollständig automatisiert ab: Zunächst vermisst ein taktiler Messtaster das Werkstück selbstständig. Die Maschine ermittelt dabei die tatsächliche Oberflächengeometrie, fixiert automatisch den Nullpunkt und identifiziert den höchsten Punkt des Bauteils. Auf dieser Basis erzeugt die Software ein optimiertes Schleifprogramm.
Unproduktive Leerhübe prozesssicher eliminiert: Der Abtrag beginnt am höchsten Punkt.
(Bild: Okamoto)
Der Abtrag beginnt exakt an diesem höchsten Punkt. Von dort arbeitet sich die Maschine schrittweise zu den nächsthöheren Bereichen vor, bis schliesslich der niedrigste Punkt erreicht ist. Geschliffen wird ausschliesslich dort, wo tatsächlich Material abgetragen werden muss. Erst wenn alle Höhenunterschiede ausgeglichen sind, schaltet das System automatisch in den klassischen Pendelschliff über.
Das Ergebnis: keine Leerwege, kein Luftschleifen, kein unnötiger Zeitverlust. Gerade bei grossen oder verzogenen Werkstücken lassen sich laut Okamoto 40 bis 60 Prozent der bisherigen Bearbeitungszeit einsparen.
Gesteuerte X-Achse mit Umlaufspindel
Eine zentrale technische Voraussetzung für «MAP Grinding» ist die präzise Positionierbarkeit des Maschinentisches. Diese wird durch eine servoelektrisch gesteuerte X-Achse mit Kugelumlaufspindel realisiert. Die Umlaufspindel wandelt die Drehbewegung des Servomotors in eine hochgenaue, spielfreie Linearbewegung um. Dadurch kann der Tisch mikrometergenau positioniert und an jeder Messposition exakt angehalten werden.
Patrick Glasstetter, Head of Service bei Okamoto: «Hydraulisch angetriebene Tische sind für dieses Verfahren ungeeignet. Sie pendeln lediglich hin und her, lassen sich nicht exakt positionieren und weisen systembedingt Drift und Totzonen auf. Für die automatisierte Vermessung und die reproduzierbare Abtragsstrategie von ‹MAP› wäre die erforderliche Messgenauigkeit damit nicht erreichbar.»
Intelligentes Schleifen für mehr Effizienz und Nachhaltigkeit
Die Eliminierung des Luftschleifens wirkt sich unmittelbar auf Effizienz und Ressourceneinsatz aus. Kürzere Schleifzyklen reduzieren die Maschinenlaufzeit und senken den Energieverbrauch pro Bauteil. Da nur dort geschliffen wird, wo Materialabtrag notwendig ist, verringert sich zudem der Scheibenverschleiss. Auch der Kühlmittelbedarf sinkt, was Betriebskosten und Umweltbelastung reduziert. «MAP Grinding» verbindet damit Produktivitätssteigerung und Nachhaltigkeit auf intelligente Weise – ein zunehmend wichtiger Faktor in der industriellen Fertigung.
«iQ»-Steuerung: Komplexe Technologie einfach bedient
Die intelligente «iQ»-Steuerung macht das Programmieren auch für weniger erfahrene Anwender komfortabel.
(Bild: KSKOMM)
«MAP» ist vollständig in die bewährte «iQ»-Steuerung von Okamoto integriert. Diese folgt einem klaren Bedienkonzept: möglichst wenig Text, dafür maximale grafische Darstellung. Prozessschritte, Messpunkte und Schleifstrategien werden visuell dargestellt und sind intuitiv nachvollziehbar. Der Vorteil dabei ist, dass auch weniger erfahrene Anwender die Maschine in kürzester Zeit sicher bedienen und produktiv einsetzen können. Aufwendige Programmierkenntnisse oder tiefgehendes Schleif-Know-how sind nicht erforderlich. In Zeiten des Fachkräftemangels wird «MAP» damit zu einem wichtigen Enabler für stabile Produktionsprozesse.
Ideal für mannarme Schichten
Durch die automatische Vermessung, die selbstoptimierende Schleifstrategie und die hohe Prozesssicherheit eignet sich «MAP Grinding» besonders für den mannarmen Betrieb. Die Maschine arbeitet reproduzierbar, vermeidet Bedienfehler und liefert konstante Qualität – auch in Nacht- und Wochenendschichten. Damit wird die Schleifmaschine vom reinen Bearbeitungszentrum zum autonomen Prozessmodul, das Ausbringung steigert, ohne zusätzliches Fachpersonal zu erfordern.
Ein Technologiesprung im Flachschleifen
Patrick Glasstetter, Head of Service bei Okamoto, erklärt das Prinzip des «MAP»-Schleifens.
(Bild: KSKOMM)
Patrick Glasstetter: «Mit ‹MAP Grinding› zeigt Okamoto, wie intelligente Messtechnik, präzise Mechanik und benutzerfreundliche Steuerung zu einem echten Mehrwert verschmelzen. Das System eliminiert Luftschleifen konsequent, steigert die Produktivität deutlich und macht hochpräzises Flachschleifen auch unter schwierigen Rahmenbedingungen wirtschaftlich: Keine ‹Luftnummer›, sondern ein klarer Technologiesprung – und ein neuer Massstab für effizientes, zukunftssicheres Schleifen.»
Stand vom 30.10.2020
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