Geschäftsbericht 2021 GF mit starkem Wachstum und gesteigerter Profitabilität

Von Anne Richter

Georg Fischer (GF) meldet in seinem Geschäftsbericht 2021 ein starkes Wachstum und gesteigerte Profitabilität. Das Betriebsergebnis EBIT liegt um 50 Prozent höher als im Vorjahr. Die lancierte Strategie 2025 richtet Fokus auf nachhaltige Endmärkte wie Wasseraufbereitung, E-Mobilität und Medizintechnik.

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Georg Fischer mit Hauptsitz in Schaffhausen, kann auf ein auserordentlich erfolgreiches Geschäftsjahr 2021 zurückblicken, der Umsatz ist sehr stark gewachsen und auch die Profitabilität konnte gesteigert werden.
Georg Fischer mit Hauptsitz in Schaffhausen, kann auf ein auserordentlich erfolgreiches Geschäftsjahr 2021 zurückblicken, der Umsatz ist sehr stark gewachsen und auch die Profitabilität konnte gesteigert werden.
(Bild: Georg Fischer)

Im Jahr 2021, dem ersten Jahr des neuen Strategiezyklus 2021–2025, hat Georg Fischer (GF) ein starkes Gewinn- sowie Umsatzwachstum erzielt, meldet das Unternehmen in seiner Bilanzmedienkonferenz am 2. März 2022. Der strategische Fokus auf vielversprechende widerstandsfähige Endmärkte, insbesondere jene mit Nachhaltigkeit im Fokus, hat demnach das Ergebnis im Lauf des Jahres positiv beeinflusst und das Geschäftsmodell von GF unterstützt. Darüber hinaus haben sich Geschäftsfelder wie Haustechnik und Versorgung trotz erneutem Gegenwind in den Märkten erholt. GF hat die anhaltenden makroökonomischen Unsicherheiten, geprägt von der Covid-19-Pandemie, dem Halbleitermangel, den Lieferkettenunterbrechungen und steigenden Rohmaterialpreisen, gut bewältigt.

Konzernergebnis: Wachstum in allen drei Divisionen

Der Umsatz von GF belief sich 2021 auf CHF 3722 Mio. (2020: CHF 3184 Mio.), beeinflusst durch die erfolgreiche Entwicklung mehrerer Segmente, unter anderem Rechenzentren, E-Mobilität oder Medizintechnik. Alle drei Divisionen verzeichneten eine solide Entwicklung in China, zusätzlich zum bemerkenswerten Wachstum in Nord-/Südamerika und Europa. Organisch stieg der Umsatz um 15,9% dank des robusten Portfolios in allen drei Divisionen und der Erholung verschiedener Märkte (z.B. Informations- und Kommunikationstechnik, Werkzeug- und Formenbau, Wasseraufbereitung, chemische Prozessindustrie, Schiffbau), welche die verhaltene Performance im Luftfahrt- sowie Automobilsektor ausglichen. Preiserhöhungen wirkten sich positiv auf das Umsatzwachstum aus und unterstrichen die starke Marktposition von GF. Das solide zweite Halbjahr führte zu einem Betriebsergebnis (EBIT) von CHF 278 Mio. (2020: CHF 185 Mio. EBIT vor Einmaleffekten). Die EBIT-Marge stieg auf 7,5% (2020: 5,8% EBIT-Marge vor Einmaleffekten).

Die Rendite auf das investierte Kapital (ROIC) erreichte 16,4% (2020: 9,3%). GF Piping Systems erzielte einen bemerkenswerten ROIC von 32,1% (2020: 24,2%) und übertraf damit die im Rahmen der Strategie 2025 festgelegte Zielspanne. Ende 2021 beschäftigte GF 15 111 Mitarbeiter gegenüber 14 118 Mitarbeiter zum Vorjahresende. Mit seinen erfolgreichen globalen Geschäftsaktivitäten konnte GF seine Bilanz weiter stärken. Dies resultierte zum Jahresende in einer hohen Liquidität und einem tiefen Nettoverschuldungsgrad von 0,1 (2020: 0,4). Die Eigenkapitalquote betrug solide 39,7% (2020: 40,3%).

Das den Aktionären von GF zurechenbare Konzernergebnis lag bei CHF 214 Mio. (2020: CHF 116 Mio.). Das starke vierte Quartal führte zu einem Anstieg des Nettoumlaufvermögens, was sich negativ auf den freien Cashflow vor Akquisitionen auswirkte. Dieser belief sich dennoch auf solide CHF 151 Mio. (2020: CHF 230 Mio.). Der Gewinn je Aktie stieg um 86% auf CHF 52 (2020: CHF 28). An der kommenden Generalversammlung wird der Verwaltungsrat eine Dividende je Aktie von CHF 20 vorschlagen (2020: CHF 15 je Aktie).

GF Machining Solutions: Führender Technologieanbieter im Bereich WZM

An der führenden Fachmesse EMO in Mailand (Italien) präsentierte die Division ihre nächste Generation an Innovationen und neuen Technologien. Mit ihren neuen EDM- (Draht- und Senkerodiermaschinen) sowie Lasermaschinen und dem Angebot an neuen digitalen Serviceleistungen bleibt GF Machining Solutions weiterhin eine der führenden Technologieanbieterinnen im Bereich Werkzeugmaschinen (WZM). Dies unterstreicht auch die erfolgreiche Eröffnung des neuen Kompetenzzentrums in Schorndorf (Deutschland), das sich ausschliesslich auf das wachsende Segment Medizintechnik fokussiert. Mit der Integration eines Anbieters von Wartungs- und Reparaturservices für Werkzeugmaschinen in Frankreich und der Entwicklung neuer Service-Dienstleistungen treibt die Division den Ausbau dieses Geschäftsfelds weiter voran.

2021 verzeichnete die Division einen signifikanten Anstieg bei den Auftragseingängen (+33,3%), insbesondere in den Segmenten Medizintechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie und Hochpräzisions-Lösungen für E-Mobilitätsanwendungen. Trotz Problemen bei den Lieferketten und einer nach wie vor verhaltenen Entwicklung in der Luftfahrtindustrie steigerte sich der Umsatz von GF Machining Solutions um 20,3% auf CHF 873 Mio. (2020: CHF 725 Mio.), wobei Automatisierungs-, Laser- und EDM-Technologien den grössten Beitrag leisteten. Das Betriebsergebnis (EBIT) betrug CHF 47 Mio. (2020: CHF 20 Mio.), was einer EBIT-Marge von 5,4% entspricht. Dies bedeutet eine Verdoppelung gegenüber 2020. Aufgrund von Lieferverträgen mit langen Laufzeiten wirkte sich der Anstieg der Rohstoffpreise nur geringfügig auf den Umsatz im Jahr 2021 aus.

GF Piping Systems: Ausbau höherwertiger Geschäftsfelder

Im Einklang mit der Strategie 2025 fokussierte sich GF Piping Systems auf den Ausbau höherwertiger Geschäftsfelder, die sich auf wichtige Nachhaltigkeitsbedürfnisse ausrichten. Dieser Fokus zahlte sich aus. Die Division erzielte in allen wichtigen Märkten Rekordergebnisse. Durch die starke Erholung in der Industrie, Versorgung und Haustechnik wuchs das Geschäft organisch um 14,3%, was zu einem Gesamtumsatz von CHF 1’971 Mio. im Jahr 2021 führte (2020: CHF 1’708 Mio.). Dank ihrer starken Marktposition konnte die Division ihre Preise um rund 6% anheben und dadurch den steigenden Kosten entgegenwirken.

Das Betriebsergebnis (EBIT) stieg 2021 auf CHF 247 Mio. gegenüber CHF 193 Mio. im Vorjahr. Diese deutliche Verbesserung führte zu einer EBIT-Marge von 12,5% im Vergleich zu 11,3% im Vorjahr. Im Jahr 2021 tätigte die Division umfangreiche Investitionen in zukünftiges Wachstum und baute ihre Positionen in den Segmenten Mikroelektronik und Rechenzentren weiter aus. Damit erweiterte sie ihre traditionellen Stärken in den Bereichen Wasseraufbereitung, urbane Infrastrukturen und Haustechnik.

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2021 markiert zudem einen wichtigen Eckpfeiler für die starke Position von GF Piping Systems im Bereich Nachhaltigkeit: Mit der kürzlichen Einführung der ersten Rohrleitungs- und Armaturenprodukte mit biobasiertem PVC-Anteil trägt die Division zur Senkung des CO2-Fussabdrucks sowohl ihrer eigenen Geschäftstätigkeit als auch jener ihrer Kunden bei. Mit den von GF gelieferten Armaturen, Ventilen und Rohrleitungen unterstützt GF Piping Systems ferner die Entwicklung und den Einsatz von grünem Wasserstoff als Energiequelle sowie dessen Verteilung über die Gasnetze.

GF Casting Solutions: Fokus Leichtbaukomponenten

GF Casting Solutions hat eine vorherrschende Rolle im Bereich der nachhaltigen Mobilität übernommen. Mit ihrem Fokus auf Leichtbaukomponenten profitiert die Division von der steigenden Nachfrage nach Hybrid- und Elektrofahrzeugen in allen wichtigen Regionen. Dies sollte auch in den kommenden Jahren zu einer anhaltenden Absatzsteigerung von Elektrofahrzeug-Komponenten führen. 2021 machten die Aufträge für Elektrofahrzeug-Komponenten CHF 430 Mio. oder 43% der gesamten Auftragsakquisition der Division aus. Während GF Casting Solutions im ersten Halbjahr 2021 vielversprechende Anzeichen einer Erholung zeigte, führte der Chipmangel im zweiten Halbjahr weltweit zu einem erheblichen Rückgang der Abrufe. Dennoch erzielte die Division in 2021 einen Umsatz von CHF 880 Mio., was einer Steigerung von 17,1% gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Organisch stieg der Umsatz um 15,9%. Das Betriebsergebnis (EBIT) betrug CHF 5 Mio. im Vergleich zu einem negativen EBIT im Jahr 2020. Die EBIT-Marge belief sich auf 0,5% und lag damit über der negativen EBIT-Marge vor Einmaleffekten von –2,0% im Vorjahr. Zusätzlich zur Reduktion der Abrufe wurde das Ergebnis durch den Arbeitskräftemangel in den USA sowie den starken Preisanstieg bei Rohstoffen wie Aluminium und Magnesium beeinträchtigt. Dieser kann erst mit einem Zeitverzug von rund drei Monaten wieder weitergegeben werden. Der Anstieg der Metallpreise war für rund 6% des Umsatzwachstums verantwortlich.

Die neue Leichtmetallgiesserei in Mills River (USA) trug in 2021 deutlich zum Wachstum der Division bei und verfügt weiterhin über ein volles Auftragsbuch. Allerdings wurde der Standort, der sich immer noch in der Anlaufphase befindet, von den oben genannten Faktoren stark beeinflusst, was sich negativ auf das Ergebnis des Standorts und der Division auswirkte. Das neue Werk in Shenyang (China) ist auf Kurs und wird bereits Ende 2022 und damit früher als geplant die Produktion aufnehmen. Dies wird der Division ermöglichen, ihre Kunden auf dem weltweit grössten Automobilmarkt besser zu bedienen, was im Einklang mit dem strategischen Ziel steht, das Geschäft weiter zu globalisieren und sich auf Leichtbaukomponenten zu fokussieren.

Covid-19-Pandemie beschleunigte die Transformation

Die Covid-19-Pandemie hat das Geschäftsjahr 2021 von GF stark beeinflusst. Lieferengpässe, Verknappung von Rohstoffen und Komponenten sowie der Anstieg der Personalkosten und der Rohstoffpreise stellten das Unternehmen weltweit vor Herausforderungen. Um die Effekte der Pandemie auszugleichen, wurden dank der Digitalisierung verschiedene interne und externe Prozesse etabliert, vereinfacht und beschleunigt, wobei die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter stets oberste Priorität hatte.

2021 startete der neue Strategiezyklus von GF, bei dem Innovation eine zentrale Rolle spielt. Der Fünfjahresplan richtet sich auf drei strategische Handlungsfelder aus: profitables Wachstum, Widerstandsfähigkeit des Portfolios und das Ausschöpfen des vollen Potenzials im Unternehmen mit dem Ziel, eine Leistungs- und Lernkultur weiterzuentwickeln. In Bezug auf das erste strategische Handlungsfeld verlagerten alle drei Divisionen den Fokus ihrer Vertriebsanstrengungen und Innovationen auf intelligente und nachhaltige Lösungen. Zur Steigerung der Robustheit durch Portfolioerweiterungen und operative Exzellenz investierte und expandierte GF auch 2021 in weniger zyklische Geschäftsfelder, so zum Beispiel in das Wasser- und Gasgeschäft in Brasilien. Gleichzeitig wurden die Marktsegment-Organisationen (z.B. Wasseraufbereitung, E-Mobilität und Medizintechnik) in allen drei Divisionen gestärkt. Mit Blick auf die Entfaltung des vollen Potenzials lancierte GF mit «Culture Movement« eine Reihe von Initiativen wie etwa die Umsetzung der neuen Unternehmenswerte in Bezug auf «Caring, Learning und Performance«.

Nachhaltigkeit stärkt die Performance, strategische Ausrichtung zahlt sich aus

Nachhaltigkeit ist ein integraler Bestandteil der erfolgreichen Umsetzung der Strategie 2025 und bietet Wachstumschancen in allen Divisionen von GF. Die Produktpalette von GF richtet sich zunehmend darauf aus, Vorteile durch Nachhaltigkeit zu bieten und die Kunden bei der Erreichung ihrer eigenen Nachhaltigkeitsziele zu unterstützen. Gleichzeitig stärkt sie die auf langfristiges Wachstum ausgerichteten Initiativen von GF sowie die Erzielung einer nachhaltigen Performance. 2021 wurde GF in den neu lancierten SPI-ESG Index aufgenommen und konnte seine Position nach der jährlichen Überprüfung des SXI-Swiss Sustainability-25-Index verteidigen. GF erreichte ferner das bestmögliche Rating (Wertung «1«) in der Umweltkategorie des ISS Quality Score Rating und hielt seine gute Position mit einem «A–« Rating im CDP-Ranking, mit dem die Anstrengungen im Umgang mit dem Klimawandel und für Wassersicherheit anerkannt werden. Zudem verbesserte GF 2021 seine Gesamtwertung im S&P Corporate Sustainability Assessment (CSA) von 33/100 im Jahr 2020 auf 60/100 und lag somit deutlich über dem Branchendurchschnitt von 28/100.

Aktiensplit und vorgeschlagene Änderungen im Verwaltungsrat

An der kommenden Generalversammlung vom 20. April 2022 wird der Verwaltungsrat einen Aktiensplit im Verhältnis von 1 zu 20 vorschlagen, sodass neu 82'017'960 Namenaktien mit einem Nennwert von je CHF 0.05 ausstehend sein werden. Dieser Split soll den Handel mit GF-Aktien auch für Kleinanleger erleichtern. Der erste Handelstag der gesplitteten Aktien ist für Ende April 2022 geplant, nach Zahlung der vorgeschlagenen Dividende.

Wie bereits angekündigt, wird der Verwaltungsrat zudem Ayano Senaha zur Wahl als neues Mitglied des Verwaltungsrats vorschlagen. Die 39-jährige Japanerin ist derzeit COO (Chief Operating Officer) und Verwaltungsratsmitglied von Recruit Holdings in Tokio (Japan), einem Pionier im Bereich der digitalisierten Stellensuche und mit seiner Marke Indeed weltweit führender Anbieter von Matching-Diensten im Internet. Mit dieser Nominierung erweitert der Verwaltungsrat gezielt die zunehmend wichtiger werdenden Kompetenzen in den Bereichen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Governance.

Ausblick auf das Gesamtjahr 2022

Die neue Strategie 2025 hat die Mitarbeitenden von GF weltweit inspiriert und motiviert, die Geschäftsaktivitäten weiter auszubauen und proaktiv zur Umsetzung der neuen Vision beizutragen. GF ist mit einer vielversprechenden Auftragslage und einer positiven Dynamik in allen Divisionen in das Jahr 2022 gestartet. GF Piping Systems kann sich auf ihre starke Position in verschiedenen Endmärkten, auf die anhaltende Verlagerung in höherwertigere Geschäftsfelder und die wachsenden Nachhaltigkeitsbedürfnisse ihrer Kunden abstützen. Bei GF Casting Solutions dürfte sich der weltweite Chipmangel im Verlauf des Jahres etwas abschwächen und die Division somit in der Lage sein, weiterhin vom Wandel in der Automobilindustrie in Richtung E-Mobilität zu profitieren.

Das Luftfahrtsegment entwickelt sich nach wie vor verhalten, zeigt aber Anzeichen einer leichten Erholung, wovon zwei Divisionen profitieren sollten. Die positive Dynamik bei GF Machining Solutions im vierten Quartal 2021 dürfte sich auch in den kommenden Monaten fortsetzen. Geopolitische Spannungen und Engpässe bei den Lieferketten erschweren eine Prognose. Unter der Annahme, dass sich die Herausforderungen abschwächen und keine unvorhergesehenen Umstände eintreten, erwartet GF für 2022 sowohl bei Umsatz als auch Gewinn einen weiteren Schritt zur Erreichung der Strategieziele 2025.

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