Gleitleisten aus modifiziertem Polyamid

Redakteur: Anne Richter

>> Das österreichische Unternehmen Faigle Kunststoffe hat eine innovative Werkstofflösung für die Fördertechnik entwickelt. Die Gleitleisten aus modifiziertem Polyamid gewährleisten einen verschleiss- und geräuscharmen Betrieb und können auch bei sehr hohen Druckbelastungen überzeugen.

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Die Gleitleisten überzeugen auch bei hohen Druckbelastungen und bieten eine Fülle von neuen Anwendungsmöglichkeiten. (Bild: Faigle)
Die Gleitleisten überzeugen auch bei hohen Druckbelastungen und bieten eine Fülle von neuen Anwendungsmöglichkeiten. (Bild: Faigle)

ari. Überall dort, wo unzählige Paletten, Pakete oder Kunststoffbehälter mit hoher Geschwindigkeit auf langen Wegen durch die Lagerhallen transportiert werden müssen, sind Kunststoffgleitleisten die optimale Wahl zur Führung der Rollenketten. Um einen verschleiss- und geräuscharmen Betrieb der zu führenden Rollenketten zu gewährleisten, verwenden viele Hersteller automatisierter Förder- und Lageranlagen Kunststoffgleitleisten, welche sich vor allem durch ihren geringen Reibungskoeffizienten und ihre hohe chemische Beständigkeit auszeichnen.

Nachteil UHMW-Polyethylen: geringe Druckfestigkeit

Als gängigstes Gleitleistenmaterial wird das UHMW-Polyethylen verwendet. Dieser Werkstoff verfügt über ein gutes Gleitverhalten, geringen Reibwiderstand, geringen Verschleiss und ist z. B. auch für die Lebensmittelindustrie zugelassen. Einziger Nachteil – die Druckfestigkeit dieses Werkstoffes. Will man z. B. Gitterboxen mit bis zu 1000 kg oder Paletten mit bis zu 1500 kg transportieren, werden dem Hersteller von Förderanlagen schnell die Grenzen dieses Standardwerkstoffes aufgezeigt. Das soll heissen, dass durch die hohen Belastungen des schweren Förderguts die Rollen sehr tief in die Gleitleisten gedrückt werden. Durch dieses Eindrücken entsteht ein Walkeffekt in der Kunststoffleiste, welcher zu Ausbrüchen bis hin zum Wegschmelzen der Gleitleiste führen kann und somit ein Versagen des Systems zur Folge hat.

Geringer Verschleiss und hohe Druckfestigkeit

Der österreichische Kunststoffverarbeiter Faigle Kunststoffe hat jetzt ein Material entwickelt, das einerseits diesen hohen Druckbelastungen auf Dauer standhält und andererseits die «Musskriterien» wie Gleiteigenschaften, Reibwiderstand, Verschleiss und Dimensionsstabilität erfüllt. Gemeinsam mit einem namhaften Fördertechnikhersteller wurde ein Testaufbau eines Kettenförderers aufgebaut, um praxisnah und ohne Verfälschung der Ergebnisse mit den unterschiedlichsten Materialien unzählige Tests und Versuche durchführen zu können.

Aufgrund der Zähigkeit und Druckfestigkeit war schnell klar, dass die Faigle-Spezialentwicklungen PAS 60 X, PAS 60 X modifiziert und PAS 80 X die idealen Basiswerkstoffe für die Gleitleisten waren. Dieses mit Trockenschmierstoff ergänzte Polyamid wurde dann zusätzlich noch mit Glaskugeln, Glasfasern und Kohlefasern in den verschiedensten Zusammensetzungen modifiziert, um die Druckfestigkeit und Steifheit nochmals zu erhöhen. Aufgrund der Tatsache, dass bei Faigle Kunststoffe alle Werkstoffe selber compoundiert werden, konnte sich das Unternehmen so relativ schnell und einfach durch eine Vielzahl unterschiedlichster Modifizierungen an ein Optimum herantasten und schlussendlich eine ideale Materialmischung für diese hohen Belastungen finden. Dieser neue Werkstoff hat zudem gegenüber dem Standardwerkstoff den erheblichen Vorteil, dass die thermische Längendehnung um die Hälfte reduziert werden konnte und somit auch bei grösseren Temperaturschwankungen kleinere Spaltmasse realisierbar sind.

Neue Anwendungsmöglichkeiten in der Lagertechnik

Mit einem modifizierten Polyamid wurde ein Material für die Gleitleisten gefunden, das den höchsten Druckbelastungsanforderungen entspricht und somit den Förder- und Lagertechnikherstellern eine Fülle von neuen Anwendungsmöglichkeiten bietet. Möglich wurde diese Innovation durch eine intensive Zusammenarbeit mit einem Kunden und dem Ziel von Faigle Kunststoffe, mit ihren Partnern gemeinsam Erfolge zu erzielen, neue Lösungen zu finden und die vorhandenen Werkstoffe ständig zu verbessern und zu optimieren. <<

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