Energieeffizienz Grün-Anlagen der besonderen Art

Redakteur: Matthias Vogel

Das Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU beteiligte sich als Aussteller an der EMO Hannover 2011 und organisierte ausserdem zusammen mit dem VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) eine Konferenz zur ressourceneffizienten Produktion. Was ihn in Sachen «Grün-Anlagen der besonderen Art» bewegt, schildert Prof. Dr.-Ing. Reimund Neugebauer, Leiter des Chemnitzer Institutes.

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Globale Nachhaltigkeit: Das Fraunhofer IWU verfügt über ein Spitzentechnologie-Cluster mit jungen Forschern, die internationale Wissenschaftler bei ihrer Arbeit an energieeffizienten Lösungen betreuen.
Globale Nachhaltigkeit: Das Fraunhofer IWU verfügt über ein Spitzentechnologie-Cluster mit jungen Forschern, die internationale Wissenschaftler bei ihrer Arbeit an energieeffizienten Lösungen betreuen.
(Bild: Fraunhofer IWU, Chemnitz)

Herr Professor Neugebauer, welche Themen bewegen Sie mit Blick auf Werkzeugmaschinen, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit besonders?

Prof. Dr.-Ing. Reimund Neugebauer: Es sind drei Themen. Zum einen die Trockenbearbeitung: Beim Spanen mit bestimmter Schneide ist sie weitgehend eingeführt. Ganz am Anfang steht dagegen die trockene Feinbearbeitung, also beispielsweise beim Schleifen. Da gibt es hervorragende Ansätze, denn gerade beim Schleifen ist der Energieverbrauch durch Kühlmittel deutlich grösser als 50 Prozent.

Das zweite wichtige Thema: Aus Gründen des Leichtbaus und der Umweltverträglichkeit werden zunehmend schwer spanbare Werkstoffe eingesetzt. Das betrifft sowohl den Automobil- aus auch den Flugzeugbau. Prozesssicherheit und Produktivität stellen Herausforderungen für die Prozessgestaltung und die Maschinentechnik dar. Erfolgversprechend sind hierfür zum Beispiel alternative Kühlstrategien wie Hochdruckkühlung oder auch der Einsatz von Kryogenen, etwa von flüssigem Wasserstoff und Sauerstoff.

Das dritte Thema betrifft die Bearbeitung sehr grosser Bauteile: Hier gibt es einen neuen Trend «Maschine zum Bauteil»: Es wurden mobile Bearbeitungsmaschinen entwickelt, die sich an Bauteilen wie etwa Schiffskurbelwellen, Rotoren von Turbinen und Walzen entlang bewegen und die zum Teil auch unter verschiedenen Medien wie Wasser, Vakuum, Eis einsetzbar sind. Eine hocheffiziente Mechatronik garantiert dabei eine reproduzierbare Präzisionsbearbeitung.

Welchen gemeinsamen Nenner gibt es bei Hightech-Ländern wie den USA, der Schweiz und Deutschland in Sachen Grün-Anlagen der besonderen Art, worin unterscheiden sie sich?

Neugebauer: Uns verbindet mit Sicherheit die Sensibilität. Alle drei Staaten gehen mit einem sehr hohen Verantwortungsbewusstsein an das Thema. Das führt dazu, dass alle drei Länder beim Entwickeln und beim Anwenden von Nachhaltigkeitstechnologien in der Produktion eine Führungsrolle übernommen haben. Wir verfügen übrigens in Chemnitz über ein Spitzentechnologie-Cluster mit 75 jungen Forschern, die internationale Wissenschaftler bei ihrer Arbeit an energieeffizienten Lösungen betreuen. Darunter befinden sich mehrere Kollegen aus den USA und der Schweiz.

Gibt es auch in Schwellenländern wie China oder Indien Bestrebungen, die Einführung nachhaltiger Fertigungstechnik staatlich zu unterstützen?

Neugebauer: In Indien besteht nicht zuletzt aufgrund des enormen Wirtschaftswachstums ein vehementes Interesse an Lösungen zur energie- und materialeffizienten Produktion. So wurde am 07. Oktober des vergangenen Jahres, anlässlich des Besuchs von Anand Sharma, dem indischen Minister für Wirtschaft und Industrie, ein «Memorandum of Understanding» zur Zusammenarbeit zwischen der Confederation of Indian Industry (CII), dem Central Manufacturing Technology Institute (CMTI) und der Fraunhofer Gesellschaft unterzeichnet. Im Fokus dieser vom indischen Ministerium unterstützten Initiative wird die Zusammenarbeit bei der Entwicklung und Umsetzung von «green, clean and energy efficient production technology» liegen. In China sind mir derartige Bestrebungen nicht bekannt.

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