Wirtschaft >> Die Schweizer Zahlungsmodalität wird geschändet
Kennen Sie das? 60 Tage netto, oder gar 90 und 120 Tage? Darf es noch ein wenig Skontoabzug sein? Vielleicht drei oder vier Prozent? Seit der Währungskrise liegen die Kreationen exotischer Zahlungsmodalitäten voll im Trend. Gründe, warum diese neue Variantenvielfalt ökonomisch ein absoluter Nonsens ist, gibt es genug.
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Ein Schwanzbeisser – schneller als man denkt
Die Erhöhung der Zahlungsfristen von den bewährten 30 Tagen auf 60 oder 90 Tage bei den Lieferanten sorgt für einen kurzfristigen Liquiditätsanstieg beim Kunden. Einverstanden. Sobald alle diese Modalität auf Druck der Kunden eingehen und Folge dessen auch bei ihren Lieferanten die Erhöhung durchgesetzt haben, hebt sich der Vorteil auf. Er wird sogar zum Nachteil, da man selber auf die Differenz des eingekauften Wertes zum Verkaufspreis sprich auf die Entlöhung der Wertschöpfung, einen oder zwei Monate länger warten muss. Unter dem Strich hat man sich mittelfristig in eine schlechtere Liquiditätslage hinein manövriert. Was passiert, wenn alle 60 oder 90 Tage netto durchgesetzt und ihren Lieferanten aufgedrückt haben? Wird dann 4% Skonto und 120 Tage netto als „Weiterentwicklung“ dieses Erfolgsmodells angestrebt?
KMU – Abkürzung für „Kreditbank mehrerer Unternehmen“
Es ist nicht die Aufgabe der Unternehmen, Bank zu spielen. Die Banken können das nämlich viel besser. Die Unternehmen haben Recht auf Bezahlung der Leistung zum Marktpreis und auf Bezahlung nach Auslieferung und Prüfung der Ware, sprich innert 30 Tagen rein netto. Alles andere ist ökonomisch falsch.
Skonto – Macht dem „Wucherzins“ Konkurrenz
Trotz hartem wirtschaftlichem Umfeld ist es unsinnig, wohlbemerkt in Zeiten von tiefsten Zinsen, 3% Skonto einzugehen für die rasche Zahlung innert 10 Tagen. Würde man lediglich 20 Tage länger auf die Zahlung warten also bis 30 Tage vergangen sind, fährt man glatte drei Prozent mehr Marge ein. Das ist doch ein beachtlicher Mehrgewinn in der Industrielandschaft. Oder anders noch eindrücklicher betrachtet, entspricht dieser Skonto umgerechnet auf einen Jahreszins satten 54.75% Zins. Da staunt doch selbst der „Wucherzins“.
Bürokratie – Einmal nicht vom Staat vorgeschrieben
Wenn der Staat der Industrie und dem Gewerbe neue bürokratische Experimente aufdrückt, werden schnell Stimmen laut. Tut sich das die freie Marktwirtschaft aber selber an, läuft es unter Optimierung der Einkaufsbedingungen. Der Aufwand für alle sich in der Kette befindenden Unternehmen ist nicht zu unterschätzen, wenn sich etablierte Spielregeln ändern. Jede Firma muss mit den Lieferanten extra kommunizieren, anstatt über neue Produkte über Zahlungsmodalitäten mit Kunden verhandeln, die Bedingungen im System nachpflegen, allenfalls EDV Systeme anpassen lassen damit es die neuesten Kreativitäten abbilden kann. Der Nächste in der Kette auch wieder und dann der Nächste wieder….
Schlaumeier – „S’Weggli und dä Bazzä“
Ganz clevere Marktteilnehmer handeln Folgendes aus: Zahlungsfristen von 30 auf 90 Tage und gleichzeitig 3% Skonto innert 10 Tagen. Hört sich nach einem Widerspruch an. Wenn schon, beschränkt man sich auf die eine Forderung oder auf die andere, nicht auf Beide. Hat nämlich eine Firma zu viel Liquidität, macht es aus ihrer Sicht Sinn, Skontozugeständnisse zu fordern. Hierfür kann sie allenfalls argumentieren. Wenn die gleiche Firma sich aber vorbehält anstatt in 10 Tagen in 90 Tagen zu bezahlen, deutet das auf eher knappe liquide Mittel hin, die Firma ist froh, wenn sie etwas länger warten kann, weil das Geld nicht locker sitzt. In diesem Fall findet sie ausnahmsweise entsprechende Hilfe bei den Lieferanten. Will eine Firma mit beiden Anpassungen gleichzeitig argumentieren, könnte das als „Auspresstaktik“ gewertet werden und nicht als Hilfeanfrage aufgrund des Liquiditätsbestandes.
Sehr geschätzte Wirtschaft, mach es Dir diesmal doch einfach, bleib einfach bei den „30 Tagen“ netto…<<
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