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Schweizer Qualitätszulieferer 2019 Heinz Baumgartner AG: Von Tegerfelden bis zum Mars

Redakteur: Matthias Böhm

Ob es um die Erkundung der Marsoberfläche oder die Aufspürung von Exoplaneten geht: Die Heinz Baumgartner AG ist immer vorn dabei. Darüber hinaus werden komplexe Roboterarme für Bestrahlungsanlagen für medizinische Anwendungen gefertigt und montiert. Aber auch hochgradig bodenständige Bauteile bis 3 Meter Kantenlänge werden hier produziert.

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CEO Erwin Baumgartner mit seinen Söhnen Dominik und Raphael, die bereits im Unternehmen mit anpacken. Die Geschäftsleitung besteht noch aus weiteren 3 Kadermitarbeitern sowie der Schwester Agnes Huber (CFO).
CEO Erwin Baumgartner mit seinen Söhnen Dominik und Raphael, die bereits im Unternehmen mit anpacken. Die Geschäftsleitung besteht noch aus weiteren 3 Kadermitarbeitern sowie der Schwester Agnes Huber (CFO).
(Bild: Thomas Entzeroth)

An Marsexpeditionen oder gar Exoplaneten denkt man kaum, wenn man die Heinz Baumgartner AG im romantischen Tegerfelden besucht. Doch das ändert sich schlagartig, wenn man Bauteile und Projekte von Erwin Baumgartner (CEO) präsentiert bekommt. Denn die befinden sich auf Mond- oder Mars-Expeditionen sowie in Weltraumsonden, die auf der Suche nach Exoplaneten sind.

Von der Blechfertigung bis zum Roboterarm

Forschung, Luft- und Raumfahrt ist ein High-End-Betätigungsfeld der Heinz Baumgartner AG, aber nicht nur. Von der Blechbearbeitung über die spanendende Fertigung bis hin zur Produktion von medizintechnischen Roboterarmen für Tumor-­Bestrahlungssysteme beherrscht das Unternehmen ein breites und hochgradig anspruchsvolles Technologiespektrum. Das Teilespektrum beginnt typischerweise bei 10–20 mm Kantenlänge und geht bis zu 3 x 2 x 2 Meter im kubischen Bereich, im Drehbereich liegen die Grenzen bei 4 m Spitzenweite und 2 m Durchmesser. E. Baumgartner: «Es gibt nicht viele Betriebe, die eine solche Fertigungsbreite haben wie wir. Unsere Stärke liegt in der Kombination der Bearbeitungsverfahren.»

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Das Kundenspektrum des Unternehmens kommt aus Industrie, Forschung, Raumfahrt und Medizintechnik. Entsprechend vielseitig ist das Wissensspektrum des Inhabers und Geschäftsführers in zweiter Generation. E. Baumgartner spricht mit Begeisterung über das CaSSIS-Kamera-Projekt der Marssonde, über den FEL-Teilchenbeschleuniger und über die Detektion von Exoplaneten, fast so, als wäre er bei deren Entwicklung mit dabei gewesen. Nur wenige Minuten später wechselt er das Thema in Richtung Personalwesen, um aufzuzeigen, wie wichtig ihm die Weiterentwicklung seiner Mitarbeiter ist. Und genau das ist der Grund, warum er persönlich die Jahresendgespräche mit allen Mitarbeitern führt. Dass er darüber hinaus noch über fertigungstechnische Kompetenzen verfügt, ist fast schon eine Nebensache. Und wenn man ihn fragt, was die Heinz Baumgartner AG konkret kann, antwortet er bescheiden: «Unsere Kompetenz ist der Maschinenbau. Das machen wir und das können wir.»

Über 60 Lehrlinge seit Bestehen des Unternehmens ausgebildet

Genau das können sie, und zwar perfekt. Das kommt nicht von ungefähr. Denn ausser auf einen hochmodernen Fertigungspark legt E. Baumgartner grossen Wert auf einen ausgezeichneten Ausbildungsstandard: «Swiss Skills und World Skills sind ein Riesenthema bei uns, noch dazu sind wir recht erfolgreich.» Bei den Schweizer Berufsmeisterschaften belegten die Lehrlinge immer wieder vordere Plätze, wie z. B. Manuel Wenzinger (2. Platz, 2018) und Patrick Meier (1. Platz, 2016). Apropos Ausbildung: Über 60 Lehrlinge haben ihren Lehrabschluss seit Bestehen des Unternehmens absolviert, das 1962 von Vater Heinz Baumgartner gegründet wurde, der noch heute seinem Sohn, der Tochter sowie den beiden Enkeln im Unternehmen über die Schultern schaut.

Industrie 4.0 und mannlose Schichten

Als Schweizer Industrieunternehmen ist man darauf angewiesen, die Maschinen optimal auszulasten und in Richtung Industrie 4.0 auszurichten, wie E. Baumgartner im Gespräch betont: «Ziel ist es, wechselnde kleine Serien mannlos im 24-Stunden-Betrieb zu fertigen. Hierfür haben wir beispielsweise in ein neues Bearbeitungszentrum mit Paternoster-Automationssystem investiert, um auch anspruchsvollste Werkstücke mannlos zu fertigen. Natürlich müssen hierfür die Zerspanungsparameter und die Frässtrategien entsprechend optimiert werden, Werkzeugüberwachung inklusive. Und genau dafür haben wir unsere gut ausgebildeten Mitarbeiter.»

Das Beste zum Schluss

Das Beste kommt zum Schluss, und zwar beim Stichwort Familienfreundlichkeit. Das Unternehmen fördert aktiv Beruf und Familie, indem es freiwillig einen zweiwöchigen Vaterschafts­urlaub eingeführt und die Kinderzulagen verdoppelt hat. Und schliesslich noch ein Blick in die Zukunft: Für die Medizintechnik ist ein 4000 m2 grosses Neubauprojekt in Planung. Auf der frei werdenden Fläche in den bestehenden Fabrikhallen wird weiter in den Maschinenpark investiert, um das ständig steigende Auftragsvolumen noch schneller fertigen zu können.

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