Doppelspindel-Drehzentren im 3-Schicht-Betrieb

Hohe Effizienz und Präzision im Dauerbetrieb

| Autor / Redakteur: Anne Richter / Anne Richter

Der dritte Werkzeugrevolver ermöglicht verschiedene Einsatzvarianten, um die Produktivität zu erhöhen, inklusive simultaner Fräs- oder Drehbearbeitung.
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Der dritte Werkzeugrevolver ermöglicht verschiedene Einsatzvarianten, um die Produktivität zu erhöhen, inklusive simultaner Fräs- oder Drehbearbeitung. (Bild: Anne Richter, SMM)

Qualität, Präzision und Zuverlässigkeit sind die Prämissen der Robert Ott AG, einem erfolgreichen Zulieferunternehmen aus Seon. Um diese Ziele auch wirtschaftlich umzusetzen, investiert das Unternehmen permanent in neueste Technik, unter anderem in vier CNC-Doppelspindel-Drehzentren von Muratec.

«Da wo andere aufhören, da fangen wir erst richtig an», beschreibt Robert Ott, Inhaber, Gründer und Geschäftsführer der Robert Ott AG in Seon, die Maxime seiner Firma und damit die Basis für den Erfolg des Unternehmens. Immerhin ist die Robert Ott AG aus Seon innerhalb von fast 30 Jahren vom Zeitpunkt der Gründung 1989 bis heute auf mehr als 70 Mitarbeiter inklusive acht Polymechaniker-Lehrlinge angewachsen. Das Unternehmen ist spezialisiert auf eine anspruchsvolle Hightech-Fertigung für Industrie und Medizinaltechnik mit Fokus auf Bauteile mit hoher Komplexität auch bei schwer zu bearbeitenden Materialien, selbst Grafitbearbeitung ist möglich.

Permanente Investitionsbereitschaft in Hightech-Bearbeitung

Einer der Grundpfeiler für diese geballte Bearbeitungskompetenz ist ein hochmoderner Maschinenpark mit Automatisierung. Voraussetzung dafür wiederum ist eine entsprechende Investitions- und Risikobereitschaft. «Wir wollen mehr erreichen und besser sein als andere. Um das zu schaffen, mussten wir immer wieder Risiken eingehen und haben auch zu Zeiten investiert, als andere in Warteposition waren», berichtet R. Ott. Fast in jedem Jahr ist der Maschinenpark mit einer oder mehreren Maschinen erweitert bzw. modernisiert worden – auch in Rezessionsjahren. Inzwischen sind über 50 High-Tech-Maschinen und Anlagen auf 2500 m2 im Einsatz, davon 18 CNC-Drehzentren, 16 CNC-Bearbeitungszentren und Fräsmaschinen, 8 CNC-Langdrehmaschinen, 4 CNC-Rund- und Flachschleifmaschinen, Erodiermaschinen sowie weitere Maschinen und Anlagen für die Oberflächenbearbeitung, zum Reinigen, zur Qualitätskontrolle und weitere Bearbeitungsmöglichkeiten. «Wir versuchen, ein möglichst breites Spektrum anzubieten», erklärt R. Ott und ergänzt: «Viele Bearbeitungsschritte führen wir im Haus durch, wodurch wir schliesslich auch kurzfristiger liefern können.» Die Bandbreite reicht vom Prototypen bis hin zu Seriengrössen von bis zu 50 000 Stück. Diese Strategie ermöglicht es der Robert Ott AG, mit einem grossen Kundenstamm von 125 verschiedenen Firmen zusammenzuarbeiten und damit Abhängigkeiten und Risiken zu reduzieren.

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«Das Beste aus den Maschinen herausholen»

Eine weitere Stärke der Robert Ott AG sind die hervorragend ausgebildeten Mitarbeiter. «Mir ist wichtig, dass sich unsere Mitarbeiter und unsere Produktion weiterentwickeln. Denn nur dann, wenn sie das Beste aus den Maschinen herausholen, können wir uns auch in Zukunft am Markt behaupten», fasst R. Ott zusammen. Entscheidend für viele Schweizer Lohnfertigungsunternehmen ist nicht nur die reine Bearbeitungskompetenz und Zuverlässigkeit, sondern vor allem auch die Wirtschaftlichkeit. «Wir arbeiten im Drei-Schicht-Betrieb und fast die gesamte Fertigung ist automatisiert», erklärt R. Ott. Aufgrund der sehr grossen Teilevielfalt ist trotz Automatisierung ein unbemannter Drei-Schicht-Betrieb nicht möglich. So sind jede Nacht vier Mitarbeiter im Einsatz und betreuen bis zu 20 Maschinen in einer Schicht. Damit werden im Unternehmen 180 000 Produktionsstunden pro Jahr erreicht.

Investition in neue CNC-Doppelspindel- Drehmaschinen vom Muratec

Gemäss der Firmenstrategie einer Hightech-Fertigung hat die Robert Ott AG im Dezember 2016 in insgesamt vier neue CNC-Doppelspindel-Drehmaschinen von Muratec investiert. Dafür wurden sechs ältere Modelle verschiedener Hersteller aus der Produktion herausgenommen und abverkauft. «Wir wollten uns auf nur einen Hersteller konzentrieren, denn für ein effizientes Arbeiten sind unterschiedliche Maschinen verschiedener Hersteller nicht optimal», berichtet R. Ott und führt weiter aus: «Für Muratec haben wir uns entschieden, da auf der einen Seite das Maschinenkonzept gestimmt hat und wir andererseits bereits hervorragende Erfahrungen in Bezug auf Langlebigkeit, Robustheit und Zuverlässigkeit mit Muratec-Maschinen gemacht haben, genauso wie mit der Schweiz. Maschinen Import AG, dem Schweizer Handelspartner von Muratec.» Damit sind es jetzt insgesamt acht Muratec-Maschinen bei der Robert Ott AG, wobei die älteste Maschine im Jahr 2000 installiert wurde, nahezu 100 000 Produktionsstunden aufweist und noch immer im 24h-Betrieb sehr zuverlässig und präzise produziert.

Automation aus einem Guss

Konkret wurden zwei CNC-Doppelspindel-Drehmaschinen Muratec MT200 GT3 mit Portalladeroboter und Kurzstangenlader sowie zwei CNC-Doppelspindel-Drehmaschinen Muratec MT100 T3 mit drei Meter Stangenlademagazin erworben. Das sind hocheffiziente Maschinen mit drei Revolvern und 3 Y-Achsen und einem Stangendurchlass von 65 mm (MT200 GT3) und von 51 mm (MT100 T3). Ein besonderer Vorteil der Muratec ist die bis in die Fanuc-Steuerung komplett integrierte Automation. «Muratec hat seine Ursprünge in der Automobilindustrie. Die Maschinen sind alle auf eine hohe Produktivität ausgelegt und dafür konzipiert, an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden produktiv zu sein», erklärt Samuel Schärer, Kundendienstleiter der Schweiz. Maschinen Import AG in Pfäffikon, und ergänzt: «Muratec hat sich dadurch sehr frühzeitig auf die Automation konzentriert und produziert alles im eigenen Hause. Das hat den Vorteil, dass die gesamte Automation aus einem Guss ist, es keine Schnittstellen gibt und der Anwender nur einen Ansprechpartner hat.»

So bietet der Portallader der MT200 GT3 in Kombination mit dem integrierten Be- und Entladesystem und einem externen Stangenlader eine umfassende Lösung mit flexibler Automation. Bauteile können ab Stange oder als Flanschteile je nach Bedarf flexibel automatisiert bearbeitet werden, was eine besonders hohe Produktivität ermöglicht. «Vor allem für Lohnfertiger mit einer hohen Teilevielfalt bietet diese Automationslösung das Potenzial seine Produktivität zu erhöhen», ist S. Schärer überzeugt. Auch R. Ott stimmt dem zu: «Die Automatisierung war für uns ein ganz wichtiger Faktor und Voraussetzung, auch in diesem Bereich in den 3-Schicht-Betrieb überzugehen. Nur dadurch können Zulieferunternehmen wie wir überleben.»

Produktivitätsfaktor dritter Werkzeugrevolver

Ein weiterer Produktivitätsfaktor ist der dritte Werkzeugrevolver. Standardmässig sind die Muratec-Maschinen mit zwei Revolvern ausgestattet, aber die Option eines dritten Revolvers wird angeboten. Die Y-Achse an den beiden oberen und dem unteren Revolver sowie die angetriebenen Werkzeuge an allen drei Revolvern mit 5,6-kW-Motoren erlauben eine Fertigung von Werkstücken mit komplexer Geometrie in einer effizienten Weise. An beiden Spindeln sind sowohl Dreh- als auch Fräsbearbeitungen möglich – auch simultane Dreh- und Fräsbearbeitungen. «Wir haben wegen des dritten Revolvers geringere Laufzeiten», berichtet Thomas Steiner, Inselleiter Bereich Drehen bei der Robert Ott AG. Für den unteren Revolver wird zusätzlich die Option geboten, mit speziellen Werkzeughaltern den Revolver mit 24 Werkzeugen zu bestücken. Dadurch werden die Wechselzeiten deutlich verringert und die Produktivität erhöht.

Die Muratec-Maschinen sind auch in Bezug auf Stabilität und Thermostabilität auf einen Dauerbetrieb ausgelegt. Dazu hat der Hersteller FEM-Analysen genutzt und entsprechende Anpassungen an vielen kleinen Details vorgenommen – angefangen von der Dimensionierung des Maschinenbettes bis hin zur Form und Anordnung der Rippen. Damit kann eine hohe Biegesteifigkeit bei geringer thermischer Deformation erzielt werden. Darüber hinaus bietet Muratec die Möglichkeit der thermischen Kompensation aller Achsen im Raum. «Alles an der Maschine ist auf Dauerbetrieb ausgelegt und für den Schichtbetrieb konzipiert. Sämtliche Komponenten sind hochwertig. Dadurch laufen die Maschinen störungsfrei und wartungsarm», berichtet S. Schärer. Auch in Bezug auf Ergonomie und Wartungsfreundlichkeit punkten die Muratec-Maschinen. Durch den kurzen Abstand zwischen Maschinenfront und Spindelzentrum sowie durch eine grosse, weitöffnende Tür ist eine optimale Zugänglichkeit zur Hauptspindel garantiert. Der untere Revolver ist so aufgebaut, dass er genügend Platz für den Spänefall bietet, sodass ein Spänestau vermieden wird.

Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit erhöhen

«Unser Ziel war es, mit der Investition in die Muratec-Maschinen unsere Produktivität und damit unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen», erklärt R. Ott. Dieses Ziel wurde relativ schnell erreicht. «Es hat etwa drei bis vier Monate gedauert, bis die Prozesse stabil gelaufen sind. Wenn alles passt, sind wir heute in der Lage, etwa ein Drittel schneller zu produzieren», berichtet T. Steiner. Dabei handelt es sich vor allem um komplexe Bauteile in grösseren Stückzahlen, die auf den neuen Maschinen komplett und damit besonders wirtschaftlich bearbeitet werden können.

Sehr zufrieden ist R. Ott auch mit dem Engagement der Schweiz. Maschinen Import AG: «Wir haben eine super Unterstützung durch die SMI erhalten. Solch ein Projekt mit vier hochkomplexen Maschinen ist eine gewaltige Aufgabe.» Nichts anderes hatte man bei der Robert Ott erwartet, denn immerhin arbeiten die beiden Firmen schon seit fast 30 Jahren zusammen. «Unsere Philosophie ist, wenn wir mit einem Lieferanten und Anbieter zufrieden sind, dann bleiben wir dabei», erklärt R. Ott.

Perfektes Timing

Im Nachhinein zeigt sich, dass selbst der Zeitpunkt, als entschieden wurde, in die neuen Muratec-Maschinen zu investieren, für die Robert Ott AG perfekt war. Denn als der Entscheid Anfang 2016 gefällt wurde, waren die meisten Schweizer Unternehmen aufgrund des starken Frankens noch immer in Schockstarre. Nicht so die Robert Ott AG. «Wir wollten unbedingt bereit sein, wenn die Wirtschaft wieder besser läuft», berichtet R. Ott und freut sich über das perfekte Timing: «Das Geschäftsjahr 2017 war das Beste in unserer Geschichte. Das liegt auch daran, dass wir mit den neuen Maschinen bereit gewesen sind.» SMM

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