Ibor AG investiert 2020 in Maschinen und Mitarbeiter Ibor AG: Ohne Kurzarbeit durch die Krise

Redakteur: Matthias Böhm

Die Ibor AG hat in 2020 keine Kurzarbeit beantragt. Sie investierten und nutzten den zum Teil geringeren Auftragsbestand für die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden und die Herstellung zusätzlicher Spannmittel. Darüber hinaus investierte das Unternehmen in zwei grössere Bearbeitungszentren. Die Auftragslage verbesserte sich unerwartet, es wurden fünf Polymechaniker zusätzlich eingestellt, um die Wachstumsstrategie fortzusetzen.

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Manuel Meier arbeite einige Jahre in verschiedenen Funktionen bei Reiden Technik AG und investierte jetzt in eine Maschine seines früheren Arbeitgebers.
Manuel Meier arbeite einige Jahre in verschiedenen Funktionen bei Reiden Technik AG und investierte jetzt in eine Maschine seines früheren Arbeitgebers.
(Bild: Thomas Entzeroth)

SMM: Wie hat sich für Ihr Unternehmen seit Anfang 2020 die Auftragslage entwickelt?

Manuel Meier: Bis Ende April 2020 hatten wir eine sehr gute Auftragslage. Dann folgte bis Mitte August eine eher schwache, aber hektische Auftragslage mit vielen Express-Arbeiten. Diese Zeit nutzten wir für Schulungen von neuen Polymechanikern und Inbetriebnahmen von neuen CNC-Maschinen. Danach ging es wieder richtig los und wir füllten unsere Auftragsbücher auch dank vieler Neukunden.

Das heisst, Ihre Auftragslage hat sich besser entwickelt, als Sie angenommen haben. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

M. Meier: Wir hatten in dieser schwierigen Zeit nie Kurzarbeit und waren jederzeit für unsere Kunden da. Die Hektik nahm deutlich zu und unsere Mitarbeitenden erbrachten Höchstleistungen. Über ein paar Monate mussten wir sehr kurze Lieferfristen von 1–2 Wochen anbieten, damit wir die Aufträge gewinnen konnten. Da müssen die Mitarbeiter an ihre Grenzen gehen. Wir haben diesbezüglich ein sehr gut aufgestelltes und motiviertes Team, das genau weiss, welche Bedeutung ein gewonnener Auftrag in dieser speziellen Situation hat. In diesem anspruchsvollen Jahr hatten wir so viele Neukunden wie noch nie aufgebaut. Dank diesen Neukunden und einem super funktionierenden Team gelang uns ein gutes Geschäftsjahr 2020.

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Im Vorgespräch sagten Sie, dass die Nachfrage nach Aluminium-Halbzeug stark im Steigen sei und die Lieferzeiten länger werden. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

M. Meier: Seit Monaten läuft es in Asien und China sehr gut. Auch die Automobilindustrie erwartet eine Erholung. Durch diese positiven Signale wird wieder vermehrt an Lager produziert, um die Lieferfristen bei Bedarf kurz zu halten. Nun kommen die Rohmaterialhändler, vor allem in Europa, unter Druck und die Lieferfristen und auch die Preise steigen stark. Diese Situation wird uns noch eine Weile beschäftigen und könnte einige Probleme (Knappheit) bei vielen Firmen bereiten.

Sie haben gleich in zwei grössere Bearbeitungszentren in 2020 investiert, geplant war ursprünglich nur eine Investition. Wie kam es zu der zusätzlichen Investition?

M. Meier: Wir wurden überraschend mit einem tollen Angebot einer 5-Achsen-Matec-30-HV Fräsmaschine konfrontiert. Da wir bereits zwei baugleiche Maschinen im Einsatz haben, passte diese hervorragend in unsere Produktion. Trotz der unsicheren Zeit investierten wir zusätzlich in diese Maschine, um noch mehr Kapazitäten in der Platten- und kubischen Bearbeitung zu schaffen.

Wie haben sich die Aufträge entwickelt für die beiden neuen Bearbeitungszentren?

M. Meier: Die Matec war nach kürzester Zeit mit einem grösseren Auftrag ausgelastet. Einen solchen Auftrag hätten wir ohne diese zusätzliche Maschine nie bewältigen können. Auch konnten wir die anderen zwei Matec-Maschinen entlasten. Mit der Reiden RX12 mit 5-fach-Palettenwechsler bauen wir ein neues Teilespektrum auf. Dies dauert einige Zeit, bis die Maschine mit den richtigen Teilen voll ausgelastet ist. Nach einer Einschulungsphase läuft die Maschine im Tagesbetrieb nun 100%. Im Nacht- und Wochenendbetrieb sind wir erst auf ca. 20%.

Wenn man in eine Reiden-Werkzeugmaschine investiert, bedeutet das ja auch, dass das Auftragsspektrum sich entsprechend hochwertig entwickeln kann, sehe ich das richtig?

M. Meier: Das ist so. Diese Maschine wollen wir mit hochwertigen und komplexen Teilen auslasten, auch in der Nacht und an Wochenenden. Aber eine Maschine allein bringt noch keine hochkomplexen Werkstücke. Auch die hierfür zuständigen Mitarbeiter müssen das Teilespektrum entsprechend beherrschen. Unser Team bilden wir dementsprechend zielgerichtet aus.

Sie haben bei fast jeder Maschine einen eigenständigen CAD/CAM-Arbeitsplatz. Welche Vorteile hat das? Sehen Sie auch Nachteile gegenüber einer zentralen CAM-Programmierung?

M. Meier: Wir produzieren ca. 75% Neuteile, darüber hinaus viele Einzelteile und Kleinserien. Um bei diesem Teilespektrum sehr kurze Lieferfristen zu bieten, müssen möglichst viele Mitarbeiter selbständig programmieren können. Eine solche Organisation ist sicher nicht die kostengünstigste, aber extrem flexibel und sie hat noch einen ganz wesentlichen Vorteil.

Was für ein Vorteil ist das?

M. Meier: Wir können mit dieser Organisation unseren Polymechanikern einen spannenden Arbeitsplatz mit einem anspruchsvollen Aufgabengebiet bieten. Auch aus dieser Sicht ist es für uns naheliegend, genügend CAM-Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen. Wir müssen viel mehr in die Ausbildung investieren als Firmen mit einer zentralen CAM-Programmierung. Der Nachschub an Fachkräften ist eine grosse Challenge. Deshalb bauen wir auch unsere Berufsbildung weiter aus. Im Sommer startet der vierte Lernende als Polymechaniker.

Darüber hinaus haben Sie auch in das Personal investiert und fünf neue Polymechaniker eingestellt. Bei einem Mitarbeiterstamm von 25 ist das ein hoher Prozentsatz neuer Arbeitskräfte. Wie bindet man als Unternehmer die neuen Mitarbeiter optimal ein?

M. Meier: Damit wir unserer Strategie treu bleiben können, braucht es genügend CNC-Spezialisten. Die neuen Polymechaniker werden in den ersten Wochen nach unserem Ausbildungskonzept ausgebildet. Sie lernen unsere CAM-Programmierung, unsere Frässtrategien und unser Denken kennen. In dieser Zeit werden Sie von erfahrenen Mitarbeitenden betreut. Uns ist wichtig, dass wir auf Bedürfnisse und Stärken eingehen und dementsprechend fördern können.

Ihr Unternehmen entwickelte sich in den letzten zehn Jahren sehr erfolgreich. Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Faktoren, die bei dieser Entwicklung eine Rolle spielen?

M. Meier: «Schnell, präzis und zuverlässig.» Dieser Slogan begleitet uns seit vielen Jahren. Um dies umzusetzen, braucht es ein top funktionierendes Team und eine moderne Infrastruktur. Beides haben wir in den letzten 10 Jahren aufgebaut und haben jeden Tag das Ziel, die Bedürfnisse unserer Kunden 100% zu erfüllen. Für uns ist dies der wichtigste Faktor bzw. Treiber.

Bei Ihnen scheint alles rund zu laufen, gleichwohl, mit welchen Schwierigkeiten sehen Sie sich für die Zukunft am Werkplatz Schweiz möglicherweise konfrontiert?

M. Meier: Denke, dass auch in Zukunft, neben dem Preisdruck, genügend Fachkräfte einzubinden eine grosse Herausforderung bleiben wird. Dies führt überall zu Engpässen und Aufträge drohen in gewissen Bereichen wieder vermehrt ins Ausland abzuwandern.

Für weitere Produktionsmaschinen haben Sie jetzt keinen Platz mehr in Ihrer Produktion. Wollen Sie weiter wachsen? Wenn ja, was planen Sie für die Zukunft?

M. Meier: Wir verfolgen eine konsequente Wachstumsstrategie in den nächsten Jahren, werden dazu weitere Produktionsflächen schaffen und bauen unsere Kernkompetenz CNC-Fräsen weiter aus. Mit dem Erwerb eines Nachbargrundstücks sind die Weichen dafür gestellt. -böh-

SMM

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