Suchen

Dentaltechnik In der Produktivität einen Zahn zugelegt

Redakteur: Anne Richter

>> Qualitativ hochwertige Leistungen zu patientenfreundlichen Preisen scheinen in der Dentaltechnik kaum möglich, denn es geht ausschliesslich um Unikate. Das Unternehmen Biodentis zeigt, dass durch Industrialisierung und Automatisierung schnell aus einer Vision Realität werden kann. Digitale Fertigung ist das Stichwort. Mit insgesamt fünf HSC-Bearbeitungszentren konzentriert man sich auf die Herstellung CAD/CAM-gefertigter dentalkeramischer Produkte auf hohem technischem Niveau.

Firmen zum Thema

Auf dieser Doppelmaschine wird ausschliesslich die Hartbearbeitung über Schleifen mit Kühlmittel durchgeführt.
Auf dieser Doppelmaschine wird ausschliesslich die Hartbearbeitung über Schleifen mit Kühlmittel durchgeführt.
(Bild: Biodentis)

Statistisch gesehen erhält jeder Krankenversicherte in Deutschland pro Jahr eine Zahnrestauration. Macht in der Summe 60 Millionen Versorgungen. Kronen oder Brücken werden deshalb heutzutage grösstenteils industriell gefertigt – und das kostengünstig, schnell und automatisiert. Eine schnelle Produktion ist aus fertigungstechnischen und auch wirtschaftlichen Gründen wichtig. Meist muss innerhalb von 48 Stunden geliefert werden – und das zu einem attraktiven Preis. Das Unternehmen Biodentis aus Leipzig zählt zu den führenden Herstellern von CAD/CAM-Restaurationen.

Investitionen in Entwicklungsleistung

Unter dem Markennamen «absolute Ceramics» werden hochwertige, keramische Kronen, Teilkronen, Inlays und Brücken an Zahnarztpraxen und zahntechnische Labore vertrieben. Dabei hat 2007 alles noch beschaulich begonnen. Man hatte auf das Bearbeitungszentrum Picomax 60-HSC von Fehlmann gesetzt und trotz Einschichtbetrieb mit dem damaligen Stand der Technik in Sachen CAD/CAM und Werkzeuge entsprechend Entwicklungsleistung investiert. Mittlerweile sind aus der einen Maschine fünf Maschinen geworden. Konkret kamen 2008 eine Doppelmaschine mit einem Erowa-Robot und eine Einzelmaschine hinzu, 2012 wurde diese Einzelmaschine mit einer weiteren Maschine und ebenfalls einem Erowa-Robot verknüpft.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 8 Bildern

Freiheit in künftiger Entwicklung

Interessant sind dabei zwei Dinge: Alle Maschinen sind gleichen Typs: die Picomax 60-HSC von Fehlmann. Ausserdem ergab eine sehr intensive Benchmark-Recherche, dass das Unternehmen mit dieser Zusammenstellung auch künftig in der Entwicklung frei ist. Dazu Marcus Kalb, Leiter der Produktion bei Biodentis: «Wir waren mit den Ergebnissen beim Testfräsen mit anderen Maschinen nicht zufrieden. Wahrscheinlich sind wir durch Fehlmann schon zu verwöhnt. Ein weiterer Aspekt war, dass wir uns auf eine Windows-XP-basierte Steuerung bei einer Werkzeugmaschine nicht verlassen wollten und frei programmieren können. Bei den Handling-Systemen anderer Anbieter bestand zudem meist nur die Möglichkeit, eine Maschine anzubinden. Und auch hinsichtlich der Spannvorrichtungen wären wir limitiert gewesen. Mit der Erowa-Schnittstelle dagegen können wir diese Vorrichtungen unseren Vorstellungen entsprechend anpassen. Basierend auf der Grundplatte lässt sich sogar nahezu alles eigenständig konstruieren.»

Auch in Zukunft alle Möglichkeiten offen

Die Automatisierung bzw. zunehmende Digitalisierung der Zahntechnik ist ein zentrales Thema in Leipzig. Abformungen und Gipsmodelle werden beispielsweise in 3D gescannt, danach werden über CAD-Daten Zahnrestaurationen erstellt. Ist der Auftrag so weit angelegt, durchläuft er dann vollautomatisch die Prozesskette im Fräszentrum. Im CAM-Programm wird die Einheit in den entsprechenden Blanks (Rohlinge) platziert. Aus einem solchen Blank können bis zu 25 Kronen gefertigt werden. Damit die «Werkstücke» nach der Bearbeitung nicht aus dem Blank fallen, werden sie noch an drei Stegen gehalten. Die Zuordnung der fertig bearbeiteten Teile erfolgt im Anschluss über nummerierte Schalen. Das heisst, ist für Krone X Schale Y vorgesehen, bringt der Roboter Schale und Krone zueinander, die Stege werden abgefräst, die Krone fällt in die entsprechende Schale und lässt sich so dem jeweiligen Auftrag zuordnen. Organisiert und koordiniert wird das über den Jobmanager von Fehlmann, mit dem in Leipzig alles abgedeckt wird. Statt der für gewöhnlich angebotenen unendlichen Möglichkeiten ist dieser Jobmanager relativ einfach strukturiert. Im Wesentlichen sind das: Job eröffnen, Programme zuweisen, Alarm und die Referenzpaletten, um die Maschinen automatisch kalibrieren zu können.

Produktionssteigerung mit mannlosen Schichten

Bei Biodentis konnte die Zahl der gefertigten Einheiten über die Jahre hinweg stetig gesteigert werden – heute beliefert das Unternehmen vor allem Kunden in Deutschland. Möglich wird das nur durch mannlose Schichten und eine klar definierte Selektierung sowie hohe Präzision. Deutlich wird das zum Beispiel durch die Infix-Technologie (Sinterverbund). Hierfür wird zunächst ein Gerüst aus Zirkon gefräst und eine Verblendung aus Lithiumdisilikat geschliffen. Anschliessend werden die beiden Teile dauerhaft mittels Glaslot verbunden. Das Resultat ist eine rein CAD/CAM-gefertigte Infix-Krone.

Für das Bearbeiten von Keramik bietet Fehlmann optionale Ausführungen an. Bei diesen Modellen werden die Führungen und die Kugelumlaufspindeln mit speziellen Abstreifern ausgerüstet. Der Keramikstaub wird über Düsen abgesaugt.

Unterschiedliche Verfahren für unterschiedliche Materialien

Das heisst, man fertigt zwei Baugruppen, auf zwei verschiedenen Maschinen, mit zwei unterschiedlichen Verfahren und Materialien. Dementsprechend klar sind die Maschinen aufgeteilt. Während auf zwei Picomax 60-HSC das Fräsen von Zirkon und Metallen stattfindet, wird auf den beiden anderen – wegen der Härte des Lithiumdisilikats – eine nasse Schleifbearbeitung durchgeführt. Mit den Drehzahlen bis 42 000 min-1 ist das kein Problem. Gleiches gilt für die notwendige Präzision, denn Tests haben gezeigt, dass die Toleranzen bei messbaren Geometrien von 3/100 mm selbst in nicht klimatisierten Räumen jederzeit erreicht werden.

Ein Aspekt, der wie Marcus Kalb ausführt, aus unterschiedlichen Gründen von Bedeutung ist: «Wir spalten zwar kein µm, aber innerhalb unserer Prozesskette, also vom Scannen über das Modellieren bis hin zum Fräsen, summieren sich die Toleranzen. Deshalb werden diese Abweichungen so minimal wie möglich gehalten. Anderseits ist Keramik ein sehr aggressiver und abrasiver Werkstoff, bei dem von erhöhtem Maschinenverschleiss ausgegangen werden kann. Dem ist bei den Fehlmann-Maschinen allerdings nicht so. Im Gegenteil, die Picomax 60-HSC von 2007 läuft und läuft und läuft …» <<

(ID:37845750)