Grosse Umfrage zum Thema Digitalisierung / Industrie 4.0

Industrie 4.0 – Nullnummer oder Segen?

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Guillaume Dubois, Vice President Industry Cluster Schweiz/Österreich, Schneider Electric
Guillaume Dubois, Vice President Industry Cluster Schweiz/Österreich, Schneider Electric
(Bild: Schneider Electric)

Guillaume Dubois, Vice President Industry Cluster Schweiz/Österreich, Schneider Electric


SMM: Das Thema Industrie 4.0 ist nun bereits seit Jahren in aller Munde. Wann kommt der Durchbruch?

Guillaume Dubois: Industrie 4.0 ist keine Revolution, sondern eine Evolution, und wir stecken mitten drin. In der Schweiz interessieren sich immer mehr Unternehmen dafür – wie auch die Sindex gezeigt hat. Der damit verbundene Technologiesprung erlaubt eine bedeutende Produktivitätssteigerung. Wer diese Entwicklung verpasst, zählt langfristig nicht zu den Gewinnern. Schweizer Unternehmen sollten deshalb ihre Anlagen und Prozesse stärker digitalisieren, um weltmarktfähig zu bleiben.

Welche neuen Geschäftsmodelle und Potenziale sind durch die 4. industrielle Revolution zu erwarten?

G. Dubois: Die Digitalisierung beeinflusst unsere Branche ebenso massiv wie etwa die Druckindustrie oder das Musikbusiness. Neu gestaltet wird der gesamte Zyklus von Geschäftsvorgängen: von der Planung über Engineering, Beschaffung, Testing und Inbetriebnahme, bis hin zur Nutzung der Systeme und deren Überwachung und Wartung. Die Marktplayer agieren nicht mehr nacheinander, sondern parallel und vernetzt. Die Digitalisierung definiert neue Regeln sowie Prozesse und eröffnet enorme Möglichkeiten.

Wenn man von Industrie 4.0 spricht, fällt oft das Schlagwort «Fabrik der Zukunft». Welche Vision haben Sie von der Fabrik 4.0?

G. Dubois: Die Fabrik der Zukunft ist smart; sie ist digital vernetzt und verspricht eine bedeutende Produktivitätssteigerung. Um dieses Potenzial vollständig zu entfalten, braucht es einen durchgängigen Datenfluss zwischen der vernetzten Hard- und Software. Unternehmen steuern darin ihre Produktionsprozesse noch effizienter – mit smarten, übers Internet verknüpften Komponenten und Maschinen sowie der richtigen Software. Zudem senken sie so ihre Kosten und reagieren rascher auf Anforderungen ihrer Märkte.

Viele denken bei der «Fabrik der Zukunft» an menschenleere Werkhallen. Andere schwärmen von den Vorteilen für die Menschen durch die Digitalisierung und davon, dass diese keine Jobs kosten würde. Was sollen wir glauben?

G. Dubois: Menschen bleiben zentral. Doch ihr Anforderungsprofil ändert sich und ihre Produktivität steigt dank mobilen Geräten, Datenanalyse und Augmented Reality. Maschinen teilen ihnen zum Beispiel via Tablet mit, wie eine Störung behoben wird. So gelingt der Anschluss an die nächste Generation von Produktionsarbeitenden und erhöht deren Sicherheit. Ebenso wichtig ist, dass Mitarbeitende eingreifen, bevor es zu Störungen kommt. Ausgerichtet werden Betriebe folglich weniger auf die Maschinen, sondern stärker auf ihre Nutzer – die Menschen.

Kann durch die Digitalisierung die Produktion wieder in die Schweiz zurückgeholt werden?

G. Dubois: Die Schweizer Industrie fährt am besten, wenn sie die Chancen der Digitalisierung nutzt und weltweit zu den «early adoptors» zählt. So macht sie aus Daten Informationen. Letztere erlauben bessere Geschäftsentscheide, optimieren die Wartung und reduzieren den Ressourcenverbrauch. Integrierte Lösungen – vom «Shop Floor» zum «Top Floor» – leisten das. So verteidigt die Schweizer Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität. Ich bin überzeugt, dass dank Digitalisierung die Produktion in die Schweiz zurückgeholt werden kann.

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