Suchen

Ein Schritt in Richtung «Industrie 4.0» Intelligente Montage von Kunststoffbauteilen

| Redakteur: Luca Meister

>> Es klingt etwas utopisch, was die Weiss Kunststoffverarbeitung GmbH & Co. KG derzeit in die Praxis umsetzt, aber es funktioniert. Alle Anlagen, die Kunststoffteile montieren und konfektionieren, werden künftig vollständig modular aufgebaut sein. Beim Umrüsten der Anlagen melden sich die einzelnen Module selbsttätig bei der übergeordneten Steuerung an und lassen sich mit geringem Aufwand in den Fertigungsfluss integrieren. Damit werden Umrüstzeiten minimiert und die Flexibilität in der Produktion erhöht.

Firmen zum Thema

Jürgen Weiss, Mitglied der Geschäftsführung.
Jürgen Weiss, Mitglied der Geschäftsführung.
(Bild: Weiss)

mei. Anlass für die Einführung dieses Konzeptes war der Wunsch, in der Hoch- und vor allem in der Tieflaufphase der produzierten Kunststoffkomponenten eine höhere Flexibilität zu erreichen. Geschäftsführer Jürgen B. Weiss: «Wir fertigen viele Bauteile für die Automobilindustrie. Wenn ein entsprechendes Automodell ausläuft, produzieren wir nur noch diskontinuierlich für den Ersatzteilbedarf. Das bedeutete bisher jedes Mal grossen Aufwand für die Umrüstung der Anlagen, die z. B. Anbauteile einlegen oder Komponenten montieren.»

Standardisiert

Dieser Aufwand wird künftig deutlich reduziert. Robert Heller, bei Weiss verantwortlich für die Konstruktion der Automatisierungseinrichtungen: «Wir haben für die einzelnen Funktionen wie z. B. das Einlegen von Clipsen oder die Vollständigkeitsprüfung standardisierte Module definiert. Auch die Förderstrecken, die wir in diesem Bereich einsetzen, wurden in Module mit dezentralen Steuerungseinheiten zerlegt.»

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern

Alle Module kommunizieren über eine Standard-Bus-Schnittstelle miteinander. Sobald eines in die Anlage integriert worden ist, meldet es sich selbsttätig an und übermittelt – vereinfacht gesprochen – der übergeordneten Steuerung seine Aufgabe.

Die Vorteile dieses Prinzips liegen auf der Hand. R. Heller: «Wenn ein ausgelaufener Artikel nachproduziert werden soll, haben wir innerhalb von zehn Minuten die Förderstrecke wieder aufgebaut und die Funktionsmodule integriert.» Zudem können die standardisierten Module für verschiedenste Produkte eingesetzt werden. Und schliesslich spart man Platz, weil das Konzept aus standardisierten Transportstrecken besteht, zwischen denen die Module für die einzelnen Funktionen eingeschoben werden.

Dezentralisierte Intelligenz

Mit der Modularisierung dezentralisiert Weiss die Intelligenz, die in den automatisierten Montageanlagen steckt, und geht einen Schritt in Richtung «selbstorganisierende Fertigung». Damit hat das Unternehmen bereits ein grundlegendes Prinzip dessen verwirklicht, was zurzeit als «Industrie 4.0» diskutiert wird.

Der einzige Wermutstropfen ergibt sich aus der Tatsache, dass Weiss das neue Konzept – das zu 100 Prozent im eigenen Hause entwickelt wurde – nur sukzessive einführen kann und bei Produkten, die schon gefertigt werden, noch nach dem alten, aufwändigeren Prinzip vorgehen muss. R. Heller: «Wegen der notwendigen Freigaben der Produktionstechnik durch die Kunden können wir bei vorhandenen Produkten kein neues Montageprinzip einführen. Aber bei jedem Neuteil werden die Anlagen nach dem neuen Konzept konstruiert.» Davon profitieren auch die Kunden, weil die Fertigung von Weiss vor allem bei kleinen Stückzahlen nun deutlich flexibler wird. <<

(ID:42272305)