Interesse an Medizintechnik in Europa ungebrochen

| Redakteur: Anne Richter

Die Medtec Europe 2011 ging am 24. März zu Ende – mit Zuwachs an Ausstellern und Besuchern. (Bild: Anne Richter, SMM)
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Die Medtec Europe 2011 ging am 24. März zu Ende – mit Zuwachs an Ausstellern und Besuchern. (Bild: Anne Richter, SMM)

>> Die führende europäische Fachmesse für Medizintechnik Medtec Europe konnte 2011 das extrem wachstumsstarke Vorjahr in punkto Ausstellerzahl, Ausstellungsfläche und Besucherzahl nochmal übertreffen. Laut Veranstalter UBM Canon sind Synergieeffekte für den Erfolg mit entscheidend, die durch die ergänzenden Parallelveranstaltungen Südtec, 3C, Rapid World und Designmed entstehen.

ari. Gregor Bischkopf, Messemanager des Veranstalters UBM Canon, freute sich, als er die finalen Zahlen zur Medtec Europe 2011, die vom 22. bis 24. März 2011 in Stuttgart stattfand, vorlegen konnte. Mit 1003 Ausstellern (Vorjahr: 964) auf 16 000 m2 (Vorjahr: 14 900) in den Hallen 2, 4, 6 und 8 der Landesmesse Stuttgart wurden die extrem guten Belegungszahlen des Vorjahres nochmal um rund fünf Prozent übertroffen. Die Aussteller kamen aus insgesamt 32 Ländern Europas, Amerikas und Asiens. Gleichzeitig konnte das Interesse bei Ingenieuren, Produktionsfachleuten, Designern und anderen Top-Entscheidern weiter forciert werden, die sich in Stuttgart über aktuelle Trends der Medizintechnik informieren. Rund 13 500 Fachbesucher (Vorjahr: 13 000) wurden auf der diesjährigen Medtec Europe registriert. Damit untermauert die Fachmesse ihren Platz als führende medizintechnische Veranstaltung in Europa.

Synergieeffekte durch breites Angebotsspektrum

Entscheidend für den Erfolg sind laut Gregor Bischkopf neben dem generell wachsenden Medizintechnikmarkt das innovative und breite Angebotsspektrum der Medtec Europe und ihren begleitenden Messen Südtec, Rapid World 3C und der neuen Designmed. Es reicht von verschiedensten Bereichen des Maschinenbaus, der Elektro-, Steuerungs-, Kunststoff-, Verbindungs- und Verpackungstechnik bis hin zu Reinraumthemen, Rapid-Prototyping und der immer wichtiger werdenden Mikroelektronik. Für Aussteller wie Besucher brachte dies viele Synergieeffekte.

Ebenso positiv wurden die im Kongresszentrum durchgeführten Konferenzen und das begleitende Innovations-Forum angenommen. Zentrale Themen waren dieses Mal unter anderem die Orthopädie-, Dental- und Kardiologietechnik. Das stets gut besuchte Forum stellte Besucher und Referenten voll zufrieden.

Neuentwicklungen zum Drehen, Fräsen und Schleifen

So wurde die Medtec Europe auch im Jahr 2011 dem Anspruch wieder gerecht, die vollständige Wertschöpfungskette medizintechnischer Produkte abzubilden, versichert Gregor Bischkopf. «Traditionell», so Bischkopf, «sind die Bereiche des Drehens und Fräsens besonders stark vertreten, wobei natürlich auch die Schleiftechnik eine immer grössere Rolle einnimmt.» So zeigte beispielsweise Siemens live die gesamte Prozesskette vom CAD/CAM über den Datenworkflow bis hin zur Bearbeitung an einer realen Werkzeugmaschine.

Das Kölner Unternehmen Schütte Schleiftechnik präsentierte Neuentwicklungen im Bereich Software und Automation für medizinische Implantate und Werkzeuge. Die Anforderungen der Hersteller von medizintechnischen Implantaten und orthopädischen Hilfsmitteln an den Fertigungsvorgang gehen heute weit über die reine Zerspanung hinaus. «Es reicht schon lange nicht mehr aus, nur eine Bearbeitungsmaschine anzubieten. Vielen Anwendern fehlen die Ressourcen, selber Prozesse zu entwickeln und optimal auszulegen», beschreibt Dr. Oliver Gerent, Leiter der Schütte Schleiftechnik GmbH, die momentane Lage. Wirtschaftliche Lösungen könnten, so seine Erfahrung, die Komplettbearbeitung auf einer Maschine oder die Projektierung einer Turnkey-Lösung sein; also die abgestimmte Verknüpfung verschiedener Bearbeitungsverfahren und -maschinen miteinander.

Ein weiterer Trend, der sich abzeichnet, ist die Fertigung individualisierter Produkte wie Implantate. Allein die Entwicklung und Herstellung von Produkten für den Orthopädiebedarf sei, so Siemens-Medizintechnikspezialist Karsten Schwarz, einer der wachstumsstärksten Sektoren der verarbeitenden Industrie im Gesundheitsbereich. Das Ziel von Siemens ist es, die komplette Prozesskette von der ersten Untersuchung im Krankenhaus bis zum eingesetzten Knieimplantat zu verstehen und zu optimieren.

Kunst- und Klebstoffe spielen Schlüsselrolle

In der Kunst- und Klebstoffe-Branche nehmen die Sicherheit der eingesetzten Werkstoffe, das Herstellverfahren und die Gebrauchsfähigkeit des erzeugten Produktes einen besonders hohen Stellenwert ein. Mittlerweile besteht mehr als die Hälfte aller weltweit hergestellten Medizinprodukte aus Kunststoff, wie der deutsche Industrieverband VDI verlauten lässt. Ihre Vielseitigkeit macht Kunststoffe zu Alleskönnern. Sie lassen sich zu Behältern für Infusionslösungen, Bauteilen von medizinischen Geräten, Spritzen, Pflastern, Kathetern, Schläuchen und Implantaten verarbeiten. Auch hinter den Kulissen spielen Kunst- und Klebstoffe eine Schlüsselrolle. Innovative Materialien und deren Verarbeitung sind ebenfalls in Stuttgart zu sehen. «Insbesondere die Kunststoffverarbeitung habe auf der Fachmesse seit Jahren einen hohen Stellenwert», sagt Gregor Bischkopf. Traditionell ist dort der Bereich des Injection-Molding vertreten. Kostengünstige Kunststoffe und ihre flexiblen Verwandten, die Elastomere, sind bevorzugte Werkstoffe in der Medizintechnik.

Klebstoffe für Einsatz in der Medizintechnik

Zum Verbinden dieser Materialien eignen sich Klebstoffe hervorragend. Aber auch Glas, Metall, Keramik oder Papier werden sowohl mit Kunststoff als auch untereinander geklebt. «Alle bisherigen Fügetechniken können mittlerweile durch das Kleben ersetzt werden», betont Dr. Hermann Handwerker, Leiter der europäischen Anwendungstechnik für Loctite-Klebstoffe aus dem Hause Henkel. Wo früher geklemmt, geschraubt oder geschweisst wurde, wird heute meistens geklebt. Im Gegensatz zu den anderen Verfahren sei der Einsatz von Klebstoffen nicht nur günstiger, sondern ermögliche auch eine stärkere und homogenere Verbindung von Materialien, erläutert der Henkel-Klebstoffexperte. Im Grunde, so Handwerker, seien die Einsatzmöglichkeiten von Klebstoffen in der Medizintechnik kaum begrenzt. Auch für die schwer klebbaren Kunststoffe Polypropylen oder Polyethylen sind Oberflächenbehandlungen verfügbar, die nachfolgend eine gute Klebeverbindung sicherstellen.

Das Produktionsumfeld erfordert ganz besondere Aufmerksamkeit. Höchste Produktsicherheit, absolute Reinheit und Präzision in der Produktion und lückenlose Dokumentation und Nachvollziehbarkeit – so lauten die zentralen Anforderungen. Dank des hohen Medizintechnik-Know-hows hat Engel Medical aus Schwertberg in Österreich eine Reihe innovativer Features entwickelt, zugeschnitten auf die Branchenanforderungen. Denn Versäumnisse können in der Medizintechnik kaum wieder gut gemacht werden. Ist ein Prozess erst einmal validiert, eine Anlage qualifiziert, bedarf es erheblicher Anstrengungen, Änderungen herbeizuführen. Deshalb sind die richtigen Partner an den Schnittstellen der Verantwortungsbereiche so entscheidend für den Erfolg. «Nicht nur auf der Ebene des Verkaufs müssen sich die Partner kennenlernen. Wichtiger noch sind die Ebenen der Verfahrenstechnik, Konstruktion und Produktion», betont Christoph Lhota, Geschäftsbereichsleiter Medical bei Engel.

Innovationsforum zu medizintechnischen Neuentwicklungen

Als fester Bestandteil der medizintechnischen Fachmesse gilt inzwischen das begleitende Innovationsforum. Es wurde in den vorangegangenen Veranstaltungen «bestens von den Besuchern frequentiert», so Bischkopf; deshalb wurde im Jahr 2011 in nahezu unveränderter Form daran festgehalten. Vorträge rund um medizintechnische Neuentwicklungen während der gesamten drei Messetage machten das Forum zur lebhaften Kontaktbörse für neue Unternehmenslösungen und Zukunftstrends. Zentrale Themen waren dieses Mal unter anderem die Orthopädie-, Dental- und Kardiologietechnik. Aus Expertensicht spielt die Orthopädie als Forschungsgebiet der Medizinprodukte-Industrie eine besonders wichtige Rolle.

Medizintechnik Swiss Made

Auch in diesem Jahr waren wieder überproportional viele Schweizer Unternehmen auf der Medtec Europe vertreten. Fast 150 Aussteller zeigten «Swiss made»-Produkte, Neuheiten und Dienstleistungen. So wurde auch der grösste Gemeinschaftsstand der Messe durch Schweizer Organisationen durchgeführt. Medtech Switzerland, Medical Cluster und ITS Schaffhausen versammelten 35 Unternehmen im Swiss Pavillon.

«Es ist einfach die passende Messe für uns», begründet Senka Bollhalter Zaberl, Geschäftsführerin bei Innotool & Greminger, die Messeteilnahme. Das Unternehmen ist auf Präzisionszerspanung für die Medizintechnik, aber auch für die Luft- und Raumfahrt spezialisiert. Neben den gängigen Metallen beider Branchen wie beispielsweise Titan ist das Bearbeiten technischer Hochleistungskunststoffe wie PEEK, POM und PPSU eine Spezialität des Unternehmens.

Aber auch die Qualität der Besucher spricht viele Aussteller an. «Für uns ist es wichtig, dass Besucher mit konkreten Vorstellungen kommen», erläutert Robert Gnos, CEO bei KKS Ultraschall in Steinen, und ergänzt: «An die Medtec kommen die Besucher mit einem Ziel, sie suchen konkrete Lösungen und wollen sich nicht einfach mal umschauen.» KKS Ultraschall ist ein technologisch führendes Unternehmen auf den Gebieten der industriellen Reinigungs-, Ultraschall- und Oberflächentechnik und erzielt zwei Drittel seines Umsatzes direkt in der Medizintechnik.

Novoplast, Spezialist in Spritzgiess-, Mehrkomponenten- und Extrusionstechnologien aus Wallbach, ist Systemlösungspartner in der Medizintechnik, vor allem Gerätehersteller aus den Bereichen Diagnostik, Labortechnik, Wirkstoffapplikationen und Analytik gehören zu den Kunden. Geschäftsführer Roland Kaufmann sieht in Stuttgart generell einen sehr attraktiven Messestandort, meint aber auch: «Der Medizintehcnik-Markt bietet im süddeutschen Raum ein gewisses Potential. Wir als Zulieferer in den Bereichen Analytik und Diagnostik treffen hier unsere Kunden.» <<

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