Gespräch über den Werkplatz Schweiz mit der Alfred Imhof AG

Interview mit Simon Imhof: «Der kurzfristige Erfolg ist nicht unsere oberste Prämisse»

| Autor: Silvano Böni

Simon Imhof, Geschäftsführer der Alfred Imhof AG
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Simon Imhof, Geschäftsführer der Alfred Imhof AG (Bild: Michael Fritschi / Alfred Imhof AG)

Die Alfred Imhof AG bewegt mit ihrer Antriebstechnik seit mehr als 60 Jahren die Schweiz. Grund genug, uns mit dem Geschäftsführer Simon Imhof über den hiesigen Werkplatz zu unterhalten. Ausserdem erzählte er, wie man seine Mitarbeiter motiviert und welche Chancen sich durch den digitalen Wandel ergeben.

SMM: Die Alfred Imhof AG befindet sich nach wie vor in Familienbesitz. Sehen Sie entscheidende Unterschiede zwischen manager- und inhabergeführten Unternehmen?

Simon Imhof: Inhabergeführte Unternehmen planen meist längerfristig, der kurzfristige Erfolg ist nicht die oberste Prämisse – die Investition in die Zukunft hat einen höheren Stellenwert. So pflegen wir eine starke persönliche Beziehung zu den Mitarbeitern und tragen so eine hohe soziale und gesellschaftliche Verantwortung. «Hire and fire» treffen Sie bei den inhabergeführten Unternehmen kaum an.

Der Werkplatz Schweiz stand durch den starken Franken lange unter Druck. Wie sieht die Situation momentan aus?

S. Imhof: Die meisten Unternehmen haben ihre Abläufe optimiert oder gar automatisiert und konnten so ihre anfallenden Kosten in Schweizer Franken reduzieren. Aktuell sehen wir eine Phase der Beruhigung und Stabilisierung.

Gibt es Branchen und Anwendungen, in denen die Auswirkungen der Frankenaufwertung nicht oder nur wenig zu spüren sind? Sprich, wo lässt sich noch Geld verdienen?

S. Imhof: In diesem Bereich sehen wir in erster Linie die spezialisierte Pharma- und gehobene Uhrenbranche. Weiter können auch die Spezialmaschinenhersteller (auch Werkzeugmaschinen) davon profitieren.

Und welche Branchen haben damit zu kämpfen?

S. Imhof: Hier ist sicher die Lebensmittelindustrie und auch die ganze Lagerlogistik zu nennen. Weiter sind auch die Hersteller von «einfachen Maschinen» betroffen, bei welchen das Verhältnis Material/Arbeit sehr tief ist.

In unserem Sonderheft dreht sich alles um den Werkplatz Schweiz. Wo sehen Sie die besonderen Stärken des hiesigen Werkplatzes?

S. Imhof: Der Kunde erhält durchdachte Lösungen für seine Herausforderung, welche auch nachhaltig genutzt werden können. Ausserdem ist sicher das hohe Engineering-Niveau der Schweizer Maschinen noch mit zu nennen – alles in allem ein Gesamtpaket, das überzeugt.

Welche Schwächen hat der Werkplatz Schweiz?

S. Imhof: Viele erfahrene Entwicklungs-Ingenieure (speziell der Mechanik) erreichen in den kommenden Jahren das Pensionsalter und Schulabgänger in diesem Bereich können dies quantitativ nicht kompensieren – die Folge wird ein grosser Fachkräftemangel sein.

Welche Anreize müsste man Ihrer Meinung nach schaffen, um die Situation zu verbessern und wieder mehr Schul-/Lehrabgänger hervorzubringen?

S. Imhof: Der Unterricht sollte das technische Verständnis der Schüler früher wecken und die Attraktivität der technischen Berufe bereits in den Sekundar­schulen fördern und der Jugend bekannt machen.

Der digitale Wandel ist in vollem Gange. Das muss für einen Anbieter in der Antriebs- und Automatisierungstechnik eine spannende Zeit sein. Welche Chancen ergeben sich dadurch?

S. Imhof: Für den Anlagen-/Maschinenbauer ergeben sich Möglichkeiten, ihre gewünschten Funk­tionen bereits im Vorfeld zu testen (Stichwort: Simula­tion oder digitaler Zwilling) und somit die Installationskosten und Inbetriebnahme-Zeiten deutlich zu verkürzen. Dies hilft, Kosten zu minimieren. Der Anwender selbst hat die Möglichkeit, die verbauten Komponenten schnell zu identifizieren und auch einfacher ein Predictive-Maintenance-­Programm zu installieren.

Welche Trends beschäftigen Sie sonst noch?

S. Imhof: Momentan beschäftigen uns die Änderungen im Bereich der neuen Energie-Vorschriften der EU, welche sicher auch von der Schweiz übernommen werden und bereits 2021 für Umrichter und 2022 für Motoren in Kraft treten sollen. Diese betreffen unter anderem Antriebe im Leistungsbereich von 0,12 bis 0,74 kW sowie 3-phasige Frequenzumrichter. Das hat dann natürlich auch Einfluss auf unsere Kunden, da die meisten Anlagen/Maschinen in ein EU-Land exportiert werden.

Die Alfred Imhof AG hat vergangenes Jahr das Rentenalter erreicht. Welche sind die grössten Herausforderungen, denen sich das Unternehmen jetzt stellen muss?

S. Imhof: Ein wichtiger Punkt ist sicher die Digitalisierung – auch die der Kunden, denn diese werden immer jünger und sind mit dem Smartphone aufgewachsen. Prozesse verändern sich und auch das Kaufverhalten wird stark vom Gestrigen abweichen. Und man muss sich, wie in jedem familiengeführten Unternehmen, auch rechtzeitig um Nachfolgelösungen des Managements kümmern. Wir haben diesen Prozess im letzten Jahr gestartet, obwohl ich noch einige Jahre zur Verfügung stehe – dieser benötigt aber genügend Zeit.

Gute Arbeit hängt auch immer mit der Motivation zusammen. Wie schaffen Sie es, dass Ihre Mitarbeiter motiviert sind?

S. Imhof: Wir versuchen, alle Arbeitsabläufe zu strukturieren und ein Arbeitsklima zu schaffen, in welchem jeder sein eigener Boss ist. Um «sein Boss» zu sein, muss natürlich zuerst der Rucksack gepackt werden, in Form von verschiedensten funktionsspezifischen Weiterbildungen. Hier können wir auch auf eine sehr gute Unterstützung unseres Lieferpartners zählen, welcher uns in den verschiedensten Belangen wie zum Beispiel Prozessen, IT, technischen Produktschulungen und Innovationen sehr unterstützt. SMM

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