SMM InnovationsForum Fertigung

IoT bedeutet mehr als operative Effizienz

| Autor / Redakteur: Michael Finkler / Konrad Mücke

Aus der digitalen Vernetzung und Analyse von Daten entstehen neue, disruptive Geschäftsmodelle.
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Aus der digitalen Vernetzung und Analyse von Daten entstehen neue, disruptive Geschäftsmodelle. (Bild: Ravil Sayfullin – Fotolia)

Im Industrial Internet of Things funktioniert Wertschöpfung auch vertikal. Der Nutzer beziehungsweise der Markt steht im Mittelpunkt. Innovative Produkte und IoT-bezogene Geschäftsmodelle sowie das Konzept der Plattformökonomie bestimmen die disruptive Entwicklung.

Gegenstände kommunizieren miteinander, Nutzer erhalten Zusatzinfos genau dann, wenn sie gebraucht werden. Im Internet of Things (IoT) dreht sich alles um die Bedürfnisse des Kunden. Übertragen auf B2B heisst das: Bei Industrie 4.0 lag der Fokus auf der Vernetzung der Produktionssysteme. Im idealen Industrial Internet of Things (IIoT) steuern und konfigurieren sich cyber-physische Systeme (CPS) einfach selbst. Es geht nicht mehr um den verbesserten Herstellungsprozess, sondern um digitale Produkte und smarte Services. Laut dem Global Digital Operations 2018 Survey von PwC sind heute ein Prozent der Schweizer Unternehmen digitale Vorreiter. Sie haben bereits neue Technologien implementiert und digitale Ökosysteme aufgebaut. Sie denken Produkte, Services, Nutzungserfahrungen und Herstellungsprozesse im Kontext. Sie entwickeln daraus innovative digitale Produkte und Services und betreiben IoT-spezifische Geschäftsmodelle.

Eventtipp: SMM InnovationsFORUM FertigungstechnikDas SMM InnovationsFORUM ist der Treffpunkt der Schweizer Fertigungsindustrie, an dem ausgewiesene Fertigungsexperten über die aktuellsten Trends der Branche informieren. Nutzen Sie die Gelegenheit mit den Referenten zu diskutieren und sich mit den anderen Teilnehmern auszutauschen.
Wann: Mittwoch, 14. November 2018
Wo: Forum der Messe Luzern
Preis: 150.-- CHF (exkl. MwSt.)
Informationen: www.smm-innovationsforum-fertigung.ch

Hoheit über Nutzer und Daten erlangen

Strategisch betrachtet basiert dieses Vorgehen auf Schnittstellen, also auf dem Zusammentreffen digitaler Datenströme. Das Stichwort dazu lautet «Plattformen». Mithilfe digitaler Technologien bringen sie Kunden- und Lieferantensysteme, physische und digitale Assets, Angebot und Nachfrage näher zusammen. Das vereinfacht die Interaktion der Teilnehmer. Jede technische Verknüpfung generiert dabei Daten. Plattformbetreiber, die den Datenfluss und damit das Nutzerverhalten richtig interpretieren, erhalten somit Ansätze für neue, lukrative Geschäftsmodelle.

Wegen dieser Mechanismen sind digitale Plattformen lohnend für alle Beteiligten. Die Kunden erhalten Produkte und Services entsprechend ihren Bedürfnissen. Die Anbieter steigern ihren Umsatz, können bestehende Kunden an sich binden oder weitere hinzubekommen. Zudem verdienen Logistik-Dienstleister und Betreiber der Plattformen (in-)direkt bei jeder Transaktion beziehungsweise bei jeder Nutzung mit. Je mehr Teilnehmer eine Plattform hat, desto attraktiver ist sie, weil die Anzahl möglicher Verknüpfungen steigt. Gleichzeitig sinken die Transaktionskosten, weil etwa durch standardisierte Kommunikation (Stichwort: Service-Bots) weniger Abstimmungsaufwand anfällt. Für eine solche permanent sich selbst erneuernde Wertschöpfung braucht das System möglichst viele Nutzer- beziehungsweise Nutzungsdaten. Das erklärt, warum die Betreiber digitaler Plattformen eine umfassende Kontrolle des Nutzerzugangs anstreben. Wer das schafft, kann den Markt beherrschen. Denn die beschriebene Dynamik fördert eine Konsolidierung des Angebots.

Von der Smart Factory zum IIoT-Geschäftsmodell

Aktuell geht es nicht mehr nur um digitalisierte, integrierte Wertschöpfungsketten (Smart Factory) oder um digitalisierte Angebote, sondern um die Entwicklung Ende-zu-Ende-automatisierter Produkte und Services. Das zeigt das Beispiel ADAMOS. «Adaptive Manufacturing Open Solutions» ist eine strategische IIoT-Plattform für den Maschinen- und Anlagenbau. Angeschlossene Unternehmen greifen dabei auf eine herstellerneutrale technologische Basis zurück. ADAMOS stellt IT-Dienste für die Produktion bereit, speichert und analysiert produktionsrelevante Daten und vernetzt firmenübergreifend Produktionsprozesse. Darüber hinaus bündelt eine eigene Entwicklungsumgebung das technologische Know-how der Partner, ihr Branchenwissen sowie die spezifischen Bedürfnisse der Endkunden. Auf diese Weise lassen sich Apps effizient nach einheitlichen Standards umsetzen und auf den eigenen Marktplätzen der Partner verkaufen. Grundlage für die Umsetzung von IIoT-Geschäftsmodellen ist ein strukturiertes Vorgehen. Dazu sind drei Schritte empfehlenswert:

  • 1. Verstehen Sie Ihre (End-)Kunden. Fragen Sie Bedürfnisse ab, werten Sie Feedback aus, beobachten Sie den Nutzungskontext. Vor welchen Aufgaben und Problemen stehen Ihre Kunden? Welche Lösungen können Sie anbieten?
  • 2. Entwickeln Sie spezifische Angebote und eine passende Wertschöpfungsstruktur. Prüfen Sie insbesondere das Marktpotenzial Ihrer Ideen, also deren Einzigartigkeit, technische und wirtschaftliche Machbarkeit sowie ggf. Finanzierungsrisiken und rechtliche Einschränkungen. Ideen, die es schon gibt oder die am Markt vorbeigehen, verwerfen Sie besser.
  • 3. Spielen Sie verschiedene Szenarien durch. Business Cases und (technische) Prototypen helfen dabei. Regelmässige Tests mit Shareholdern schlies­sen Ungewissheiten aus. Dieses agile Vorgehen strafft nicht nur das Timing. Dank der Mini-Iterationen können nötige Anpassungen früh erkannt und kostengünstig vorgenommen werden.

ERP-System zentralisiert Daten und Prozesse

Spätestens dann, wenn die entwickelten smarten Produkte und Services ebenso smart produziert und verwaltet werden sollen, kommt ERP ins Spiel. Es wird zum zentralen Daten- und Prozess-Hub des IIoT und fungiert damit noch stärker als digitales Rückgrat im Unternehmen. Moderne ERP-Systeme unterstützen hinsichtlich der Agilität, der Customer Experience, der Mobilität, der Konnektivität, der Skalierbarkeit und der Sicherheit. All das kann zum Beispiel bei der Produktionsautomatisierung, beim Aufbau von CPS oder dem Einsatz von Blockchain, Robotik, 3D, VR und KI relevant sein. Die Liste technischer Möglichkeiten wird stetig länger. Das macht ihre Umsetzung zunehmend komplex und setzt einen gewissen digitalen Reifegrad voraus. Unternehmen, die mit der digitalen Transformation noch nicht begonnen haben, sollten in jedem Fall zeitnah, aber geordnet beginnen. Den Anfang bildet eine realistische Standort- und Zielbestimmung als Grundlage für die Digitalisierungsstrategie. Dabei ist die Wahl geeigneter Technologien sowie Markt- und Geschäftsmodelle entscheidend. Wichtig sind zudem klare Strukturen, Prozesse und Verantwortlichkeiten. Dies schliesst eine detaillierte Planung sowie den Aufbau entsprechender Kompetenzen ein.

Optimal vorbereitet

In der Schweiz bestehen beste Bedingungen, um diese To-dos anzugehen. Der Global Digital Operations 2018 Survey bescheinigt dem Land eine internationale Führungsrolle hinsichtlich der Digitalkultur. Themen wie visionäre Führung oder Fehlerkultur werden im Arbeitsalltag bereits gelebt. Nun kommt es darauf an, dass daraus innovative Produkte und Services entstehen. Die Plattformökonomie bietet Unternehmen ein enormes Potenzial dafür. SMM

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