Über die aktuelle Situation für Fertigungsbetriebe und die Aussichten, Chancen und Risiken für den Werkplatz Schweiz sprachen wir mit Claudio Roth, CEO thyssenkrupp Materials Schweiz AG.
Teamarbeit und ein vertrauensvolles Zusammenwirken unter Mitarbeitern und Führungskräften tragen wesentlich dazu bei, als attraktiver Arbeitgeber zu gelten und auch unter den derzeit schwierigen Bedingungen qualifiziertes Fachpersonal zu finden.
(Bild: thyssenkrupp Materials Schweiz AG)
SMM: Mit welchen besonderen Bedingungen sind Sie aktuell konfrontiert?
Claudio Roth: Für uns zählen zu den besonderen Bedingungen das Gewinnen von Fachkräften, die Sicherstellung zuverlässiger Lieferketten, der Rohstoffmangel, die Nachhaltigkeit und der Klimaschutz, das Kostenmanagement und die internationalen Beschränkungen. Es ist ein ganzer Strauss von Themen, welcher mich und meine Kollegen und Kolleginnen aktuell intensiv beschäftigt. Der Schlüssel zum Erfolg und die wichtigste Komponente zur Meisterung dieser Herausforderungen sind dabei unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, welche Tag für Tag den Spirit mitbringen, Lösungen zu finden. In der vielschichtigen Dynamik und Komplexität verschiedener Themen können wir nur mit Top-Personal an der Spitze bleiben. Ich bin dankbar und stolz, bei thyssenkrupp Materials Schweiz auf ein Team zählen zu dürfen, welches mir das Vertrauen gibt, alle Herausforderungen gemeinsam meistern zu können.
Wie meistern Sie die spezielle Kostenstruktur, die für Schweizer Fertigungsbetriebe den unbedingt erforderlichen Export erschwert?
C. Roth: Die stetige Effizienzsteigerung muss Teil unserer DNA sein. Wir setzen uns bei thyssenkrupp Materials Schweiz jährlich ein Effizienz-Ziel von 5 Prozent und arbeiten intensiv an diversen Themen: Mehrmaschinenbedienung, Nachtlaufzeiten nutzen, Lean-Projekte und verschiedene digitale Themen wie das «maschinelle» Einlesen von Kundenbestellungen dank Smart Order oder EDI-Kundenanbindungen und vieles mehr. Dieses ständige Hinterfragen und Optimieren von Prozessen ist die Basis, um im knallharten Wettbewerb weiter wachsen und gedeihen zu können. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das laufende Investieren in schnellere und automatisierte Anlagen. So haben wir in den letzten zwei Jahren rund 5 Mio. Schweizer Franken in unsere Maschinen und Infrastruktur investiert.
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Wie optimieren Sie Ihre interne Organisation und die Strukturen, damit Sie künftig wettbewerbsfähig bleiben?
C. Roth: Wir wachsen laufend im Umsatz, aber nicht in der Personalstruktur. Unsere Prozesse werden zunehmend digitaler und leaner gestaltet. Gerade im Verkauf haben wir im Jahr 2022 mit unserem neuen Online-Shop World of Materials (WoM) an der Effizienzschraube gedreht und sowohl für unsere Kunden wie auch für unsere Verkaufsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter Mehrwert geschaffen. Als Marktführer für kubische Bauteile bietet WoM unseren Kunden und Interessenten die Möglichkeit, ihre Bauteile in Ausführung gesägt, gefräst und geschliffen zu konfigurieren, in Echtzeit zu kalkulieren und zu bestellen. Unser Verkauf profitiert in doppelter Hinsicht. Einerseits reduziert sich die gesamte Anzahl zu bearbeitender Anfragen, andererseits konnten wir dank Harmonisierung des Kalkulations- und Offertwesens und der Einbindung von Smart Order die Prozesse vereinfachen und beschleunigen. Die dadurch frei werdende Zeit nutzen unsere Verkäuferinnen und Verkäufer für das verstärkte Key-Accounting und für das aktive Verkaufen. Gute Erfahrungen machen wir zudem mit dem Einsatz von Kompetenz-Teams für die Uhrenindustrie, die Medizintechnik oder den Formen- und Werkzeugbau. Die in diesen Teams involvierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen die spezifischen Bedürfnisse des Segments und können so schneller und effizienter auf Kundenwünsche reagieren. In unserer Verwaltung arbeiten wir zunehmend mit digitalen Prozessen wie Auto-Bank, automatischen Power-BI-Auswertungen und weiteren digitalen Lösungen. Dieser stetige Drang zu besseren Prozessen hält unsere Organisation schlank.
Wie begegnen Sie dem zunehmenden Mangel an Fachkräften?
C. Roth: Da gibt es für mich nur einen Weg: Als thyssenkrupp Materials Schweiz noch mehr in das Thema investieren und zusätzliche Lernende ausbilden. Nebst unseren bis dato ausgebildeten Berufsbildern Kauffrau/Kaufmann und Logistiker haben wir in Zusammenarbeit mit dem AZW Ausbildungszentrum Winterthur begonnen, Lernende als Produktionsmechaniker auszubilden. Diese frisch ausgebildeten Berufsleute möchten wir dann natürlich nach der Lehre, wenn immer möglich, für uns gewinnen. Gerade im Bereich der CNC-Fertigung haben wir mit unserer im Jahr 2021 fertiggestellten neuen Produktionshalle prodrill und mit modernen Maschinen inklusive Programmieren auf dem CAM-System Top-Solid einiges zu bieten. Gepaart mit unserer Leidenschaft für metallische Werkstoffe sind wir überzeugt, jungen CNC-Berufsleuten einen ausgezeichneten Start in eine erfolgreiche Berufskarriere bieten zu können. Es gilt festzuhalten, dass die Berufe an den CNC-Maschinen anspruchsvoller sind als viele Bürojobs. Die Wertschätzung und die stetige Verbesserung dieser wichtigen Berufsbilder wollen wir vermehrt pflegen und fördern. Ebenfalls ist es von grosser Wichtigkeit, unsere Netzwerke zu erweitern, um potenzielle Bewerber anzusprechen. Hierbei kontaktieren wir beispielsweise Hochschulen und kooperieren mit Berufsschulen, um bei den zukünftigen Berufsleuten präsent zu sein.
Welche begleitenden politischen Rahmenbedingungen wünschen Sie sich, um für die Zukunft den Werkplatz Schweiz erhalten zu können?
C. Roth: Die Schweiz muss zwingend einen guten Dialog mit der EU und einen barrierefreien Zugang zum europäischen Binnenmarkt finden. Meines Erachtens wird dieses Thema seitens der Politik etwas vernachlässigt. Natürlich gibt es nach den Einschränkungen durch Covid viel aufzuarbeiten. Aktuell binden drängende Themen wie die Energieversorgung viele Ressourcen. Unser Zugang zu den europäischen Märkten und der freie und unbürokratische Warenverkehr nach Europa sind jedoch sowohl für uns als thyssenkrupp Materials Schweiz wie auch für unsere stark exportorientierten Kunden existenziell. Liebe Politiker, seid schlau und verhandelt weiter, aber lasst die Schweiz nicht in Handschellen legen. Unser Land hat eine lange Tradition in Forschung und Innovation, die es zu stärken gilt. Dazu sollten die Investitionen in Bildung und Forschung kontinuierlich erhöht werden, um sicherzustellen, dass wir als Land wettbewerbsfähig bleiben und unsere Führungsrolle in der Technologie- und Wissenschaftswelt behalten. In der Ausbildung soll weiter und vermehrt auf den dualen Ausbildungsweg gesetzt werden. Ich sehe keine Nachteile darin, dies intensiver zu tun.
Stand vom 30.10.2020
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Welche Chancen sehen Sie hinsichtlich Innovationen zu Produkten und Verfahren, um den Werkplatz Schweiz zu stärken und fit für die Zukunft zu machen?
C. Roth: Wir alle kennen den Ausspruch: «Wer hat’s erfunden? Die Schweizer!» Dieser mittlerweile legendäre Slogan und die damit verbundene Innovationskraft sind das Credo der Schweizer Wirtschaft. Die Schweiz ist Heimat vieler Innovationen und wird es auch bleiben. Innovation ist der herausragende Schlüssel zum Erfolg auf dem Markt. Deshalb muss Innovation in jedem Unternehmen als strategischer Ansatz gesehen werden. Die aktuellen Probleme und Themen der Welt schreien gerade nach Innovationen und neuen Entwicklungen. Ich glaube, dass die Schweiz unter anderem dank ihres Bildungssystems und ihrer multikulturellen Landschaft sehr gut aufgestellt ist. Ich bin überzeugt, dass sich dem Werkplatz Schweiz auf allen Ebenen Chancen bieten, um auf gesundem Nährboden Innovation und innovatives Unternehmertum zu fördern und erfolgreich zu sein.
Wie agieren Sie in Bezug auf internationale Kontakte, um Schweizer Qualität als lohnend hervorzuheben?
C. Roth: Qualität zu liefern, scheint so selbstverständlich zu sein. Aber Qualität ist nicht gleich Qualität. Qualität ist nie fertig und kann immer verbessert werden. Mit unserem Motto Quality first wollen wir bei den Besten sein und uns ständig weiterentwickeln. Unsere Kunden aus der D-A-CH-Region schätzen das an unseren Produkten und Werkstoffdienstleistungen. Kombiniert mit der sprichwörtlichen Schweizer Präzision und Verlässlichkeit ist Qualität noch immer ein Alleinstellungsmerkmal. Als Unternehmen des thyssenkrupp-Konzerns vertreten wir zudem eine starke globale Marke, welche seit Jahrzehnten für Werte wie Qualität, Innovation und Zuverlässigkeit steht.
Was kann weiter dazu beitragen, die Wettbewebsfähigkeit Schweizer Unternehmen zu erhalten und zu fördern?
Die Schweiz soll sich im Energiesektor weiter intensiv darum bemühen, unabhängiger von Energieimporten aus dem Ausland zu werden und sich in den erneuerbaren Energien exzellent aufstellen. Mit einer verbesserten, stabilen und nachhaltigen Energie-Produktion im Inland kann sich die Schweiz gegenüber anderen Ländern freier entfalten und sich zukünftig wettbewerbsfähiger positionieren. Dies wird für die Zukunft ein weiterer strategischer Vorteil der Schweiz sein.
Herr Roth, vielen Dank für diese Informationen. SMM