Die Schweizer KMU würden sich den Herausforderungen und Veränderungen stellen und flexibel auf diese reagieren, das sei eine der besonderen Stärken des Werkplatzes Schweiz, sagt Jan ten Pas, Geschäftsführer bei Walter Meier (Fertigungslösungen) AG, im SMM-Interview. Ein Vorzeigebeispiel sei z.B. die entwickelte Fertigungslösung im Bereich der Turboladerherstellung, die die Produktion am Standort Schweiz technologisch und wirtschaftlich zukunftsfähig macht.
«Wichtige Kriterien für unsere Kunden sind die Liefergeschwindigkeit und -zuverlässigkeit.» Jan Ten Pas, Geschäftsführer, Walter Meier (Fertigungslösungen) AG
(Bild: Walter Meier (Fertigungslösungen) AG)
SMM: Welche Herausforderungen sehen Sie im Jahr 2023 und darüber hinaus am Werkplatz Schweiz?
Jan ten Pas: Der Werkplatz Schweiz hat gelernt, mit Unsicherheit, Komplexität und ständiger Veränderung umzugehen. Die Ausschläge werden aber künftig wahrscheinlich noch grösser und die Geschwindigkeit dieser Veränderungen wird nochmals zunehmen. Unternehmen am Werkplatz Schweiz müssen sich deshalb täglich neu erfinden und agil sein, dafür müssen wir als Unternehmer Sorge tragen. Eine weitere grosse Herausforderung bleibt die ständige Aus- und Weiterbildung von Fachkräften am Werkplatz Schweiz.
Welche Aufgaben übernehmen Ihre Spezialisten am Standort Bassersdorf, um den Herausforderungen am Werkplatz Schweiz gerecht zu werden?
J. ten Pas: Die Frage nach der Zukunftssicherung haben wir bereits vor einigen Jahren mit der sehr schmerzhaften, aber unausweichlichen Straffung unseres Produktsortiments beantwortet. Unser Geschäftskonzept beruht auf der einfachen Erkenntnis, dass wir das, was wir tun – zum Nutzen unserer Kunden und Geschäftspartner –, sehr gut beherrschen müssen. Es reicht nicht mehr aus, gute Grundkenntnisse zu unseren Produkten zu haben. Wir haben den Anspruch, die Produkte so gut wie die jeweiligen Hersteller zu kennen und zu deren effizienter Anwendung mit unseren Kunden auf Augenhöhe diskutieren zu können. Dadurch gelangen wir mit unseren Kunden zu optimalen Lösungen über den kompletten Lebenszyklus unserer Produkte.
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Sie haben es oben kurz angesprochen, im Bereich der Fräsmaschinen setzten Sie auf den japanischen Hersteller Fanuc und den deutschen Hersteller Kunzmann. Im Bereich Drehen auf Weiler und Nakamura. Welche Vorteile bringt es Ihren Kunden, dass Sie sich auf wenige WZM-Hersteller fokussiert haben?
J. ten Pas: Die Straffung des Produktsortiments von rund 15 Maschinenvertretungen auf lediglich 4 Vertretungen war – aus heutiger Sicht – ein strategisch ausgezeichneter Schritt. Diese Straffung gepaart mit der Spezialisierung und Qualifizierung unserer Mitarbeitenden war die Voraussetzung, um unseren Kunden Best-in-Class-Produkte gepaart mit dem entsprechenden Detailwissen für die Entwicklung von kundenspezifischen Lösungen, Dienstleistungen und Services über den kompletten Lebenszyklus unserer Produkte anbieten zu können.
Walter Meier gehört mit über 80 Mitarbeitenden zu einem der grössten Werkzeug- und Werkzeugmaschinen-Spezialisten der Schweiz. Seit 2022 verfügen Sie über einen hochmodernen Montage- und Entwicklungsstandort in Bassersdorf. Welche Rolle spielt die neue Infrastruktur für Sie als Fertigungslösungsanbieter?
J. ten Pas: Bei der Entwicklung des Standortes war es uns ein Anliegen, die Infrastruktur so zu gestalten, dass unsere Mitarbeitenden optimale Voraussetzungen vorfinden, um qualitativ hochstehende Arbeit leisten zu können. Zum anderen können am neuen Standort logistische Abläufe optimiert und Durchlaufzeiten für unsere Kundenprojekte besser auf deren Bedürfnisse abgestimmt werden. Weiterhin werden wir in unserem Technologiezentrum umfangreich Praxistests für kundenspezifische Anforderungen durchführen.
Im Anwenderbericht zeigen wir ein weiteres Kompetenzfeld Ihres Unternehmens: die Entwicklung einer voll automatisierten Drahterodier-Fertigungszelle. Hier stellen sich zwei Fragen. Erstens: Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht zukünftig Automationslösungen in der Fertigungstechnik im Generellen?
J. ten Pas: Wettbewerbsfähigkeit ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Um am Werkplatz Schweiz erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen sicherstellen, dass repetitive Arbeiten so weit wie möglich automatisiert werden, um den hohen Lohnkosten entgegenzuwirken. Passgenaue, d. h. auf die konkreten Bedürfnisse zugeschnittene Automationslösungen bieten zudem eine entsprechende Prozesssicherheit, um die Qualität der zu produzierenden Teile zu gewährleisten.
Zweitens: Sie decken praktisch das gesamte Fertigungsspektrum (Drehen, Fräsen, Erodieren, Maschinen, Werkzeuge) ab. Wo sehen Sie die zukünftigen Fertigungsschwerpunkte am Werkplatz Schweiz?
J. ten Pas: Der Werkplatz Schweiz überzeugt durch qualitativ hochstehende Produkte, eine stabile Prozessqualität sowie Liefergeschwindigkeit und -zuverlässigkeit, um nur einige Faktoren zu nennen. Wir sehen den Schwerpunkt auf einer Spezialisierung zur Herstellung von anspruchsvollen Teilen, dies in der Regel in der Form von Kleinserien.
In den letzten beiden Jahren sind vermehrt wieder Aufträge aus China zurück in die Schweiz gekommen, u. a., weil die Lieferketten nicht mehr prozesssicher waren. Sehen Sie mittelfristig Chancen, dass am Werkplatz Schweiz wieder mehr produziert wird, auch Komponenten mit nicht ganz so hoher Wertschöpfung?
J. ten Pas: Die Lücken in den Lieferketten und die fehlenden Verfügbarkeiten in letzter Zeit haben sicher dazu geführt, dass sich einige Unternehmen Gedanken über die bestmöglichen Produktionsstandorte und die Absicherung der Versorgungskette unter den genannten Aspekten machen. Wichtige Kriterien für unsere Kunden sind die Liefergeschwindigkeit und -zuverlässigkeit, die Kunden haben verstanden, dass die Sicherung der Versorgung ihren Preis hat – diese Entwicklung wird den Werkplatz Schweiz weiter stärken.
Im Umkehrschluss: Welche Ansprüche werden seitens Ihrer Kunden an Fertigungslösungen gestellt, damit am Werkplatz Schweiz Komponenten mit geringerer Wertschöpfung gleichwohl wirtschaftlich vor Ort produziert werden können?
J. ten Pas: Eine weitgehend mannlose Fertigung mit möglichst wenig Flächenbedarf dürfte unserer Meinung nach das ausschlaggebende Argument für die Fertigung dieser Komponenten sein. Wir führen für unsere Kunden Zeitstudien und integrieren entsprechend den Prozessanforderungen unserer Kunden Maschinen, Werkzeuge, Mess- und Automationssystem sowie weitere Peripheriekomponenten in einer autonomen Fertigungszelle. Es gilt hier, minimale Durchlaufzeiten der zu fertigenden Teile bei maximaler Autonomie zu erreichen, um so die Stückkosten so tief wie möglich zu halten. SMM
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Stand vom 30.10.2020
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