«Sell global – buy local» lautete das Thema des 22. Ostschweizer Technologiesymposiums (OTS). Logisch, dass bei dieser Themenwahl auch kontrovers diskutiert wurde. Das OTS in St. Gallen erwies sich einmal mehr als hervorragende Plattform für produzierende Unternehmen. Eine hochkarätig besetzte Vortragsreihe sowie eine Tischmesse bilden den Rahmen des OTS. Theo Thalmann (Organisator des OTS) beleuchtet im SMM-Interview unter anderem die zukünftigen Herausforderungen der aktuellen Beschaffungssituation.
Thomas Wengi (Managing Director, GF Machining Solutions) spricht während des OTS von einem Kulturwandel, der wegführt vom rein preisgetriebenen Einkauf hin zu partnerschaftlichen Beziehungen.
(Bild: OTS)
Das 22. OTS stand unter dem Motto «Sell global – buy local». Würden sich alle Länder an dieses Motto halten, gäbe es nicht nur für die exportorientierte Schweiz wenig zu exportieren?
Theo Thalmann: Ja, unser provokativer Untertitel blieb nicht unwidersprochen. Dr. Roman Boutellier (Prof. em. Dep. Management, Technologie und Ökonomie) hat unser kontroverses Leitthema relativ stark kritisiert. Dr. Katharina Luban (Institut IPEK – OST, Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen, Professorin für Supply Chain Management) hingegen verweist auf die Praxis des «near sourcing» als Möglichkeit zur Stärkung der Resilienz. Die zugespitzte Themensetzung war für uns eine aus der aktuellen Situation resultierende Analyse im Zusammenhang mit den einschneidenden Ereignissen der letzten Jahre, insbesondere die Covid-Situation.
Sie hatten hervorragende Referenten gewinnen können. Wie sehen diese das Thema Insourcing in einer mittel- bis langfristigen Perspektive?
Th.Thalmann: Dr. R. Boutellier sieht es, wie bereits erwähnt, als Engpassmanagement. Die globalen Lieferketten würden auch zukünftig bestehen bleiben. Also auf lange Sicht läuft die Beschaffung wieder wie bisher.
Thomas Wengi (Managing Director, GF Machining Solutions) spricht dagegen von einem Kulturwandel weg vom rein preisgetriebenen Einkauf hin zu partnerschaftlichen Beziehungen, was in der Summe und unter Einbezug von Sekundäreffekten auch Erfolg verspricht. Daran erkennt man, dass das Thema erstens kontrovers ist und zweitens sehr differenziert betrachtet wird.
Warum ist das Thema Insourcing trotzdem wieder in aller Munde?
Th.Thalmann: Die Unternehmen suchen eine gewisse Sicherheit. Die ist im europäischen Umfeld relativ stark gegeben. Allerdings hat das auch seinen Preis. Ein weiterer Vorteil ist die einfachere Kommunikation, wenn die Zulieferer sich im gleichen Sprachraum befinden.
Würden Sie sagen, dass der aktuelle Insourcing-Trend nur ein vorübergehendes Phänomen ist? Am Ende wird Corona schnell wieder in Vergessenheit geraten und man muss auf die Produktions- und Fertigungskosten achten, die bei einfachen Komponenten in Niedriglohnländern oft günstiger sind.
Th.Thalmann: Am Ende ist es immer der Preis, da kann man sich nichts vormachen. Auf der anderen Seite sind die negativen Effekte langer Lieferketten im ungünstigen Fall nicht zu unterschätzen. Hier steht auch das Thema Prozesssicherheit im Vordergrund. Generell hängt es aber sehr stark vom Einzelfall ab und lässt sich sicher nicht allgemeingültig beantworten.
Corona hat manche Veranstaltungen für fast zwei Jahre unterbunden oder sie sind ins Internet abgewandert. Was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile einer Präsenzveranstaltung wie des OTS?
Th.Thalmann: Das OTS lebt neben den praxisnahen Vorträgen vom Austausch der Teilnehmer untereinander und das geht physisch einfach besser.
Die gute Beteiligung zeigt uns, dass wir mit dieser Veranstaltung sowohl bei den Ausstellern als auch bei den Besuchern einen Bedarf decken.
Wie viele Aussteller konnten Sie in diesem Jahr gewinnen und welchen Nutzen hat die Tischausstellung im Rahmen der Veranstaltung?
Th.Thalmann: Wir haben gut 20 Co-Sponsoren, die helfen, die Veranstaltung zu ermöglichen. Im Rahmen des Networkings sind sie Nutzniesser und Katalysator für Gespräche.
Das OTS hat sich etabliert. Wie viele Besucher hatten Sie und wer sind die typischen Besucher?
Th.Thalmann: Wir hatten knapp 200 Besucher. Im Moment ist einfach zu viel los. Unsere Besucher kommen aus der Industrie im weiteren Umfeld.
Das OTS wird von einem Unternehmensverband und Hochschulen getragen. Wer sind diese Unternehmen und wie setzen sie sich zusammen?
Th.Thalmann: Der PTV (Produktions- und Technologieverbund Ostschweiz) ist ein Zusammenschluss von kleinen und mittelständischen Zulieferern und Maschinenbauern. Die Zusammensetzung reicht vom Decolleteur über die mechanische Fertigung bis hin zum 3D-Druck. Ebenso sind Engineeringfirmen sowohl aus der Mechanik als auch aus der Elektronik/SW dabei.
Können auch Firmen am OTS teilnehmen, die nicht in der Ostschweiz ansässig sind, was sind die Voraussetzungen?
Th.Thalmann: Im Rahmen des Sponsorings ist dies bereits heute der Fall.
Das erste OTS war sehr technologieorientiert. Das 22. OTS ist strategieorientiert. Wie kam es zu diesem Themenwechsel?
Th.Thalmann: Unser Ziel ist es, aktuelle Themen aufzugreifen, die die Industrie beschäftigen. Es soll anregend und lehrreich sein. Wenn ein neues Technologiethema auftaucht, werden wir es auf jeden Fall wieder aufgreifen.
Haben Sie schon erste Ideen, welches Thema die Besucher 2024 erwartet?
Th.Thalmann: Dies ist Gegenstand der Beratungen in den Gremien des PTV, sodass das neue Thema zu Beginn des nächsten Jahres feststehen wird. SMM
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Stand vom 30.10.2020
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