Interview mit Urs Baumgartner, CEO Kellenberger

Kundennähe ist entscheidend

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Welchen Einfluss hat diese Entwicklung auf Ihre Personalpolitik?

U. Baumgartner: Dies führt dazu, dass wir unsere aktuellen Strukturen und Fähigkeiten laufend hinterfragen und mit den notwendigen Anforderungen abstimmen müssen. Grundsätzlich verfolgen wir ein qualitatives vor einem quantitativem Wachstum. Wo früher der Fachmann genügte werden heute Mitarbeiter mit weiterreichender theoretischem Wissen beschäftigt, typische Bereiche sind Applikation, Produktmanagement und technischer Verkauf. Während z.B. früher Versuchsschleifer Teile auf den Kunden- oder Demomaschinen schliffen, befassen sich heute ausgewiesene Verfahrens- und Applikationstechniker mit der Beurteilung, Ausarbeitung und Umsetzung eines Prozess. Die Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter ist stark gestiegen. Im Bereich Engineering haben sich die Anforderungen vom mehrheitlich mechanischen Bereich in Richtung Software und Steuerung verschoben. Das sind Prozesse die Jahre dauern.

Viele Werkzeugmaschinenbauer haben das Problem, dass sie billig kopiert werden. Beim Schleifen hört man davon nicht. Woran liegt das?

U. Baumgartner: Ein Grund sind sicher die Genauigkeitsanforderungen in der Fertigung einzelner Maschinenkomponenten sein, speziell beim Schleifen. Wir haben die Schleifoperationen auch das Bettenschleifen bei uns im Hause. Unsere Maschinen sind weltweit als die genauesten mechanisch gefertigten Schleifmaschinen bekannt. Ein weiterer Grund dürften die schleifspezifischen Steuerungen und die integrierte anspruchsvolle schleifspezifische Software sein. Standard-Steuerungen sind auf das Drehen und Fräsen ausgelegt. Beim Schleifen braucht es zusätzliche eigenentwickelte Software, die auf die Standardsoftware draufgesetzt wird. Ausserdem ist das Präzisionsschleifen eher als Nischenmarkt einzustufen und aufgrund des Aufwands für das Kopieren weniger interessant. Hinzu kommt das gesamte Applikations-Know-how, welches langjährige Erfahrung voraussetzt und nicht einfach kopiert werden kann.

Wie entwickelt sich der Schleifmaschinenmarkt generell?

U. Baumgartner: Das aktuelle globale Umfeld lässt nur begrenzt eine zuverlässige Planung zu. Politische und ökonomische Verwerfungen und Unsicherheiten zwingen uns als Werkzeugmaschinenhersteller sich laufend mit den sich ändernden Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Wir haben immer mehr international aufgestellte Kunden, die ihre Fertigungsstätten verlagern und allenfalls ihre Organisation, Struktur und Ausrichtung verändern. Dabei wird erwartet, dass wir dort entsprechend präsent sind und Unterstützung bieten können. Für uns ist die Kundennähe in allen Lebenszyklusphasen einer Maschine oder eines Systems vom Verkauf bis zur Betreuung generell ein entscheidender Faktor, den wir weiterentwickeln wollen, nicht nur in den Lösungen, die wir anbieten, sondern auch in unserem Auftritt und in unserer Zusammenarbeit mit den Kunden. SMM

Vielen Dank für das Gespräch.

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