Maintain 2014 Lösungsansätze für den Industrieservice 4.0

Redakteur: Bernhard Herzog

Die Maintain findet vom 3. bis zum 6. Juni 2014 auf dem Gelände der Messe München statt. Die Fachmesse für industrielle Instandhaltung bietet in diesem Jahr dem Thema Industrie 4.0 und den dazugehörigen Serviceleistungen eine eigene Plattform. Dort haben Fachbesucher die Möglichkeit, sich an einem Themenpavillon über Service-Trends und Service-Innovationen im Maschinen- und Anlagebau zu informieren.

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Die Messe Maintain in München verschafft Durchblick in Sachen industrielle Instandhaltungsprozesse.
Die Messe Maintain in München verschafft Durchblick in Sachen industrielle Instandhaltungsprozesse.
(Bild: Messe München)

her. Industrie 4.0 – unter diesem Stichwort findet gegenwärtig eine industrielle Revolution statt, die auf der digitalen Vernetzung von Maschinen basiert. Intelligente Produkte und Systeme, die eindeutig identifizierbar sind und miteinander kommunizieren, ermöglichen es, Produktionssysteme und Wertschöpfungsketten neu auszurichten. In diesem Zusammenhang entstehen Serviceleistungen, die als «Industrieservice 4.0» bezeichnet werden. Dadurch können neue Formen von vorausschauenden Wartungskonzepten umgesetzt sowie die Möglichkeiten von Remote Services erweitert werden. Ausserdem stehen auf diese Weise Daten von Anlagen und Maschinen zum digitalen Auslesen zur Verfügung.

Um Einblicke in Entwicklungen und Lösungen von Industrieservice 4.0 zu geben, bündelt die Fraunhofer Gesellschaft für die Maintain 2014 erstmals Kompetenzen mehrerer Institute auf dem Gebiet des industriellen Service-Geschäftes. Zu den teilnehmenden Institutionen zählen neben dem Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), das Institut für Integrierte Schaltungen (IIS), das Institut für Materialfluss und Logistik (IML), das Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) sowie das Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) und das Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung (IFF).

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Diese zeigen an der Messe, welche Schritte für Unternehmen notwendig sind, damit ihre Dienstleistungsgeschäfte die Anforderungen der Industrie 4.0 erfüllen. Dabei profitieren die Besucher von der vielseitigen Kompetenz der anwesenden Fraunhofer Institute. Sie decken unter anderem die Felder Logistik, Prozessoptimierung, Automatisierung, Datenmanagement, Virtualisierung sowie Geschäftsmodellentwicklung ab.

Service-Plattform Maschine

Die Wirtschaft der Zukunft ist eine Wirtschaft, in der es nicht mehr und nicht weniger Maschinen geben wird, aber die Funktion dieser Maschinen wird sich zum Teil gravierend verändern. Denn Maschinen werden künftig zu Plattformen für innovative und Mehrwert schaffende Services, was Hersteller, Kunden und Zulieferer gleichermassen vor neue Herausforderungen stellt.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat das Fraunhofer IAO gemeinsam mit Unternehmen des Maschinenbaus, der Automatisierungstechnik und spezialisierten Software-Anbietern den Innovationsverbund «Service-Plattform Maschine« gestartet. Im Vordergrund stehen die strategische Weiterentwicklung des Service-Geschäfts, die Entwicklung neuer Lösungen zur Unterstützung von Kundenbedürfnissen und die Optimierung bereits bestehender Serviceleistungen.

Dabei werden Lösungen und Konzepte für drei Themenfelder erarbeitet. Bei der «Informationstransparenz im Service-Vertrieb» geht es um die Frage, wie Informationsflüsse, Service-Produkte und Vertriebsstrukturen gestaltet sein müssen, dass auch komplexe, zyklusorientierte Service-Angebote kundenspezifisch angeboten werden können. Im Mittelpunkt des Themenfelds «Komplexitätsmanagement» steht die Entwicklung von Lösungsansätzen zur Beherrschung der zunehmenden Komplexität von Produkten, Prozessen und Leistungen, um weltweit eine gleichbleibend hohe Service-Qualität zu garantieren. Schliesslich arbeiten die Partner im Bereich «Datenbasierte Geschäftsmodelle» an neuen Geschäftsmodellen, die primär von Daten- und Informationsflüssen getragen werden, die durch den Einsatz der Maschine beim Kunden entstehen.

Der Innovationsverbund vereint derzeit Leiter und Manager aus dem Service-Bereich folgender Unternehmen: Balluff GmbH, Bosch Rexroth AG, Carl Zeiss IMT GmbH, DMG Vertriebs und Service GmbH, Engel Austria GmbH, Hirschmann Automation and Control GmbH, Innosoft GmbH, Perspectix AG, Schaeffler AG, Symmedia GmbH, Trumpf Werkzeugmaschinen GmbH & Co. KG und Voith Turbo GmbH & Co. KG.

Service Lifecycle Management

Dienstleistungen passend zu ihren Produkten anzubieten, ist für Unternehmen nicht mehr Kür, sondern Pflicht, wenn sie auf dem Markt bestehen wollen. Ein Service Lifecycle Management hilft, dafür geeignete Geschäftsmodelle systematisch und erfolgreich zu entwickeln. In der Studie «Anforderungen an ein Service Lifecycle Management» hat das Fraunhofer IAO untersucht, ob und wie Unternehmen dieses bereits einsetzen.

Bereits heute ist es für produzierende Unternehmen wichtig, begleitend zu ihren Produkten Dienstleistungen anzubieten. Bekannte Beispiele sind Möbel, die daheim beim Kunden aufgebaut werden, Drucker, deren Kartuschen der Kunde regelmässig geliefert bekommt, oder ganz klassisch Mobiltelefone, die inklusive Vertrag mit einem Mobilfunkanbieter verkauft werden. In Zukunft wird sich dieser Trend noch verstärken. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen den «Servitization» genannten Transformationsprozess vom reinen Produkt zum Produkt-Dienstleistungs-Bündel erfolgreich gestalten. Doch dazu bedarf es strategischer Geschäftsmodelle, in denen von Anfang an neben Produkten auch Dienstleistungen einen wichtigen Bestandteil darstellen.

Wie kann man solche neuen Geschäftsmodelle systematisch gestalten? Analog zum Management eines Produktlebenszyklus bietet sich ein Service Lifecycle Management an. Dieses umfasst die drei Schritte Service Ideation (Ideenfindung, strukturierte Bewertung und Auswahl), Service Engineering (Entwicklung der ausgewählten Idee bis zu Markteinführung) sowie Service Operations Management (Marketing, Vertrieb, Qualitätssicherung).

3D-Simulation von Dienstleistungsszenarien

Dienstleistungen haben gegenüber Produkten einen grossen Nachteil: Sie lassen sich schwer darstellen. Ein Produkt oder eine Produktidee kann man relativ schnell und einfach veranschaulichen und anpassen durch Modifikationen an Form, Farbe, Material oder Grösse. Unter einer Dienstleistung stellt sich jeder etwas anderes vor und selten werden die individuellen Erwartungen erfüllt. Diese Diskrepanz zwischen Vorstellung und Realität wirkt sich im besonderen Masse bei der Entwicklung neuer Dienstleistungen aus.

Vor diesem Hintergrund entstand am Fraunhofer IAO das ServLab: Das Dienstleistungslabor bietet die einzigartige Möglichkeit, Dienstleistungsinnovationen schon in sehr frühen Stadien sicht-, erleb- und erfahrbar zu machen. Dank Virtual Reality entstehen verblüffend naturgetreue Räume. Professionelle Schauspieler erwecken Szenarien zum Leben. Mit diesen Visualisierungsmöglichkeiten eröffnet das Labor neue Wege, Mitarbeiter, Partner und Kunden in den Innovationsprozess einzubinden. Für eine strategische und systematische Dienstleistungsentwicklung kommen die unterschiedlichsten Methoden und Werkzeuge zum Einsatz. Das ServLab ist die High-End-Lösung, wenn es darum geht, ein Servicekonzept schon während seiner Entwicklung auf den Prüfstand zu stellen und zu optimieren.

Neue Technologien «live» testen

Das neue Messe-Konzept wird Besuchern die Möglichkeit bieten, neue Technologien «live» zu testen. Derzeit baut das Fraunhofer IAO in Stuttgart ein Anwendungszentrum für technische Dienstleistungen auf, in dem ausgewählte Technologien wie Sprachsteuerung, Video-Support oder Systeme zur automatisierten Service-Dokumentation implementiert werden. «Wir wollen auf der Maintain zeigen, wie Hersteller künftig ihre Services erbringen und welche Technologien dabei zum Einsatz kommen», so Bernd Bienzeisler vom IAO, der mit seinem Team die Aktivitäten koordiniert. <<

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