Lastech: Erfolg mit 3D-Laser- und Blechbearbeitung

Lohnfertiger müssen flexibler agieren

| Redakteur: Konrad Mücke

Alleinstellung: 3D-Laserschneiden sorgt für eine Vielzahl an Aufträgen aus der Industrie, der Möbel-, der Bau- und der Gartenbaubranche
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Alleinstellung: 3D-Laserschneiden sorgt für eine Vielzahl an Aufträgen aus der Industrie, der Möbel-, der Bau- und der Gartenbaubranche (Bild: SMM Konrad Mücke)

Zur aktuellen Situation hinsichtlich der wirtschaftlichen und der technischen Entwicklungen in der Blechbearbeitung sprachen wir mit Susanne und Konrad Herzog, Inhaber und Geschäftsführer der Lastech AG in Mellingen im Reusstal.

SMM: Wie schätzen Sie das aktuelle wirtschaftliche Umfeld ein?

Konrad Herzog: Die Lastech AG bearbeitet eher einen Nischenmarkt. Wir sind spezialisiert auf die Laserbearbeitung und das Biegen von Blechteilen, Profilen und Rohren aus Schwarzblech und zunehmend auch aus korrosionsfesten Stahllegierungen. In den zurückliegenden Monaten hat der Auftragseingang beständig zugenommen. Unsere aktuelle Situation möchte ich als gut bis sehr gut bezeichnen. Trotz der weltpolitischen Unsicherheiten, die sich derzeit abzeichnen, sind wir für die kommenden Monate weiterhin optimistisch.

Welche Gründe können Sie für Ihren Optimismus anführen?

Susanne Herzog: Wir fertigen für ein breites Spektrum an Branchen. Dazu gehören industrielle Unternehmen im allgemeinen Maschinen- und Anlagenbau, in der Medizinal-, Beleuchtungs- und der Verfahrenstechnik. Aber auch aus dem Hochbau, der Landschafts- und Parkgestaltung und dem Gartenbau kommen viele Aufträge. Letztere betreffen Metallbauteile beispielsweise für Fassadenblenden, Treppen, Geländer und auch für Skulpturen. Dieser weit gefächerte Kreis an Auftraggebern gibt uns die Chance eventuelle Schwächen in einer Branche durch Aufträge aus einem anderen Bereich ausgleichen zu können.

Was sehen Sie als die besonderen Stärken Ihres Unternehmens?

Konrad Herzog: Wir fertigen nicht nur einzelne Blechteile in unterschiedlichen Serien vom Einzelstück bis zu einigen hundert Bauteilen. Wir bieten ein Gesamtpaket. Das reicht von der Beratung zum optimalen Konzept und der Konstruktion einzelner Komponenten über die Beschaffung des geeigneten Halbzeugs und die Fertigung der Bauteile bis zur Montage und Funktionsprüfung kompletter Baugruppen. Unsere Fertigungskapzität umfasst Laserschneiden, Umformen, Abkanten und Schweissen. Das alles bewältigen wir innerhalb kürzester Lieferzeiten. Je nach aktueller Situation und abgestimmt auf den Bedarf unserer Auftraggeber können wir einzelne Bauteile innerhalb weniger Tage fertigen und bereitstellen.

Das erfordert sicher eine hohe Flexibilität. Wie schaffen Sie diese?

Konrad Herzog: Wir haben im vergangenen Jahr umfassend investiert. Das betrifft nicht nur Maschinen. Dazu gehört auch, dass wir unser Personal um knapp 30 Prozent auf nunmehr insgesamt 45 Mitarbeitende erweitert haben. Darüber hinaus haben wir einen Fertigungsbereich der Schoop & Co. in Dättwil übernommen, der auf Rohr- und Profilbearbeitung spezialisiert ist. Derzeit arbeiten wir daran, diese Maschinen für die Rohr- und Profilbearbeitung vom vormaligen Betreiber in unsere Produktionsstätte zu integrieren. Damit wollen wir gewährleisten, die Produktionsabläufe für Rohr- und Profilbearbeitung kurzfristig planen, koordinieren, steuern und überwachen zu können.

Aus unserer Sicht ergänzen wir damit sinnvoll unser Angebot. Wir können nunmehr nicht nur Bleche schneiden, abkanten und umformen, sondern auch Rohre und Profile bearbeiten. Zudem ermöglicht die Kombination aus Blechbearbeitung, 3D- Laserschneiden, Rohr- und Profilformen sowie unserer erweiterten Schweisskompetenz komplexe Baugruppen im Hause zu fertigen.

Insgesamt können wir somit ein deutlich erweitertes Angebot offerieren. Zudem bieten wir alles aus einer Hand. Das fordern unsere Auftraggeber zunehmend, um selbst bei sehr komplexen Projekten mit nur einem Partner sprechen zu müssen.

Welche Massnahmen treffen Sie aktuell, um sich für eine weiterhin erfolgreiche Geschäftsentwicklung zu rüsten?

Konrad Herzog: Vergangenes Jahr haben wir nicht nur in den Zukauf der Abteilung für Rohr- und Profilbiegen investiert. Wir haben auch eine Laserschneidanlage Bystronic Fiber mit automatisiertem Blechlager zum Laserschneiden ebener Bleche beschafft. Diese umfassenden Investitionen konsolidieren wir im Jahr 2019, dem Jahr unseres 30jährigen Firmenjubiläums. Derzeit gestalten wir unsere Produktionsstätte in Mellingen um. Durch geschicktes Anordnen der Maschinen sorgen wir für flüssige Prozessabläufe. Zudem schaffen wir zusätzliche Produktionsfläche, indem wir in unsere Werkhalle eine zweite Ebene einziehen.

Nun haben Sie intensiv in Hardware investiert. Doch den Erfolg von Produktionsbetrieben bestimmen zunehmend auch weiche Faktoren und ganz entscheidend die richtige Software. Das betrifft zum Beispiel die Digitalisierung. Sind sie auch in dieser Hinsicht engagiert?

Konrad Herzog: Mit unserer neuen, automatisierten Laserschneidanlage von Bystronic für ebene Bleche verwirklichen wir einen grossen Schritt hin zu Industrie 4.0. Die Anlage ist mit dem Blechlager und dem automatisierten Platinenhandling vernetzt. Sie koordiniert selbsttätig die Entnahme und das Zurücklegen von Blechtafeln, optimiert das Schachteln von Blechstücken und berücksichtigt dabei im automatisierten Lager vorhandene Platinen. Das sorgt für eine hohe Flexibilität und ein wirtschaftliches, produktives und kurzfristiges Fertigen von Blechteilen.

Darüber hinaus konnten wir mit Unterstützung des Hightech Zentrums Aargau und der Fachhochschule Nordwestschweiz ein Innosuisse-Projekt realisieren. Den Experten der Hochschule ist es gelungen, eine automatisierte Angebotserstellung zu generieren. Dazu hatten sie von uns Daten und Informationen aus der täglichen betrieblichen Praxis erhalten und ausgewertet. Wir profitieren inzwischen von einer zukunftsweisenden Software. Anhand bestehender Anfragen und Aufträge sowie mit Hilfe der Nachkalkulation aus unserer Produktion generiert sie automatisch sinnvolle, der betrieblichen Wirklichkeit entsprechende Angebote. Aus den verarbeiteten und genutzten Daten verbessert die Software selbsttätig immer wieder ihre Kalkulation für künftige Angebotsabläufe. Man bezeichnet das als «Machine Learning», eine Vorstufe zu künstlicher Intelligenz.

Diese Software trägt wesentlich dazu bei, dass wir äusserst flexibel anbieten können. Zudem schafft sie eine grosse Sicherheit, dass wir die innerbetrieblichen Aufwände und Kosten richtig im Angebot berücksichtigt haben. Speziell beim Fertigen komplexer Blechteile und Baugruppen sind die vielfältigen Abläufe häufig selbst für erfahrene Mitarbeiter nur schwierig zu kalkulieren. Liegt man aber mehrfach daneben, kann das ernste Konsequenzen für ein kleineres Unternehmen wie uns haben. In dieser Situation profitieren wir eindeutig von der Digitalisierung.

Wie bewältigen Ihre Mitarbeitenden den Wandel? Gibt es aus Ihrer Sicht eine ernstzunehmende Chance, beim derzeitigen Mangel an Fachkräften und an Nachwuchs den Wandel hin zu einer wettbewerbsfähigen und flexiblen Produktion in der Schweiz zu bewältigen?

Susanne Herzog: Auch in Bezug auf unsere Fachkräfte sehen wir die Entwicklung eher optimistisch. Es gilt einige Schwierigkeiten zu bewältigen. Dazu gehört unter anderem, junge Menschen noch für eine eher handwerkliche und industrielle Tätigkeit in der Werkstatt zu begeistern. Zudem muss man in internen Trainings die Mitarbeitenden für die Bedienung und den richtigen Umgang mit hochwertiger Technik weiterbilden. Dies betrifft vor allem auch Menschen, die aus anderen Ethnien zu uns zugewandert sind. Das bedeutet für ein kleineres und mittelständisches Unternehmen natürlich einen zunächst erheblichen Aufwand. Aber nach unseren ersten Erfahrungen lohnt es sich, wenn man gut plant und beständig in die Weiterbildung und das Praxistraining investiert. Denn trotz oder auch gerade wegen der Digitalisierung benötigt man gut gebildete Fachkräfte, die auch in schwierigen Situationen selbstbestimmt für die anstehenden Projekte und das Unternehmen insgesamt richtig entscheiden sowie technisch und wirtschaftlich sinnvoll agieren können.

Zum Abschluss: Was würden Sie speziell kleineren Fertigungsbetrieben in der Schweiz raten, um dauerhaft wettbewerbsfähig arbeiten zu können?

Konrad Herzog: Seit dem Jahr 2006 engagieren wir uns im Verein Virtuelle Fabrik. Das ist ein loser Zusammenschluss mehrerer Fertigungsbetriebe. Diese ergänzen sich in ihren Angeboten und in ihrem Produktionsspektrum. Somit können sie aus der Zusammenarbeit heraus ein breites Spektrum an Leistungen und Produkten anbieten, wozu sie allein nicht fähig wären. Da Auftraggeber zunehmend umfassende Leistungen aus einer Hand verlangen, halten wir diese Zusammenarbeit unterschiedlicher Produktionsbetriebe für richtig und sinnvoll. Das kann wesentlich dazu beitragen, dass selbst kleine Betriebe in der Schweiz, die ja für ihre Flexibilität und für ihre Qualität sehr geschätzt werden, die künftigen Forderungen des Markts erfolgreich bewältigen können.

Frau Herzog, Herr Herzog, vielen Dank für diese Informationen.

Das Interview führte Konrad Mücke, Redaktor SMM. SMM

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