Strahltechnik, die mitwächst Mechanisches Entzundern in Hochleistungs-Ziehlinien

Redakteur: Luca Meister

Die Steeltec-Gruppe, eine Unternehmung der Schmolz + Bickenbach Group, zählt mit sechs Standorten und rund 620 Mitarbeitern in Dänemark, Deutschland, Schweden, in der Schweiz und der Türkei zu den grössten Herstellern von Spezialblankstahl in Europa. Zwei Werke der Gruppe ziehen in Emmenbrücke jeweils Walzdraht und Stabstahl zu Blankstahl in Stäben. Seit den 1970ern sind dort leistungsstarke Einstrang-Strahlanlagen zum Entzundern im Einsatz.

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Kompakte, platzsparende Bauweise, hohe Wartungsfreundlichkeit: die FL-Längs-Strahlmaschine für Draht und Stäbe von Wheelabrator.
Kompakte, platzsparende Bauweise, hohe Wartungsfreundlichkeit: die FL-Längs-Strahlmaschine für Draht und Stäbe von Wheelabrator.
(Bild: Wheelabrator)

mei. Im Laufe der Jahre hat das mechanische Entzundern durch Strahlen allmählich die früher übliche chemische Behandlung (Beizung) in Tauchbädern abgelöst. Seit 2008 wird bei Steeltec in Emmenbrücke überhaupt nicht mehr chemisch entzundert. In allen Hochleistungs-Ziehlinien ist jeweils eine Wheelabrator-Strahlanlage vom Typ «FL» integriert. Die Maschinen umfassen gleich mehrere Generationen des FL-Konzeptes.

Die seit Jahrzehnten bestehende werkseigene Bezeichnung «FL» geht dabei auf die französischen Ausdrücke für «Draht» (fil) und «längslaufend» (longitudinal) zurück und beschreibt alle speziell auf draht- und stabförmige Werkstücke ausgelegten Strahlanlagen. Gemein haben Anlagen dieses Typs die Bündelung des Strahlmittelstrahls durch Strahlleitplatten. Der Grad der Bündelung kann dabei dem jeweiligen Werkstückdurchmesser angepasst werden.

Anpassung der Strahlbündelung

Zuletzt wurde bei Steeltec die neueste FL-Anlage («FL-4-37/55») von Wheelabrator in der stärksten Ziehlinie in Betrieb genommen. Aufgrund ihrer höheren Strahlleistung und neuer Schleuderradanordnung können mit ihr auch bei Drähten neuester Materialqualität hohe Ziehgeschwindigkeiten gefahren werden. Erstmals findet mit der Anlage zudem die Anpassung der Strahlbündelung an den Drahtdurchmesser automatisch statt, was einen effizienteren Betrieb der Ziehlinie ermöglicht.

Die drei Generationen der Anlagen, die heute bei Steeltec in Betrieb sind, reichen bis zum Baujahr 1970 zurück. Die erstinstallierte Strahlanlage war die «WFL-383». Auf sie folgte eine zweite Anlage desselben Typs im Jahr 1972. Die 1987 installierte «WFL-3-37/55» wurde mittlerweile von ihrem Nachfolgermodell «WFL-4-37/55» ersetzt, ebenso die «WFL-3-37(30)/38». Das Jahr 2008 sah den bisher grössten Wandel der Entzunderungsoperation in Emmenbrücke, als gleich mehrere FL-3-22(30)/38 in Betrieb genommen wurden und damit das Beizen bei Steeltec vollständig ablösten.

Verschiedene Antriebsleistungen

Andreas Sieber, Leiter Werk 1 bei Steeltec, erklärt: «Die Umstellung vom Beizen auf Entzunderung durch Strahlen hatte eine ganze Reihe positiver Auswirkungen auf den Betrieb hier. Neben der einfacheren Entsorgung der Betriebsmittelabfälle ist dabei aus prozesstechnischer Sicht vor allem die für das Ziehen besser vorbereitete Drahtoberfläche zu erwähnen. Die je nach Strahlmitteltyp und -grösse auf der Oberfläche entstehenden ‹Schmiertaschen› bewirken eine optimale Adhäsion und Verteilung des Ziehöls. Dies ist enorm wichtig, um die gewünschten Ziehqualitäten zu erreichen und zudem die Standzeiten der Ziehwerkzeuge zu erhöhen. Im Vergleich zu Beizbädern fügen sich die Strahlanlagen zudem platzsparend in die Ziehlinie ein.»

Je nach Ziehgeschwindigkeit, Draht- oder Stabdurchmesser, Material und Sauberkeitsanspruch können die Anlagen mit drei, vier oder sechs Schleuderradeinheiten mit unterschiedlichen Antriebsleistungen ausgelegt werden. Die Anlagen werden jeweils der Ziehmaschine vorgeschaltet und beziehen Einstellparameter von der Steuerung derselben. Sie können fundamentlos ausgelegt werden. Insgesamt wurden bis heute über 600 FL-Strahlanlagen hergestellt und sind weltweit in der Draht- und Stabfertigung im Einsatz. <<

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