Interview: Alex Waser, CEO Bystronic Group «Mehr als die Idee einer traditionellen Maschine»

Redakteur: Luca Meister

Die Bystronic Group entwickelt und produziert Systeme für die wirtschaftliche Verarbeitung von Blechen und anderen Flachmaterialien. Sie ist in rund 30 Ländern auf drei Kontinenten mit eigenen Verkaufs- und Servicegesellschaften aktiv. Die Laserschneid- und Wasserstrahlschneidanlagen werden am Hauptsitz in Niederönz entwickelt und gebaut. Zwei weitere Entwicklungs- und Produktionsstandorte befinden sich in Gotha (D) und in Tianjin (CN). Ein Interview mit Herrn Alex Waser, CEO der Bystronic Group.

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Alex Waser: «Ein erster Vorbote der neuen Designsprache von Bystronic ist die neue Abkantpresse ‹Xpert 40›».
Alex Waser: «Ein erster Vorbote der neuen Designsprache von Bystronic ist die neue Abkantpresse ‹Xpert 40›».
(Bild: Bystronic)

SMM: Herr Waser, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie von der Aufhebung des Euro-Mindestkurses gehört haben?

Alex Waser: Der Zeitpunkt hat uns überrascht, die Massnahme als solche aber nicht. Die Zeit, in welcher der Schweizer Franken gestützt wurde, haben wir genutzt, um uns auf die jetzt eingetretene Situation vorzubereiten. Dennoch ist die Aufhebung des Euro-Mindestkurses schmerzhaft. Die aktuelle Situation stellt uns vor die Herausforderung, unsere Wettbewerbsfähigkeit wieder auf das Niveau zu bringen, auf dem wir uns vor dem 15. Januar 2015 bewegt haben.

Deutschland, der grösste Handelspartner der Schweiz, importiert seine Werkzeugmaschinen als Erstes aus der Schweiz. Was müssen Schweizer Hersteller tun, dass das künftig so bleibt?

A. Waser: Wir müssen den Fokus darauf legen, unsere Wettbewerbsfähigkeit mit einem Bündel von konkreten Massnahmen zurückzugewinnen. Bystronic macht das zum Beispiel mit einzigartig innovativen Produkten und Dienstleistungen, die dem Kunden einen messbaren Mehrwert bieten.

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Ist die Schweiz als künftiger Produktionsstandort attraktiv?

A. Waser: In dieser Frage komme ich grundsätzlich zu einer positiven Antwort. Wir verfügen über einzigartige Standortvorteile. Unser duales Bildungssystem erlaubt uns zum Beispiel, hochqualifizierte Fachkräfte auszubilden. Daraus entstehen sowohl loyale als auch fleissige Angestellte, die Innovation und Erfolg im internationalen Wettbewerb ermöglichen. Hinzukommt das positive und stabile Umfeld mit fairen Sozialpartnerschaften. All das sind entscheidende Faktoren für exportorientierte Unternehmen.

Also ein Umfeld mit durchwegs positiven Eigenschaften ...

A. Waser: ... Genau. Die Punkte könnten auch noch weiter ergänzt werden. Wir müssen aber Sorge dafür tragen, dass diese günstigen Voraussetzungen langfristig erhalten bleiben. Darüber hinaus benötigen wir für Erfolg im Wettbewerb auch Spezialisten und Top-Talente aus dem Ausland.

Wie läuft das Geschäft an Ihrem Produktionsstandort in China? Produzieren Sie dort auch Hightech-Maschinen?

A. Waser: In China stellen wir Abkantpressen und Lasersysteme her, die hauptsächlich für die lokalen Märkte in Asien ausgelegt sind. China als Markt hat eine enorme Grösse. Darin liegen viele Chancen, ebenso aber auch Herausforderungen, denen wir uns stellen.

Haben Sie keine Angst, dass Bystronic in China Know-how an Mitbewerber verliert? Zum Beispiel durch Mitarbeitende, die das Unternehmen verlassen ...

A. Waser: Wir haben speziell in unserem lokalen R&D-Team in China aussergewöhnlich gute, langjährige und loyale Mitar-beitende. Generell ist dort aber ein partieller Wissensabfluss nicht ganz auszuschliessen.

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