Technologiestandort Schweiz 2018 - Heggli & Gubler AG

Metalldrücken für die Chemie- und Luftfahrtindustrie

| Redakteur: Silvano Böni

Mittels Metalldrückverfahren können rotationssymmetrische Werkstücke gefertigt werden. Die rotationssymmetrischen Blechumformteile bei Heggli & Gubler können bis 1600 mm Durchmesser gross sein.
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Mittels Metalldrückverfahren können rotationssymmetrische Werkstücke gefertigt werden. Die rotationssymmetrischen Blechumformteile bei Heggli & Gubler können bis 1600 mm Durchmesser gross sein. (Bild: Thomas Entzeroth)

Die Heggli & Gubler AG gehört zu den High-Tech-Unternehmen im Metalldrücken. Ein grosser Teil wird in die Luftfahrt, Elektro- sowie auch in die Bio-, Chemie- und Prozessindustrie geliefert. Materialien wie Chromnickelstähle, Hastelloy der Inconel für den Turbinenbau sind neben herkömmlichen Materialien Tagesgeschäft. Damit das so bleibt, investiert das Unternehmen Heggli & Gubler AG kontinuierlich in neue Produktionsanlagen und fördert das Know-how der Mitarbeiter.

Die rotationssymmetrischen Blechumformteile bis 1600 mm Durchmesser der 25 Mitarbeiter starken Heggli & Gubler AG gehen in die Bio-, Chemie- und Pharma-Industrie, aber auch in die Luftfahrt und Elektroindustrie. Das vom Grossvater des heutigen Geschäftsführers (Stefan Heggli) 1945 gegründete Unternehmen verfügt über ein hervorragendes Expertenwissen im Bereich des Metalldrückens.

Eine weitere Spezialität sind eingezogene und/oder ausgeweitete Rohre in verschiedenen Materialqualitäten. Auch in der Fertigung von Konen besticht das Unternehmen durch perfekte Problemlösungen: projizierte und gedrückte Konen, die in verschiedenen Winkeln, Materialstärken und Grössen hergestellt werden.

Metalldrücken ist ein spezifisches Blechumformverfahren, das die Heggli & Gubler AG perfektioniert hat. Nicht zuletzt dank der hohen Fertigungstiefe kann das Unternehmen sehr schnell und flexibel auf Kundenanfragen reagieren. Fast alle Prozesse werden inhouse realisiert. Die Fertigungstiefe reicht vom Werkzeug- und Formenbau, über das umfangreiche Blechlager, den Blechzuschnitt, die Dreh- und Fräsbearbeitung, Schweissen, Schleifen bis hin zum umfangreichen Maschinenpark für das Blechumformen und -stanzen.

Von der Blechronde zum Umformteil

Zum Verfahren: Beim Metalldrücken wird ein (meist) kreisförmiger Blechzuschnitt (die sogenannte Ronde) vor die Stirnseite eines rotierendes Drückfutters (formgebendes Werkzeug) gespannt, das der Geometrie der Bauteilinnenform entspricht. Die Umformung der Ronde zum Bauteil erfolgt in mehreren Stufen durch ein Drückwerkzeug. Heggli & Gubler setzen auf hydraulisch gesteuerte Metalldrückmaschinen, der Rolls-­Royce unter den Metalldrückmaschinen.

Streckdrücken und Tiefziehen

Ein weiteres Verfahren, das das Unternehmen beherrscht, ist das Streckdrücken. Hier wird das Material mit hohem Anpressdruck des Werkzeuges in der Art umgeformt, dass sich die Dicke des Ausgangsbleches – z. B. von 4 auf 0,5 mm – ändert. Das Material wird massiv plastisch verformt, was eines besonderen Know-hows bedarf, u. a. damit die Oberflächenstruktur eben bleibt. Darüber hinaus wird bei Heggli & Gubler noch ein kleinerer Anteil an Tiefziehteilen hergestellt.

In den über 70 Jahren Bestehen hat sich das Unternehmen ein Know-how angeeignet, das seinesgleichen sucht. Stefan Heggli: «Metalldrücken ist ein Verfahren, das immer weniger Unternehmen beherrschen. Aufgrund unserer stetigen Spezialisierung sind wir in den letzten Jahren ein starker Partner in den hochanspruchsvollen Segmenten der Medizin-, Chemie-, Pharma- und Prozessindustrie geworden. Darüber hinaus setzt auch die Luft- und Raumfahrt auf unser Fertigungs-Know-how, wir beliefern weltweit die grossen Flugzeughersteller und sind von den Schweizer Pilatus Flugzeugwerken als auch RUAG zertifiziert worden. Wenn man in diese Sektoren liefert, geht das nur über Qualität, Know-how und Prozesssicherheit.»

Auf Hochleistungsbauteile spezialisiert

Zur zukünftigen Ausrichtung des Unternehmens sagt St. Heggli: «Als Schweizer Unternehmen müssen wir uns spezialisieren. Wir haben uns in den letzten Jahren verstärkt auf Technologie- respektive Hochleistungsbauteile – hier ist der Turbinenbau hervorzuheben – konzentriert, speziell im Bereich Rostfrei und für Hochtemperatur-Anwendungen. Stichworte sind die Luft- und Raumfahrt, Turbinenbau usw. Wir realisieren gerade auch im Bereich der Chemie-, Pharma-, Biotech- und Prozessindustrie sehr anspruchsvolle Umformprozesse und Bauteile. Hier stellen unsere Industriepartner sehr hohe Ansprüche an das Material, die Formgebung, die Präzision, die Qualität und letztlich auch an die Lieferfristen.»

Seitens des Werkstoffspektrums ist das Unternehmen breit aufgestellt. Typische Werkstoffe sind Standardaluminium, Stahl-Legierungen, Kupferlegierungen, Rostfrei (14301, 14404), hitzebeständige Bleche (14541 und 14571) bis hin zu Nickelbasislegierungen (Inconel, Hastelloy), die im Bereich der Turbinentechnik oder Hochtemperaturbereichen Verwendung finden.

Bei der Erforschung des Urknalls dabei

Sogar zur Erforschung des Urknalls am CERN wurden Umformwerkstücke aus dickwandigem Kupferblech und Niobium von Heggli & Gubler gefertigt.

St. Heggli: «Bei Aufträgen aus der Forschung, der Bio-, Chemie- und Lebensmittelindustrie sowie der Luft- und Raumfahrt werden extrem hohe Ansprüche an uns als auch an die Bauteile gestellt. Mir zeigt das kontinuierlich wachsende Auftragsaufkommen aus diesen Sektoren, dass wir als kompetenter Technologiepartner wahrgenommen werden. Für uns ist in diesem Zusammenhang auch immer wichtig, beratend zur Seite zu stehen. Was ist machbar mit dem Metalldrückverfahren. Welche Formgebungen sind möglich, wie kann man z.B. aus einem 3-teiligen Bauteil ein einteiliges realisieren usw.? Ich bin überzeugt, wenn wir uns kontinuierlich in Richtung Hightechbauteile ausrichten, sind wir auf dem richtigen Weg in die Zukunft.»

  • Autor: Matthias Böhm, Chefredaktor

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