Eröffnung der Stoos-Bahn

Mit 110% Steigung den Berg hinauf!

| Redakteur: Susanne Reinshagen

Die steilste Standseilbahn der Welt: Die futuristische Stoosbahn hat eine Neigung von bis zu 110%.
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Die steilste Standseilbahn der Welt: Die futuristische Stoosbahn hat eine Neigung von bis zu 110%. (Bild: © Standseilbahn Schwyz-Stoos)

Gut Ding soll Weile haben. Nach fünfjähriger Bauzeit ist die neue Stoosbahn, rechtzeitig auf die Wintersaison 2017/18 eröffnet worden. Angetrieben wird sie von ABB-Motoren.

Viel Geduld und Nerven hat das ehrgeizige Bauprojekt gekostet, das die seit über 80 Jahre in Betrieb stehende Standseilbahn auf den Stoos ersetzen soll.

Die neue Standseilbahn mit ihrem futuristischen Äusseren überwindet eine Höhe von 744 Metern auf einer Länge von 1547 Metern. Die maximale Neigung beträgt dabei 110% (entspricht 47,98°). Für die Fahrt benötigt die Bahn 3 bis 5 Minuten und kann 1500 Personen in der Stunde befördern.

Damit die Fahrgäste bei einer derart starken Neigung komfortabel reisen können, besitzen Standseilbahnen normalerweise Wagen mit abgestuften Abteilen. Hier wurde ein anderes Prinzip angewendet. Die beiden von Garaventa in Goldau/SZ gebauten Wagen bestehen aus vier trommelartigen Kabinen mit grossen Fensterflächen und Platz für je 34 Personen. Jedes Abteil ist drehbar und passt sich so der gerade befahrenen Neigung an. So können die Kabinen trotzt des extrem steilen Gefälles immer in der Horizontalen gehalten werden.

Kostenüberschreitung und Verzögerung

Die Planung der neuen Bahn begann 2004 mit einer Machbarkeitsstudie, in der verschiedene Varianten für die zukünftige Erschliessung geprüft wurden. Im November 2009 entschloss man sich für eine Standseilbahn mit einer neuen Trassenführung vom Hinteren Schlattli nach Stoos. Die Kosten wurden auf 39,5 Millionen CHF veranschlagt und man rechnete mit der Inbetriebnahme auf die Wintersaison 2013/14. Finanziert wurde das Projekt von den Gemeinden Schwyz und Morschach, dem Bund und der Sportbahnen Schwyz-Stoos-Fronalpstock AG (SSSF). Notwendige Zonenplanänderungen und Volksabstimmungen sowie juristische Auseinandersetzungen betreffend dem Vergabeverfahren führten zu Verzögerungen, so dass erst im Juli 2013 mit den Bauarbeiten begonnen werden konnte. Nun strebte man eine Eröffnung auf die Wintersaison 2015/16 an.

Aber nicht nur juristische Streitigkeiten und politische Prozesse verzögerten das Projekt, auch technische Herausforderungen warfen den Zeitplan immer wieder über den Haufen. So stürzte im November 2013 die für die Bauarbeiten notwendige Materialseilbahn ein. Dadurch verzögerten sich die Arbeiten erneut um mehrere Monate.

Die Bohrarbeiten an den drei Tunnels begannen im Mai 2014, waren aber ebenfalls problembehaftet: Mehrmals mussten Bohrköpfe ausgewechselt werden oder blieben sogar im Fels stecken. Dadurch verzögerte sich der Eröffnungstermin um weitere zwei Jahre und die Kosten beliefen sich nunmehr auf 52 Millionen CHF. Der letzte Tunneldurchstich erfolgte am 15. Februar 2017.

Die Einweihung der Bahn wurde 15.Dezember 2017 gefeiert. Bundespräsidentin Doris Leuthard gehörte zu den ersten Fahrgästen.

ABB-Motoren sorgen für den Antrieb

ABB verfügt über mehr als 100 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Transportlösungen, um Schweizer Berggipfel jedermann zugänglich zu machen. Für die Stoosbahn lieferte das Unternehmen zwei 1,2-Megawatt-Niederspannungsmotoren. Zwei energiesparende Frequenzumrichter garantieren eine stufenlose Drehzahlregulierung.

Die extreme Steigung auf der Strecke, die durch drei Tunnels und über zwei Brücken führt, stellte das Projekt mit einer Bauzeit von fünf Jahren vor grosse Herausforderungen.

„Es freut uns sehr, dass wir für unseren Kunden zwei massgefertigte Hochleistungsmotoren mit ABB-Technologie installiert haben“, sagte Ueli Spinner, Leiter Vertrieb Grosskunden und Service bei ABB. „Die Bahn benötigt zum Anfahren aussergewöhnlich viel Energie, weil die Strecke sowohl bei der Talstation als auch bei der Bergstation zunächst ansteigt.“ ergänzt Ueli Spinner.

Zusätzlich zur touristischen Bedeutung stellt die Bahn die Grundversorgung der gesamten Infrastruktur für den Stoos und das autofreie Dorf mit seinen 150 Einwohnern sicher. <<

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