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Kollaborierende Roboter von Universal Robots sorgen bei Hailo für zufriedene Mitarbeiter und Kunden. Mit Cobots die Erfolgsleiter nach oben

| Redakteur: Silvano Böni

Immer mehr Betriebe teilautomatisieren ihre Produktion mithilfe kollaborierender Roboter und definieren so das Verhältnis von Mensch und Maschine neu. Auch Hailo, Spezialist für Leitern und Abfallsammelsysteme, macht seine Produktion damit zukunftsfest. Ein UR5, ein UR10 und ein UR10e aus dem Hause Universal Robots unterstützen die Mitarbeiter bei Pick-and-Place-Aufgaben und bei der Beschickung von Maschinen.

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Hailos erster UR-Roboter, ein UR5, ist mit einem Sauggreifer ausgerüstet. Damit kann er Kartons mit Zubehör an Stehleitern festklemmen, bevor sie verpackt werden.
Hailos erster UR-Roboter, ein UR5, ist mit einem Sauggreifer ausgerüstet. Damit kann er Kartons mit Zubehör an Stehleitern festklemmen, bevor sie verpackt werden.
(Bild: Universal Robots)

Einen festen Stand zu haben, ist für sicheres Arbeiten essenziell – ob zu Hause oder im Gewerbe. Wenn es darum geht, handwerkliche Tätigkeiten in grösserer Höhe zu verrichten, vertrauen viele Verbraucher und Betriebe in aller Welt auf Leitern mit einem roten Punkt: Er ist seit Jahrzehnten das unverwechselbare Markenzeichen von Hailo, einem Hersteller von Steiggeräten und Abfallsammlern. Unter Einsatz moderner Fertigungstechnologien entstehen im Werk im hessischen Haiger neben Leitern, Gerüsten und Mülleimern auch Abfallsammel- und Ordnungssysteme sowie Steig- und Sicherheitstechnik für Gebäude. Hohe Qualität, innovative Funktionalität, Sicherheit und hochwertiges Design machen die Produkte von Hailo aus.

Vielseitig, flexibel und gleichzeitig sicher: die Cobots von UR

Diese Standards beruhen nicht zuletzt auf der Erfahrung und dem Wissen der Mitarbeiter, deren Handarbeit an vielen Stellen der Produktionslinien von Hailo unverzichtbar ist. Offene Stellen mit qualifiziertem Personal zu besetzen, wird dabei auch in Mittelhessen immer schwieriger. «Wir begreifen uns als modernes und fortschrittliches Unternehmen und möchten unseren Kollegen vielfältigere und technisch anspruchsvollere Aufgaben anbieten», erläutert Produktionsleiter Meik Schmidt während eines Rundgangs durch das Werk in Haiger. «Daher investieren wir verstärkt in die Automatisierung unserer Fertigung.» Eine Normumstellung bei Steiggeräten vor zwei Jahren, infolge derer Stufenstehleitern fortan mit Bedienungsanleitungen versehen werden müssen, bildete den Anlass, neue Optionen zur Ergänzung des vorhandenen Maschinenparks zu prüfen. «Es kam für uns nicht infrage, dafür einen Werker abzustellen – für einen Menschen ist es auf die Dauer sehr ermüdend, die Broschüren am Fliessband an den Leitern zu befestigen», erklärt Schmidt. Neben ihm steht Heinz Hild, der als Prozessmanager die technische Optimierung der Produktion verantwortet. «Zum damaligen Zeitpunkt hatten wir im Werk noch keinerlei Roboter im Einsatz. Das wollten wir ändern – und haben uns entschlossen, für die Herstellung der Leitern einen komplett neuen Prozess zu definieren», fügt der gelernte Industriemeister hinzu. Fachmessen und -zeitschriften hatten Schmidt und Hild auf die kollaborative Robotik aufmerksam werden lassen, die ein sicheres Miteinander von Mensch und Maschine ermöglicht. Nach genauer Prüfung unterschiedlicher Anbieter in diesem Bereich fiel die Wahl schliesslich auf den dänischen Hersteller Universal Robots. «Die Anlage, in der die Leitern montiert werden, bietet nur wenig Platz. Uns hat vor allem die Kompaktheit der kollaborierenden Roboter von UR überzeugt, die den Mitarbeitern nach erfolgreich abgeschlossener Risikoprüfung ohne trennende Schutzzäune direkt zuarbeiten können. Die einfache Bedienbarkeit der Cobots und ihre vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten waren für uns weitere Pluspunkte», so Hild weiter.

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UR5 befestigt Bedienungsanleitungen und Zubehör

Marc Straussfeld ist Geschäftsführer der MS Electronics GmbH und hat in enger Abstimmung mit Hailo den ersten Cobot von Universal Robots (UR) bei Hailo implementiert. Eine Werkerin legt fertig montierte Leitern auf ein Transportband, an denen nun noch die Bedienungsanleitungen befestigt werden müssen, bevor sie in Folie verpackt und ins Lager gebracht werden. «An dieser Stelle kommt der UR5 ins Spiel», erläutert Straussfeld. Der Roboterarm ist direkt neben dem Transportband platziert und nimmt mithilfe eines Sauggreifers aus einem Magazin eine Gebrauchsanweisung auf, sobald ihm eine Leiter zugeführt wird. Er bewegt das Heft an eine Heissklebepistole, die Klebstoff aufträgt, und bringt die Anleitung mit leichtem Druck an einer der Stufen der Stehleiter an. Während der UR5 schliesslich in die Ausgangsstellung zurückkehrt, wandert die Leiter in einen Schrumpftunnel weiter, wo sie in Folie verschweisst wird. Bis zu 1100 Leitern werden so pro Acht-Stunden-Schicht gefertigt. «Der Roboter wurde so programmiert, dass er den Füllstand der Broschüren im Magazin erkennen kann», so Straussfeld. «Ausserdem haben wir seine Funktionen noch erweitert: An anderen Leitermodellen klemmt er anstelle von Bedienungsanleitungen Zubehör-Kartons fest.» Die Umsetzung dieser Automatisierungslösung verlief reibungslos: «Dieser Prozess war für uns eine ausgesprochen positive Erfahrung», konstatiert Produktionsleiter Schmidt. «Der UR5 liess sich problemlos in die Fertigungslinie integrieren. Die Anschaffungskosten haben sich innerhalb von zwölf Monaten amortisiert. Wir werden den Weg in die kollaborative Robotik weitergehen – denn eine kostenoptimierte Produktion verschafft uns Vorteile im Wettbewerb.»

UR10 und UR10e bestücken Klinkmaschinen mit Blechteilen

Neben dem UR5 verrichten inzwischen zwei weitere Cobots von UR ihren Dienst im Hailo-Werk, die das Unternehmen ebenfalls über MS Electronics, einen zertifizierten Integrator von Universal Robots, bezog. Sie sind integrale Bestandteile zweier Anlagen, in denen Mülleimer hergestellt werden. Dort übernehmen ein UR10 und ein UR10e jeweils das Handling von Blechzylindern. In Anlage 1 wird ein rechteckiger Blechzuschnitt zunächst zu einem Zylinder gefalzt und per Laser in einer Ausrichtstation so positioniert, dass sich die Falznaht stets an derselben Stelle befindet. Ein kopfüber an einer sieben Meter langen Laufschiene befestigter UR10 nimmt den Blechkörper mit einem Doppelgreifer von dort auf und setzt ihn einige Meter weiter in einer von fünf Klinkstationen ab. Dort werden Löcher in ihn eingestanzt. «Diesen Doppelgreifer haben wir selbst entwickelt», betont Straussfeld. «Er entnimmt einen Zylinder nach dem Stanzen und platziert im selben Arbeitsschritt einen neuen in der Maschine. Dadurch vermeiden wir unerwünschte Wartezeiten.» Mit dem gelochten Blechkörper im Gepäck fährt der UR10 über die Laufschiene zu einem Wagen, den er nach und nach mit den gestanzten Rohlingen bestückt. Sie werden später in der Montage zu Treteimern weiterverarbeitet. Anlage 2 nebenan ist ganz ähnlich aufgebaut: «Hier werden Zylinder mit geringerem Durchmesser gelocht. Der UR10e ist anders als in Anlage 1 fest zwischen zwei Klinkstationen installiert», erklärt Straussfeld. Die Entwicklung dieser beiden Anwendungen gestaltete sich anspruchsvoll: «In Anlage 1 mussten wir die Beschickung mehrerer Klinkmaschinen koordinieren. Da der UR10 auf einer Laufschiene hin- und herfährt, haben wir die gesamte Anwendung eingehaust. In Anlage 2 mussten wir sicherstellen, dass die Lackierung der Blechteile beim Handling nicht beschädigt wird», so Straussfeld weiter. Die Mitarbeiter in der Produktion profitieren auch bei diesen beiden Applikationen von den Entlastungseffekten, die die Roboterarme erzeugen: Anstatt die Klinkautomaten wie früher mühsam per Hand zu beschicken, sorgen die Beschäftigten heute lediglich für einen ausreichenden Vorrat an Teilen und überwachen den Produktionsprozess. Sie können sich in der Endmontage oder in anderen Abteilungen anspruchsvolleren, körperlich weniger belastenden Aufgaben widmen.

Der rote Punkt: Auftrag und Verpflichtung

Der Rundgang über das Werksgelände endet im Hailo-Museum, in dem Exponate aus über sieben Jahrzehnten die Erfolgsgeschichte des Mittelständlers Revue passieren lassen. «Mit unseren Produkten möchten wir Leben und Arbeiten sicherer, leichter und schöner machen», erklärt Produktionsleiter Schmidt. Diesen Anspruch möchte Hailo auch seiner Belegschaft gegenüber einlösen, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. «Die Roboter von Universal Robots unterstützen uns auf diesem Weg», so Schmidt. «Sie sind aufgrund ihrer einfachen Handhabung heute selbstverständlicher Teil des Teams.» Die kollaborierenden Roboter tragen dazu bei, auch das Versprechen des roten Punkts von Hailo dem Endverbraucher gegenüber mit Leben zu erfüllen. «Dank der enormen Wiederholgenauigkeit, mit der die UR-Roboter arbeiten, erhalten wir unsere hohen Produktstandards und damit das Vertrauen der Kunden in unsere Marke aufrecht. Bei Qualität und Sicherheit können wir keine Kompromisse machen», ergänzt sein Kollege Hild. Kein Wunder, dass Hailo bereits den nächsten Cobot von UR auf seinen Einsatz in der Fertigungslinie vorbereitet: Ein weiterer UR5 soll in Zukunft eine Presse mit Blechteilen beschicken, die später in Mülltrennsystemen für Einbauküchen verbaut werden. Hild bilanziert: «Innovative Produkte setzen innovative Technologien voraus. Die Roboter von UR haben uns den Weg in die Robotik geebnet – mit ihnen sehen wir uns für die Zukunft gut gerüstet.» SMM

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