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Das Schweissen ist der rote Faden in der Kuka-Geschichte
Die Schweisstechnik zieht sich dann wie ein roter Faden durch die Kuka-Geschichte und viele Produkte und Entwicklungen wären ohne das Wissen rund ums Schweissen nicht möglich gewesen. So steigt Keller & Knappich, gestützt auf das Know-how aus der handwerklichen und industriellen Schweiss- und Schneidbearbeitung, 1920 in die Fertigung grosser Behälter ein. Mit der Gründung der Abteilung Kessel- und Behälterbau wird der Einstieg in zusätzliche Marktsegmente forciert. Bereits zu diesem Zeitpunkt werden erste einfache Fahrzeugaufbauten, zum Beispiel für Spreng- und Fäkalienwagen, hergestellt.
Dies ist dann auch die Basis, um sich 1927 einem neuen Geschäftsfeld zuzuwenden: den kommunalen Müll- und Servicefahrzeugen. Es entsteht ein Grossmüllauto, mit dem das Be- und Entladen ohne Kippung möglich ist. Der drehbare Müllbehälter hat den grossen Vorteil, dass sich der Müll mit einem sehr geringen Aufwand an Kraft und Kosten bewegen und verdichten lässt. Ausserdem ist für das Austragen auf dem Müllplatz keine Kippvorrichtung mehr erforderlich.
Die Drehtrommel besteht aus einem tonnenförmigen Behälter mit eingeschweisster Schnecke. Das Ganze ist rotierend gelagert. Je nach Drehrichtung ist es nun möglich, den Müll im Behälter zu verdichten oder über die umgekehrt wirkende Schnecke nach aussen zu fördern. Die Müllfahrzeuge sind eine Erfolgsstory, bis der Bereich 1983 an Faun verkauft wird.
Das Telegrammkürzel KUKA wird zum Markenbegriff
1927 ist aber noch aus einem weiteren Grund ein wichtiges Jahr. Die Keller & Knappich GmbH verwendet immer häufiger ihr Telegrammkürzel KUKA in Geschäftspapieren, Anzeigen und Druckschriften. So entwickelt sich diese Kurzform sehr schnell zu einem Markenbegriff, der sich in einigen Bereichen sogar zum Synonym steigert. KUKA ist die Abkürzung von Keller und Knappich, Augsburg.
Der nächste Entwicklungsschritt beim Schweissen erfolgt 1936. Kuka wendet sich dem elektrischen Widerstandsschweissen zu und baut die erste elektrische Punktschweisszange in Deutschland. Zunächst gibt es nur einen handbetätigten Gerätetyp. Doch es folgen weitere Modelle mit höheren Leistungen, sodass eine komplette Palette angeboten werden kann.
Erste Vielpunkt-Schweissstrasse kann stündlich 180 Bodenbleche herstellen
Schon einen Vorgeschmack in Richtung Automatisierung gibt es dann 1956. Die Kuka-Abteilung Elektroschweissmaschinen baut die ersten automatischen Schweissanlagen für Kühlschränke und Waschmaschinen. Auch die deutsche Automobilindustrie ist wegen des steigenden Bedarfs an Fahrzeugen auf der Suche nach Rationalisierungspotenzialen und Kuka liefert die erste Vielpunkt-Schweissstrasse an die Volkswagen AG.
Die Anlage mit 75 hydraulisch arbeitenden Schweisszylindern kann stündlich 180 Bodenbleche herstellen, von denen es linke und rechte Varianten gibt, die aus zehn Einzelteilen bestehen. Das Einlegen der Teile erfolgt durch zwei Werker; Durchlauf, Schweissung und Auswurf der Teile sind automatisch. Um die gleichen Produktionszahlen mit herkömmlichen Einrichtungen zu erreichen, wären etwa 50 bis 60 Werker notwendig gewesen. Für den Maschinenbauer Kuka bedeutet dieser Auftrag den Einstieg in den Schweissanlagenbau.
Bei Schweissverfahren immer am Puls der Zeit
Bei den Schweissverfahren blieb das Augsburger Unternehmen immer am Puls der Zeit. 1957 entwickelte man eine Buckelschweissmaschine, 1958 kam das Rollennahtschweissen hinzu. 1966 etablierte Kuka das Reibschweissen als industrielles Fügeverfahren. Zahlreiche Kuka-Innovationen prägen seitdem diesen Bereich und zusammen mit der Steuerungstechnik sorgen sie für optimale Prozesse. Im Jahr 1971 gelang dann der nächste grosse Wurf: An die Daimler-Benz AG wurde die erste Schweisstransferstrasse mit Robotern in Europa geliefert. Die Anlage mit fünfachsigen Robotern des US-Fabrikats Unimation fertigte die Seitenwände für die S-Klasse.
Bei aller Konzentration auf Schweisstechnik und Anlagenbau zeigte Kuka auch immer die Offenheit für Neues. So widmete man sich nach dem Zweiten Weltkrieg auch ganz anderen Produktfeldern. 1948 begann Kuka mit dem Bau von Doppelzylinder-Rundstrickmaschinen. In der Augsburger Tagespost vom 26. März 1949 hiess es: „In diesen Tagen wurde nun der Kuka-Selecta-Doppelzylinder-Rundstrickautomat bei Keller & Knappich fertiggestellt und lieferte zwei Stunden nach der Inbetriebnahme bereits fehlerfreie Ware. In 4 ½ Minuten entsteht ein Herrensportstrumpf, der durch einen zusätzlichen Flächenmusterapparat in vielen Strickarten variiert werden kann.”
Ausflug in die Fertigung von Schreibmaschinen für die Aktentasche
In der gleichen Ausgabe berichtete die Zeitung über einen weiteren Produktzweig: die Schreibmaschinenfertigung. „Der Traum von der Kleinstschreibmaschine in der Aktentasche ist Wirklichkeit geworden. 64 mm hoch und zehn Pfund schwer ist das neue Modell Princess, das Keller & Knappich zu einem niedrigeren als sonst für Schreibmaschinen üblichen Preis herausbringt. Das Gewicht hofft man noch weiter auf acht Pfund zu reduzieren. Die Schreibmaschine ist für eine Leistungsfähigkeit bis zu 500 Anschlägen in der Minute konstruiert und wird vor dem Verlassen des Werks sorgfältig mit eigenen Vorrichtungen auf ihr fehlerloses Funktionieren und ihre Dauerhaftigkeit hin überprüft.”
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