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Motoren von Maxon für ein perfektes Klima
Motoren für Luft- und Raumfahrtanwendungen unterscheiden sich deutlich von Standard-Motoren. Denn diese müssen grosse Temperaturschwankungen aushalten, Vibrationen widerstehen, über eine lange Lebensdauer verfügen und ausserdem sehr zuverlässig sein. Insgesamt arbeiten 48 Maxon-Motoren im Klimakontrollsystem jeder Boeing 787.
Spezifische Motorenmodifikationen waren für die hochkomplexe Klimaanlage notwendig. Dazu gehören Antriebe für die Kabinenbelüftung, für die Kühlung der Elektronik sowie für das Öffnen und Schliessen des Lufteinlasses an der Flugzeugaussenseite. Die Motoren müssen über das jahrzehntelange Betriebsleben des Flugzeugs Temperaturen von –55 °C bis +85 °C aushalten und auch den Vibrationen bei Start und Landung widerstehen können. Eine lange Lebensdauer der Motoren ist daher absolut notwendig.
Das Kabinenbelüftungssystem besteht aus 36 Absperrventilen, die von Maxon-EC-45-Flachmotoren angetrieben werden. Diese leichten Motoren wurden so konstruiert, dass sie aufgrund ihrer geringen Abmasse selbst in den kleinsten Raum passen. Die EC-Flachmotoren erreichen Drehzahlen von bis zu 20 000 rpm und haben dank ihrer offenen Bauweise bei hohen Drehmomenten eine sehr gute Wärmedissipation.
Im Fall des Klimaregelsystems von Hamilton Sundstrand erreichen die Motoren Drehzahlen von 9000 rpm. Speziell bei den in der Klimaanlage verbauten Flachmotoren wurde der Stator angepasst, die Leiterplatte wurde mit Tieftemperatur-Hallsensoren modifiziert und ausserdem erhielt der Motor eine spezielle Schutzlackierung. Die Linearantriebe für die Lufteinlässe nutzen angepasste EC32-Motoren, welche auch mit Tieftemperatur-Hallsensoren ausgestattet wurden. Ausserdem gibt es eine Flammensperre bei der Abgangswelle des Motors, spezielle vibrationsresistente Befestigungsgewinde und Rastmomentmodule.
Interview mit Eugen Elmiger, CEO der Maxon Motor AG
SMM: Die Maxon-Motor-Gruppe hat vor kurzem über ein erfreuliches Geschäftsjahr 2011 berichtet - wie lautet Ihr Erfolgsrezept?
Eugen Elmiger: Es sind unsere kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die weltweit jeden Tag vollen Einsatz geben und auch in hektischen Zeiten kühlen Kopf bewahren. Die Antriebstechnik ist eine sehr dynamische Branche. Dazu kommen die volatilen internationalen Märkte: Flexibilität ist das A und O für Maxon Motor. Ebenfalls ist die Nähe zu den Kunden sehr wichtig. Darum bauen wir unser Verkaufsnetzwerk kontinuierlich aus und investieren viel in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeitenden. So garantieren wir, dass wir die Kundenanforderungen verstehen und zeitnah umsetzen können. Unsere Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen bewegten sich auch 2011 mit 8,3 % des Umsatzes auf hohem Niveau. Derzeit ist die Produkte-Pipeline mit vielversprechenden Entwicklungen gefüllt; und wir werden mit unserer Expertise echte Innovationen für neue Märkte liefern. Dies ist notwendig, um in unserem Hightech-Nischenmarkt an der Spitze zu bleiben. Wir müssen unsere Produkte stetig verbessern, kleiner, leistungsfähiger und zugleich intelligenter machen.
Der Umsatz in Asien hat insgesamt 2011 stagniert, wie kam es zu dieser Entwicklung?
E. Elmiger: In Asien konnte Maxon Motor den Umsatz halten, trotz der Talfahrt der dortigen Währungen und dem Unfall in Fukushima. Wir sehen diesen Umstand als positives Zeichen, um in diesem Jahr wieder zulegen zu können.
Wie schätzen Sie Ihre kurz- und mittelfristige Geschäftsentwicklung in dieser Weltregion ein?
E. Elmiger: Wir haben eigene Maxon-Vertriebsgesellschaften in China, Taiwan, Korea und Japan. In all diesen Ländern verzeichnen wir immer noch eine hohe Nachfrage nach unseren Services und präzisen Antrieben. Korea zeigt sich als sehr umsetzungsstark, speziell in den Märkten Medizintechnik, Robotik und Automobiltechnik. In Japan verspüren wir nach wie vor die wirtschaftlichen «Nachbeben» vom 11. März 2011. In China werden unsere hochpräzisen Produkte beispielsweise in der Medizin- oder Sicherheitstechnik gut verkauft.
Ihre Technologie in der hochpräzisen (Klein-)Antriebstechnik gilt als führend, das dürfte unzählige Nachahmer auf den Plan rufen? Wie sieht Ihre Abwehrstrategie aus?
E. Elmiger: Seit etwa fünf Jahren erwächst Maxon Motor verstärkt Konkurrenz aus China. Unsere Produkte werden dort eins zu eins kopiert. Sogar die dazugehörenden Dokumentationen werden gefälscht. Dagegen kann man (momentan) leider fast nichts unternehmen. Für uns muss dies einfach Ansporn sein, immer noch besser zu werden und unseren Mitbewerbern immer einen Schritt voraus zu sein.
In welchen Marktsegmenten sehen Sie Wachstumschancen für hochpräzise Antriebstechnik?
E. Elmiger: Wichtige Themengebiete bleiben Energieeffizienz und Heavy-Duty-Anwendungen. Beispielsweise arbeiten wir an bürstenlosen Motoren und Getrieben, die mindestens in einem Temperaturbereich von -130 °C bis weit über 200 °C zuverlässig arbeiten. Für die Medizintechnik bauen wir ferner unser Programm an sterilisierbaren Antriebssystemen aus.
Welche speziellen Anforderungen werden in der Medizintechnik gestellt?
E. Elmiger: Verlässlichkeit und Sterilisierbarkeit sind wichtige Eigenschaften von Antrieben für die Medizintechnik. Dazu kommen spezifische Normen mit strengen Qualitäts- und Serviceanforderungen. Aus diesen Gründen hat Maxon Motor einen eigenen Geschäftsbereich, welcher Antriebe für die Medizinbranche herstellt: Seit 2008 ist Maxon Medical im Besitz der Medizinnorm ISO 13485. Mit dem zertifizierten Qualitätsmanagementsystem garantieren wir für sichere, zuverlässige und normkonforme Produkte.
Der Werkplatz Schweiz leidet massiv unter den Währungsverwerfungen - wie meistern Sie diese Herausforderung?
E. Elmiger: Vor allem setzen wir auf Prozessoptimierungen, eine schlanke und verknüpfte Intercompany-Logistik und einen schnelleren Time-to-Market-Zyklus für neue Produkte. Am Ende des Tages kann man sich gegen Währungsverwerfungen nie 100%ig schützen. Wir haben uns jedoch bereits vor mehr als 20 Jahren dafür entschieden, unsere Produktionsstätten in verschiedenen Ländern aufzubauen (in der Schweiz, in Deutschland und Ungarn). Das hilft uns heute, zusammen mit unseren Lieferanten, das Ganze ein wenig abzufedern.
Sehen Sie eine verstärkte Entwicklung hin zum Systemlieferanten?
E. Elmiger: Maxon Motor geht diesen Weg schon lange: Wir bieten von kleinen bis grossen Stückzahlen das Gesamtpaket an DC- und EC-Motoren, Getrieben, Sensorik und Elektronik an. Als Einzelkomponenten oder als Antriebssystem. So haben wir beispielsweise auch einen Online-Katalog mit integriertem e-Shop, auf welchem sich die Anwender ihren individuellen Antrieb einfach und schnell zusammenstellen und online kaufen können.
Wagen Sie einen Blick in die Zukunft des Werkplatzes Schweiz?
E. Elmiger: Die Zahlen aus der Chemie-, Pharma-, Uhren- und Hightech-Industrie zeigen, dass für die Schweizer Industrie noch Wachstumspotenziale vorhanden sind. Es ist für die Industrieunternehmen aber wichtig, sich von der internationalen Konkurrenz abgrenzen zu können. So kann auch ein höherer Preis besser durchgesetzt werden. Die Unternehmen müssen langfristig über Qualität und Innovationskraft versuchen, die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Selbstverständlich geht das nicht ohne eine gesunde Wirtschaftslage im Ausland; vor allem die Situation in Europa muss sich stabilisieren. <<
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