Tiefziehen Mit Tiefgang

Von Luca Meister 2 min Lesedauer

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Die 1849 gegründete Egro Industrial Systems AG beschäftigt 70 Mitarbeiter – davon 10 Lehrlinge. Als Spezialist für Feinblech-Aufgaben verarbeitet das KMU vorwiegend dünnwandige Bleche von 0,5 bis 3 Millimeter. Aber auch andere Blechstärken können verarbeitet werden. Ergänzt wird das Angebot durch Konstruktionsunterstützung und ausführliche Beratungen.

Bei Egro steht die einzige hydromechanische Ziehpresse der Schweiz, die mit bis zu 1000 Tonnen Kraft arbeitet.(Bild:  R. Ackermann)
Bei Egro steht die einzige hydromechanische Ziehpresse der Schweiz, die mit bis zu 1000 Tonnen Kraft arbeitet.
(Bild: R. Ackermann)

Das klassische und bevorzugte Verfahren von Egro ist das Tiefziehen mit starren Werkzeugen aus dem Werkzeugbau, die auf Pressen zum Einsatz kommen. Die zur Umformung notwendige Presskraft wird mit Hilfe eines Prägestempels auf den Boden des zu fertigenden Tiefziehteiles über die Bodenrundung und den seitlichen Flansch in den eigentlichen Umformbereich (der befindet sich zwischen Ziehring und Niederhalter) geleitet. Die Umformung erfolgt durch eine radial erzeugte Zugspannung, die sich in tangentiale Druckspannungen wandelt. Durch die Druckspannung erfolgt eine Durchmesserreduzierung, zum Beispiel bei einer Ronde (rundes Blech). Durch die radialen Zugspannungen im Umform­bereich wird eine Blechverdickung vermieden. Der Niederhalter soll dabei auch eine Faltenbildung vermeiden, die durch das Aufstauchen entstehen könnte.

Tiefziehen: ohne Falten und ohne Risse

Mit dem Stempel wird der Blechzuschnitt durch den Ziehring (auch Matrize genannt) gedrückt. Der Niederhalter verhindert die Bildung von Falten am Ziehteil. Es werden auch Ziehleisten und Ziehwülste beziehungsweise Ziehsicken verwendet, um die Wirkung der Niederhalter zu verbessern.

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Die Kanten von Stempel und Ziehring müssen abgerundet sein, da sonst das Blech reissen würde. Falls die Rundungen zu gross sind, kann das Blech am Ende des Zuges nicht mehr durch den Niederhalter festgehalten werden. Die Folge wäre eine Faltenbildung. Der Positivradius des Stempels muss kleiner als der Negativradius der Matrize sein, da sonst der Stempel einschneidet. Wenn die endgültige Ziehtiefe durch einen einzigen Zug nicht erreicht werden kann, so wird in mehreren Stufen gezogen.

Daniel Galasse, Leiter Einkauf, Beratung Machbarkeiten und Seminare bei Egro Engineering sowie nebenbei aktiv beim Verein Forum Blech (er organisiert die verschiedenen Events und ist für die angebotenen Kurse verantwortlich): «Beim hydromechanischen Tiefziehen ersetzt ein druckreguliertes Wasserkissen die Matrize. Der absinkende Stempel des Werkzeugoberteils presst die Blechplatine an ein Wasserkissen, zieht sie beim Eintauchen mit sich und bringt so exakt die gewünschte Geometrie auf das Ziehteil auf.»

Einzige hydromechanische Ziehpresse mit 1000 Tonnen Kraft

Aufgrund der verteilten Pressung des Blechs auf dem Stempel verschiebt sich die Lage des kritischen Ziehbereichs vom Werkstückboden hin zum Ziehradius. Daher lassen sich höhere Ziehverhältnisse als beim klassischen Ziehverfahren realisieren – und das bei geringeren Herstellungskosten aufgrund des relativ kleinen Bauraums. Die erreichbaren Pressenkräfte sind jedoch geringer als bei herkömmlichen Anlagen, weshalb sich nur eine beschränkte Auswahl an Blechteilen mit dieser Technologie fertigen lässt.

Übrigens: Bei Egro im aargauischen Niederrohrdorf steht die einzige hydromechanische Ziehpresse der Schweiz, die mit bis zu 1000 Tonnen Kraft arbeiten kann. Das ganze Programm des Unternehmens ist unter egroindustry.com/leistungsangebot zu finden. SMM

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