Werkplatz Schweiz: Quo vadis? Interview mit Andreas Zweifel, Geschäftsführer der Hans Eberle AG Nachhaltig zum Blechteil durch Transformation, Digitalisierung und Automatisierung

Von Konrad Mücke 3 min Lesedauer

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Derzeit sehen sich produzierende Unternehmen in Europa mit einigen besonderen Herausforderungen konfrontiert. Die Kosten für Energie sind hoch, die Umwelt soll deutlich weniger belastet werden, häufig mangelt es an (qualifizierten) Arbeitskräften. Wie schaffen es in der Schweiz produzierende Unternehmen dennoch, erfolgreich zu agieren?

Trotz fehlender Arbeits- und Fachkräfte produktiv: Produktionsunternehmen sind gefordert, Chancen der Automatisierung und Digitalisierung zu erkennen und zu nutzen. (Bild:  Samuel Truempy)
Trotz fehlender Arbeits- und Fachkräfte produktiv: Produktionsunternehmen sind gefordert, Chancen der Automatisierung und Digitalisierung zu erkennen und zu nutzen.
(Bild: Samuel Truempy)

SMM: Herr Zweifel, Sie führen die Geschäfte beim Blechbearbeiter Hans Eberle AG in Ennenda. Inwieweit sehen Sie, dass sich die europaweit besonders fordernden Bedingungen auch auf Unternehmen in der Schweiz auswirken?

Andreas Zweifel: Wir spüren dies insbesondere im Geschäft mit Deutschland, welches von den oben aufgeführten Herausforderungen besonders stark betroffen ist. Die deutsche Wirtschaft schrumpfte in den letzten drei Monaten des Jahres 2023 um 0,3 Prozent. Auch im laufenden Quartal erwarten Ökonomen keine Besserung.

Wie sind Sie mit Ihrem Unternehmen davon betroffen?

A. Zweifel: Davon betroffen sind mehrere unserer Kunden, welche Deutschland als Hauptmarkt beliefern. Der Umsatzrückgang liegt im Bereich 20 bis 30 Prozent. Das wirkt sich direkt und durchgängig auch auf uns aus.

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Künftig soll auch die Industrie in der Schweiz möglichst neutral hinsichtlich der Emissionen arbeiten – vor allem in Bezug auf CO2 in der Luft. Welche Massnahmen treffen Sie, um auf dieses Ziel hinzuarbeiten (hinsichtlich der angebotenen Produkte und der Produktion im Haus)?

A. Zweifel: Die Hans Eberle AG kümmert sich seit über 10 Jahren um diese Themen. Mit konkreten Massnahmen ist es gelungen, die Energieeffizienz um 40 Prozent zu steigern und den CO2-Ausstoss um etwa 20 Prozent zu reduzieren. In dieser Zeit haben wir den Anteil an fossilen Energien von 56 auf 32 Prozent reduziert. Die grössten Massnahmen der letzten Jahre waren die Erneuerung unseres Wasserkraftwerks, die Installation einer PV-Anlage sowie der Neubau des Werks II. Letzteres ist hinsichtlich der Energie mit dem Wasserkraftwerk, zwei Grundwasserwärmepumpen und der Wärmerückgewinnung der Druckluftkompressoren nahezu autark.

Aktuell prüfen wir weitere Massnahmen, um die Produktion CO2-neutral zu machen. Dazu gehören zum Beispiel der Anschluss an das Fernwärmenetz sowie diverse Massnahmen, um den Energiebedarf im Beschichtungscenter zu senken. Weiter haben wir den Prozess für die Erarbeitung einer Nachhaltigkeitsstrategie gestartet.

Welche Produkte (aus Ihrem Portfolio) und Strukturen können dazu beitragen, um künftig «nachhaltig» zu produzieren?

A. Zweifel: Zusammen mit einem wichtigen Kunden befassen wir uns mit dem Einsatz von Greensteel. Dieser kann wesentlich dazu beitragen, dass unsere Blechteile klimaneutraler sein werden.

Welchen Beitrag können nach Ihrer Einschätzung digitale Technologien bis hin zur KI leisten, die gesteckten Ziele hinsichtlich einer energieeffizienten und nachhaltigen Produktion zu erreichen?

A. Zweifel: Die KI wird dazu beitragen, dass die Blechtafeln künftig noch besser ausgenutzt werden und damit der Verschnitt weiter reduziert werden kann. Eine weitere Anwendung, die wir aktuell prüfen, ist der Einsatz einer KI-Software, welche Blechkonstruktionen hinsichtlich des Werkstoffbedarfs und der Kosten optimiert. Diese gehen unmittelbar einher mit einer effizienteren und somit nachhaltigeren Produktion.

Experten sehen zumindest für das kommende Jahr eine weltweite Schwäche in der konjunkturellen Entwicklung. Der internationale Waren- und Güteraustausch ist gebremst durch aktuelle Bedingungen – politische Uneinigkeit, Kriege und regionale Krisen. Wie begegnen Sie dieser Situation speziell in der Schweiz als einem ausgeprägt am Export orientierten Land?

A. Zweifel: Wir passen unsere Produktionskapazitäten der Nachfrage an. Dieser Prozess ist für uns nicht neu, mussten wir uns in den letzten Jahren doch mehrfach nach unten wie auch nach oben dem jeweiligen Marktumfeld anpassen. Das gelingt uns hauptsächlich dank unseren äusserst flexiblen Mitarbeitenden. Beim Export in die EU kommt der gegenüber dem Vorjahr weiter gesunkene Wechselkurs erschwerend als Herausforderung dazu.

Auch in der Schweiz – ähnlich wie in weiteren hochentwickelten Industrieländern – besteht derzeit eher ein Mangel an Arbeits- und Fachkräften. Wie agieren Sie, um weiterhin ausreichend produktiv arbeiten zu können? Was unternehmen Sie konkret, um die Leistungsfähigkeit Ihres Unternehmens aufrechtzuerhalten?

A. Zweifel: Diese Herausforderung beschäftigt uns zusehends. Auch hier haben wir einen Strauss von Massnahmen. Jede davon kann wie ein Puzzleteil dazu beitragen, die Situation zu bewältigen. Dazu gehört zunächst ein gutes Betriebsklima, in dem die Wertschätzung der Mitarbeitenden eine zentrale Rolle spielt. Dann ist uns die Ausbildung von Lernenden sehr wichtig. Aktuell bilden wir 19 Lernende in neun Berufen aus. Wenn immer möglich beschäftigen wir diese nach der Lehre auch weiter. Ein moderner Maschinenpark und die stetig steigende Automation sowie die Digitalisierung tragen dazu bei, dass wir attraktive Arbeitsplätze anbieten können.

In welchen Branchen und Märkten sehen Sie Chancen, Ihre Geschäftstätigkeit auszubauen zu können?

A. Zweifel: Wir sehen die grössten Potentiale in der Medizin- und Labortechnik, der Energietechnik, bei der Mobilität sowie auch bei Themen, welche durch die Nachhaltigkeit getrieben werden.

Herr Zweifel, vielen Dank für diese Informationen.

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