Fit in der Blechbearbeitung – dank konstanter Modernisierung Neuer Flachbettlaser optimiert Prozesskette

Redakteur: Luca Meister

Im Fertigungs-Center Zumbrunn wurde Anfang Jahr eine neue Flachbettlaseranlage von Bystronic in Betrieb genommen. Mit installiert wurde dabei ein Be- und Entladesystem des gleichen Herstellers, das nun als Schnittstelle zwischen einem im Boden versenkten Blechlager funktioniert. Der Lohnfertiger in Thürnen (BL) gewinnt dadurch Effizienz und Flexibilität.

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Mit der Flachbettlaseranlage «BySprintFiber» von Bystronic kann das Fertigungs-Center Zumbrunn nun auch bei dickeren Materialien einwandfreie Schnitte lasern.
Mit der Flachbettlaseranlage «BySprintFiber» von Bystronic kann das Fertigungs-Center Zumbrunn nun auch bei dickeren Materialien einwandfreie Schnitte lasern.
(Bild: Thomas Entzeroth)

Im Fertigungs-Center Zumbrunn werden pro Jahr rund 2000 Tonnen Stahlblech sowie 480 Tonnen Chromstahl- und Aluminiumblech verarbeitet. Produziert wird mit hoher Fertigungstiefe; von sehr feinen Teilen mit anspruchsvollen Oberflächen über Maschinengestelle bis zu schweren Präzisionsteilen werden Aufträge von Losgrösse 1 bis 12 000 Stück (pro Jahr) gefertigt. Daniel Zumbrunn, Geschäftsführer: «Unser Produktspektrum reicht von der ganz filigranen Komponente für die Uhrenindustrie bis hin zur Gurttragstation für Tunnelbauförderbänder, von der wir z.B. rund 22 000 Exemplare ausgeliefert hatten.» Geliefert werden die zunehmend schon endmontierten Baugruppen für den Anlagen- und Apparatebau, Maschinenbau, Chemieapparatebau (viele Aufträge), Ladenbau, Tiefbau und Tunnelbau.

Autounfälle und Blechaufträge

Ein bekanntes Produkt sind Bergbahngondeln, sie werden im Werk 1 lackiert, das der Carrosserie Zumbrunn AG, der Firma des Bruders, zugehört. Die beiden Unternehmen arbeiten im Beschichtungsbereich zusammen. Dazu D. Zumbrunn: «Wir profitieren vom Fahrzeuglackierungs-Know-how der Firma meines Bruders und übertragen dieses Wissen in unseren Bereich. Hier hat sich in den letzten Jahren einiges entwickelt. Mittlerweile sind wir bei vier bis fünf Schichten, die das Grundpigment schützen – somit sehen Autos heute viel weniger schnell ‹ausgebleicht› aus als früher.»

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Seit 1997 arbeiten die beiden Unternehmen enger zusammen. 1994, vier Jahre nach der Gründung der Carrosserie Zumbrunn, suchten die Brüder Zumbrunn – neben dem Karosseriegeschäft – nach einem anderen Bereich mit wirtschaftlichem Potenzial und gründeten das Fertigungs-Center. D. Zumbrunn erklärt mit einem leichten Lächeln: «Autounfälle kann man nicht planen, Blechaufträge jedoch schon.» Im Blechbereich erhoffte man sich mehr Konstanz bei den Aufträgen. Das Absurde daran ist, wie nun D. Zumbrunn nach 20 Jahren weiss: «Gerade im Blechbereich existiert heute ein grosser Termindruck, der schnelle Reaktions- und exakte Lieferzeiten fordert.»

Flexibel in die Zukunft

Deshalb hat die Geschäftsleitung in den letzten Jahren auf konstante Modernisierung gesetzt. Die letzte Investition wurde 2012 mit einer neuen Abkantpresse gemacht; nun ist es eine neue Flachbettlaseranlage, die neben die bestehenden vier anderen Blechbearbeitungsanlagen integriert wurde. Mit einer eigenen Engineeringabteilung, die 2001 gegründet wurde, konnte man zwar den individuellen Kundennutzen steigern. Im Bereich der Massenproduktion sieht man aber in Thürnen (und dies gilt allgemein für die Lohnfertigung in der Schweiz) keine grossen Chancen, um mit der internationalen Konkurrenz mithalten zu können. Das Potenzial liegt folglich bei kleinen oder Nullserien: Hier ist das Fertigungs-Center der richtige Partner. So musste man sowohl an Schnelligkeit als auch Flexibilität gewinnen.

Folglich haben sich die Baselländer für die Akquisition einer hochmodernen Anlage entschieden. Mit der Flachbettlaseranlage «BySprintFiber» von Bystronic ist das Fertigungs-Center nun nicht nur im Dünnblechbereich stark, sondern auch viel flexibler, wenn es um einwandfreie Schnitte bei dickeren Materialien geht.

Technologiewechsel: vom CO2- zum Festkörperlaser

Im Vergleich zum zuvor eingesetzten CO2-Laser können nun bis zu 20 Millimeter dicke Bleche mit nahezu gleicher Schnittgeschwindigkeit bearbeitet werden. Auch die Energiezufuhr liegt nur noch bei einem Viertel im Vergleich zur alten Anlage (bei vergleichbarer Lichtleistung). Im Dünnblechbereich (bis vier Millimeter) liegen die Schnittgeschwindigkeiten ausserdem erheblich höher.

Ersetzt wurde eine Bystronic-Anlage, die zehn Jahre in Betrieb gestanden war. Auf einer anderen Flachbettanlage, die in unmittelbarer Nähe steht, wird nun Chromstahl und Aluminium bearbeitet und auf der neuen Bystronic-Anlage hauptsächlich Stahlblech geschnitten. Dies bringt den Vorteil, nicht dauernd umrüsten zu müssen. D. Zumbrunn fährt fort: «Neben der Flexibilität und der hohen Schnittleistung war die einfache Bedienbarkeit ein weiteres Hauptkriterium.»

Offen gestaltete Software

Mit «Bysoft», der offen ausgelegten Bystronic-Steuerung, ist D. Zumbrunn offensichtlich zufrieden. Sie sei individuell veränderbar bzw. anpassungsfähig an die Bedürfnisse des Bedieners, kurz: was man heute unter «bedienerfreundlich» versteht. «Dem Bediener wird zwar mehr Verantwortung überlassen, was aber den Vorteil hat, dass die Anlage in gewissen Situationen nicht blind in Eigenregie entscheidet und z.B. nur bei einer kleinen Unstimmigkeit schon abschaltet », erklärt der Geschäftsführer, der genau wie seine Mitarbeiter auch auf die Maschine geschult worden ist.

Ebenso geschätzt wird etwa das komplett manuell durchführbare Handling mit dem Handbediengerät am Heck der Zelle. Der Bediener muss also nicht zwingend alles vom Touchscreen aus erledigen, was ihn nicht zum «Knopfdrücker» reduziert. Programmiert wird mit der maschinenunabhängigen Software «Wicam». Ein weiteres Kriterium war der Standort des Lasertechnikanbieters: Der Bystronic-Standort in Niederönz liegt lediglich in rund 50 Kilometer Entfernung.

Optimierter Materialfluss

Auffällig ist der speditiv ausgelegte Materialfluss: Die Laserzelle und das Be- und Entladesystem «Bytrans 4020» wurden direkt an das Remmert-Blechlager, das rund 500 Flachblechplätze bietet, gekoppelt. Das Lager steht direkt am Hallenausgang und der Ausgang wiederum direkt an der Hauptstrasse. Effizienter kann Logistik nicht sein.

«Als Lohnfertiger muss man ein möglichst breites Spektrum abdecken können. Mit der BySprint 4020 sind wir nun top ausgerüstet. Man weiss ja nie, was in Zukunft alles kommt.» Konstante Modernisierung respektive schrittweise Erneuerung lautet die Devise. Um technologisch am Ball zu bleiben, wird das 65-Mitarbeiter-Unternehmen in ein oder zwei Jahren bereits den nächsten Modernisierungsschritt vollziehen. <<

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