Nachhaltige Produktion ist längst zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden. Dazu gehört die Wiederaufarbeitung von Bestandsmaschinen.
Eine Liebherr LCS 182 Zahnflankenschleifmaschine ist nach dem umfangreichen Retrofit gewissermassen auf dem Stand einer neuen Maschine.
(Bild: Liebherr-Verzahntechnik)
«Wenn wir über Retrofit sprechen, dann geht es für uns darum, einer Werkzeugmaschine ein zweites Leben einzuhauchen, das genauso lange dauert wie das erste», betont Ralf Glatzeder, Leiter der Abteilung Reman bei Liebherr-Verzahntechnik in Kempten. Reman steht bei Liebherr für Remanufacturing, eine vollständige Aufarbeitung einer Maschine auf das Niveau eines Neugerätes. In diese Richtung geht auch das Retrofitting, bei dem eine Bestandsmaschine mit neuen Technologien und Komponenten aufgerüstet wird.
Retrofit zahlt sich mehrfach aus
Retrofit ist weit mehr als eine nur kostengünstige Alternative zum Neukauf. Vielmehr geht es dabei um eine strategische Investition in die Zukunftsfähigkeit gerade der Unternehmen aus der Werkzeugmaschinenindustrie, die in der aktuell herausfordernden konjunkturellen Situation unter Druck stehen und Investitionen insofern eher zurückhaltend tätigen. Anstatt komplette Neumaschinen anzuschaffen, lassen sich zentrale Komponenten wie zum Beispiel CNC-Steuerungen, Antriebe, Sensorik oder Industrie-4.0-fähige Schnittstellen modernisieren. Das erhöht die Präzision, Prozessstabilität sowie Produktivität und eröffnet den Zugang zu digitalen Services wie Zustandsüberwachung oder vernetzter Produktionssteuerung.
Auch in Sachen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit zahlt sich Retrofit aus: Der Austausch alter Antriebe und Motoren senkt den Verbrauch spürbar und reduziert damit sowohl Betriebskosten als auch den CO₂-Ausstoss. Zugleich werden wertvolle Ressourcen geschont, da vorhandene Maschinen weiter genutzt und nicht durch komplette Neuanlagen ersetzt werden müssen. Hinzu kommt die Anpassung an aktuelle Sicherheitsstandards und Maschinenrichtlinien, die nicht nur rechtliche Vorgaben erfüllt, sondern auch den Schutz der Mitarbeiter verbessert.
Wirtschaftlich betrachtet verschafft Retrofit Unternehmen gleich mehrere Vorteile. Die Investitionen dafür bleiben Reman-Abteilungsleiter Glatzeder zufolge je nach Situation mit einem Kostenvorteil von einem guten Drittel oder sogar mehr deutlich unter dem Niveau einer Neuanschaffung. Zudem liessen sich Stillstandzeiten durch die meist kürzere Nachrüstphase erheblich reduzieren, und die Amortisationszeit verkürze sich spürbar. In einer Zeit globaler Lieferkettenprobleme und wirtschaftlicher Unsicherheiten sorgt Retrofit so auch für höhere Planungssicherheit.
Damit verbindet Retrofit technische Leistungssteigerung mit ökonomischer Vernunft sowie ökologischer Verantwortung und einem klaren Nachhaltigkeitsbeitrag. Es ist ein Instrument, das Unternehmen hilft, ihre Wettbewerbsfähigkeit auch in schwierigen Zeiten zu sichern und die Weichen für eine zukunftsfähige Produktion zu stellen.
Liebherr-Verzahntechnik: Gebrauchte Maschinen wie neu
Kunden mit älteren Maschinen haben beim global aufgestellten Unternehmen Liebherr-Verzahntechnik, Hersteller von Werkzeugmaschinen und Automationslösungen für die wirtschaftliche Produktion von Verzahnungen, unterschiedliche Möglichkeiten. Sie können ihre in die Jahre gekommene, aber noch gute Dienste leistende Maschine generalüberholen oder reparieren lassen. Bei einer umfangreichen Überholung reinigen die Reman-Spezialisten alle Grundkomponenten, vermessen und bearbeiten sie nach. Alle Verschleissteile, Dichtungen, Antriebe und Motoren wechseln sie aus. Nur der Guss und das Gehäuse der Maschine bleibt bestehen, wird aber optisch aufbereitet. Eine weitere Option ist daneben der Kauf einer neuwertig aufbereiteten anderen Gebrauchtmaschine. «Wobei der Begriff ‚gebraucht‘ im Grunde irreführend ist», fügt Glatzeder hinzu. «Denn die Maschinen aus unserem Reman-Programm sind bei Auslieferung grundsätzlich auf dem aktuellen Stand in Herstellerqualität und erhalten eine neue Garantie.» Dabei orientiere sich Liebherr-Verzahntechnik immer am neuesten technologischen Level und berücksichtige inzwischen verfügbare Innovationen. Insofern seien die im Schnitt 20 bis 25 Jahre alten Maschinen nach der Aufbereitung und Erneuerung quasi auf dem Stand der Neumaschinen.
Kapp Niles: Retrofit als doppelte Chance – produktiver und nachhaltiger
Kapp Niles setzt ebenfalls auf Retrofit und ermöglicht den Kunden so eine wirtschaftliche und ressourcenschonende Weiterverwendung ihrer Maschine.
(Bild: Kapp Niles)
Für Kapp Niles aus Coburg, Anbieter von Werkzeugmaschinen und Lösungen rund um die Feinbearbeitung von Verzahnungen und Profilen, gehört die Modernisierung von etlichen Maschinenbaureihen ebenfalls zum Portfolio. Da jede Schleifmaschine einem betriebsbedingten Verschleiss unterliegt, ist es das Ziel, den Ausfall kritischer Bauteile und im Extremfall den Stillstand der gesamten Schleifmaschine rechtzeitig zu vermeiden. Dafür bietet Kapp Niles zwei Lösungen an. Während bei «KN Recontrol» ein vollumfängliches Steuerungsupgrade erfolgt, beinhaltet «KN Retrofit» darüber hinaus eine komplette mechanische Überholung.
Andreas Paatz, Leiter Bereich Service/Werkzeuge/Digitalisierung bei Kapp Niles, betont, dass «die Kunden durch ein Retrofit nicht nur technisch hochmoderne, sondern auch wirtschaftlich verlässliche Maschinen erhalten».
(Bild: Kapp Niles)
«Ein Kapp Niles Maschinenretrofit bietet eine wirtschaftliche und zugleich ressourcenschonende Alternative zu einer Neuanschaffung», bestätigt auch Andreas Paatz, Leiter Bereich Service/Werkzeuge/Digitalisierung bei Kapp Niles. Gleichzeitig werde die Ersatzteilverfügbarkeit durch die Erneuerung von Komponenten wiederhergestellt. Und die Maschinen seien für die Erfassung von Prozess- und Maschinendaten im Sinne von Industrie 4.0 vorbereitet. Der entscheidende Vorteil einer direkt durch Kapp Niles und nicht durch einen Drittanbieter durchgeführten Modernisierung liege in der engen Verzahnung von Maschinenbau und Software. Weiterentwicklungen aus aktuellen Maschinenbaureihen könnten so einfliessen, Ausstattungen und Funktionen erweitert, die Maschinendokumentation erneuert und die Ausfallzeiten während der Modernisierung auf ein Minimum reduziert werden.
Stand vom 30.10.2020
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So erhielten Kunden nicht nur technisch hochmoderne, sondern auch langfristig wirtschaftlich verlässliche Maschinen. «Und durch die Verlängerung der Lebensdauer von Maschinen sowie die Wiederverwendung von Komponenten wird die Kreislaufwirtschaft gestärkt», ergänzt Paatz. «Dies trägt zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise bei, die auf Wiederverwertung und Ressourcenschonung setzt.»
Waldrich Coburg setzt seit vielen Jahren auf Retrofit
Das grösste und leistungsstärkste Portalbearbeitungszentrum von Waldrich Coburg, das beim Fräsen zum Beispiel im Kraftwerks- oder Turbinenbau zum Einsatz kommt, vor und nach einem Retrofit.
(Bild: Waldrich Coburg)
Auch Waldrich Coburg bietet bereits seit Jahrzehnten erfolgreich Retrofit-Lösungen an, die rund 10 Prozent des Umsatzes ausmachen. «Dieser Bereich ist für uns elementarer Bestandteil unseres Dienstleistungs- und Servicegeschäfts», betont Dr. Tobias Abeln, CTO bei Waldrich Coburg. Ohnehin seien die Maschinen durch hydrostatische Führungen nahezu verschleissfrei und für eine Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten prädestiniert. Insofern sei das die ideale Basis für eine weitere Verlängerung der Laufzeit.
Mit den Retrofit-Massnahmen erreiche das Unternehmen bei den alten Maschinen eine Effizienzsteigerung durch Automatisierungen, Steuerungsmodernisierungen und höhere Dynamik. Zudem gelinge es, die Funktionalität und Flexibilität durch die Implementierung von neuen Bearbeitungstechnologien wie Drehen, Verzahnen oder HSC-Fräsen zu erweitern. Auch Qualitätsverbesserungen, verbesserte Bedienbarkeit und höhere Sicherheit erziele man dank des Retrofits. Gleichzeitig komme es zu einer Verbesserung der Kosteneffizienz durch geringeren Energie- und Wartungsaufwand sowie verkürzte Bearbeitungs- und Ausfallzeiten. Auch durch die Beibehaltung des Aufstellortes und Fundaments sowie der Kernkomponenten seien deutlich geringere Investitionskosten und ein erheblich niedrigerer CO₂-Fussabdruck möglich.
Dr. Tobias Abeln, CTO bei Waldrich Coburg: «Retrofit ist seit Jahrzehnten ein elementarer Bestandteil unseres Dienstleistungs- und Servicegeschäfts.»
(Bild: Waldrich Coburg)
«So bleiben Maschinen, die seit über 20 Jahren im Einsatz sind, wirtschaftlich wettbewerbsfähig», unterstreicht auch Abeln. «Insofern unterstützen wir unsere Kunden, ihre Fertigungsprozesse nachhaltig für die Zukunft aufzustellen.»
Von der Reparaturlösung zum strategischen Erfolgsmodell
Beim Thema Retrofit geht es längst um mehr als nur die Instandsetzung bestehender Anlagen. Es ist ein Weg, Maschinen technologisch auf ein Niveau zu bringen, das mit Neuanlagen konkurrieren kann – und das bei deutlich geringeren Investitionskosten. Unternehmen sichern sich damit ihre Wettbewerbsfähigkeit, ohne auf die Performance modernster Technologien verzichten zu müssen. Dies und die damit einhergehenden ökologischen Vorteile sind klare Pluspunkte für ein Retrofit.