2. SMM-Kongress «Ohne Information keine Zukunft»

Redakteur: AzubiVCH

>> Mit grossem Erfolg ist der 2. SMM-Kongress zum Thema «Produktivität steigern – Prozesse optimieren» zu Ende gegangen. Ein grosser Teil der mehr als 160 Teilnehmer äusserte sich zufrieden oder sehr zufrieden mit dem Kongress, wobei nicht alle Vorträge gleich positiv bewertet wurden. Auf fast ungeteilte Zustimmung und Begeisterung stiess der Vortrag von Jean-Claude Biver über Innovationen in der Zukunft.

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Auch wenn das Kongressthema über moderne Produktionstechnik ernst gemeint war, kam auch das Lachen nicht zu kurz.
Auch wenn das Kongressthema über moderne Produktionstechnik ernst gemeint war, kam auch das Lachen nicht zu kurz.
(Bild: Anne Richter, SMM)

Der zweite SMM-Kongress mit dem Thema «Produktivität steigern – Prozesse optimieren» fand am 5. Dezember 2013 in der neuen Kongresshalle der Messe Luzern statt. Mehr als 160 Teilnehmer interessierten sich für Thema und Referenten der Veranstaltung und waren laut Auswertung damit zufrieden bzw. sehr zufrieden. Wobei der neue Kongressort, die Messe Luzern, fast zu Hundert Prozent auf Begeisterung stiess. Aber auch die Mehrzahl der Referate wurde positiv bewertet. Nach der Eröffnung des Kongresses durch SMM-Chefredaktor und Publisher Matthias Böhm führte René Näf von der Urma AG als Moderator durch die Veranstaltung.

Wie kratzfestes Gold – first, different und unique

Vor allem der Vortrag von Jean-Claude Biver, CEO von Hublot, begeisterte die Teilnehmer. Als letzter Redner und Höhepunkt der Veranstaltung motivierte Biver das Auditorium wie kein anderer. Das mitreissende Bekenntnis zu Swissness und zum Standort Schweiz des Luxemburgers waren mehr eine patriotische und auch etwas provokative Demonstration als technischer Fachvortrag. So betonte Biver vor allem, wie wichtig der Zugang zu Informationen für Innovationen und eine Zukunft ist. Wortwörtlich sagte er: «Ohne Information keine Zukunft» und unterstrich vor allem die Bedeutung des gezielten dualen Ausbildungssystems in der Schweiz.

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Ausserdem unterstrich er in seiner Rede, wie wichtig seine drei Ansprüche an ein Produkt «first, different und unique» für den Erfolg sind: «Wenn wir diese Ansprüche nicht gehabt hätten, hätten wir niemals das kratzfeste Gold herstellen können», erklärte er. Das 18-Karat-Gold wurde von Hublot in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich in dreijähriger Forschungsarbeit entwickelt und liegt mit einer Härte von nahezu 1000 Vickers über der Härte von gehärtetem Stahl. Herkömmliches Gold besitzt eine Härte von etwa 400 Vickers. Unter der Führung von Jean-Claude Biver wurde die Mitarbeiterzahl bei Hublot von 25 auf 300 Mitarbeiter erhöht. <<

Umsetzungskompetenz wettbewerbsentscheidend

Technisch anspruchsvoll und dicht war das 50 minütige Auftaktinserat von Prof. Dr. Ing. Konrad Wegener von der ETH Zürich über die aktuellen Trends und Herausforderungen in der Fertigungstechnik. Zur Einführung zeigte Wegener auf allgemeine gesellschaftliche Trends wie eine älter werdende Gesellschaft, die auch die Trends in der Produktion beeinflussen. Ausserdem wies er darauf hin, dass 24 Prozent der weltweiten Werkzeugmaschinenproduktion im Alpenraum stattfindet, und fokussierte auf die beherrschte Produktionstechnik, d. h. die Umsetzungskompetenz inklusive des hohen Niveaus der Ausbildung, das hier vorhanden ist. Er unterstrich auch, dass nicht unbedingt die Produktinnovationen wettbewerbsentscheidend sind, sondern vor allem auch die Prozessinnovationen.

Steigende Anforderungen an Präzision und Genauigkeit

Im Bereich Materialien und Beschichtungen hob Wegener hochleistungsfähige Beschichtungen hervor, deren Entwicklung Voraussetzungen für vielen weiteren technischen Fortschritt ist. Ein Langzeittrend hat sich im Bereich Werkzeugmaschinen herauskristallisiert. Seit Beginn des Maschinenbaus steigen die Anforderungen an die Maschinen in Bezug auf Präzision und Genauigkeit ständig. Maschinen, die vor einiger Zeit noch als Präzisionsmaschinen vermarktet wurden, sind heute nur einfacher Standard. Diese Entwicklung stellt besondere Anforderungen an die Werkzeugmaschinenbauer was die Vermessung und Positioniergenauigkeit betrifft. Themen dabei sind die Kompensation dynamischer und thermischer Abweichungen. Eine Möglichkeit, genauere und präzisere Maschinen zu bauen, ist ein planares Maschinenkonzept. Hier wird auf flächenbasierte Führungen anstatt Linearführungen aufgebaut. Dadurch wird eine wesentlich höhere Maschinensteifigkeit erzielt, Glanzoberflächen von Ra kleiner als 6 nm und eine Arbeitsraumgenauigkeit von unter 1 µm ist kompensierbar.

Da das Geld an der Schneide verdient wird, wie Wegener betonte, konzentrierte er sich in seinem Vortrag unter anderem auch auf den Einfluss des Schneidkantenradius und den Verschleiss und die Herausforderung, dies zu messen. Ein weiterer Punkt war die CFK-Zerspanung bzw. die Qualität von Bohrungen im CFK. Ausserdem zeigte er in seinem Vortrag die Herausforderungen der Mikrozerspanung und wie in der Mikrozerspanung von der Makrozerspanung gelernt werden kann.

Ultrakurzpulslaser bieten neue Möglichkeiten

Die Entwicklung der Laser hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Deshalb gab Wegener diesem Thema auch einigen Raum. Mit den modernen Ultrakurzpulslasern mit Pulslängen von 10 ps ist ein Materialabtrag möglich, ohne Beeinflussung der Nachbarmoleküle. Der Laser ist für alle Materialien auch Diamanten geeignet, was wichtig für die Werkzeugherstellung ist. Zusätzlich bietet der Laser im Vergleich zum Schleifen den Vorteil, dass es zu keinen Kornausbrüchen kommen kann. Mit dem Laser ist es auch möglich, Diamantbeschichtungen aufzutragen, ohne dass Grafitumwandlung stattfindet. Additive Manufacturing oder generative Fertigung ist ein weiterer Trend in der Produktion. Wegener sieht darin aber vor allem eine Ergänzung zu konventionellen Produktionstechniken.

Werkzeugbau gestern und heute

Die Entwicklung der Hofstetter AG von einer Manufaktur zu einem modernen, international erfolgreichen Werkzeugbauunternehmen zeigte Geschäftsleitungsmitglied Stefan Zatti in einem sehr übersichtlichen und aussagekräftigen Beitrag. Er unterstrich vor allem auch die Entwicklung in den Denkansätzen und der Firmenphilosophie – die Entwicklung von der Fixierung auf die Bedürfnisse des einzelnen Kunden hin zur Fixierung auf generelle Markterfordernisse. Das Ziel besteht darin, auch den Markt zu beeinflussen. Aber auch die technische Entwicklung ist beachtlich: So benötigte das Unternehmen früher für ein Werkzeug mit 46 Kavitäten sechs Monate bis zur Lieferung. Heute dauert es zwölf Wochen von der Bestellung bis zur Lieferung eines Werkzeuges mit 128 Kavitäten. Einen wesentlichen Faktor zur Standortsicherung sieht das Unternehmen in der Ausbildung, momentan beschäftigt Hofstetter 20 Lehrlinge, dabei sind 16 angehende Polymechaniker. Die Bilanz bei Hofstetter sieht momentan so aus: Weltweit ist das Unternehmen Nr. 2 bei der Anzahl der gelieferten PET-Werkzeuge und hält 15 Prozent Weltmarktanteil.

Werkzeuge für höhere Produktivität

Nach dem Mittagessen liefen parallel zwei verschiedene Themenreihen mit je drei Vorträgen: Blechbearbeitung und Zerspanungswerkzeuge. Im Bereich Zerspanung kamen Referenten von drei verschiedenen Werkzeugherstellern zu Wort: Fraisa, Walter und Iscar. Peter Petri von der Walter (Schweiz) AG zeigte vor allem die Kompetenzen von Walter und seiner ganzheitlichen Beratungsstrategie von der Projektplanung bis hin zur Prozessimplementierung beim Kunden. Über die Walter-Webseite können Sonderwerkzeuge schnell und unkompliziert selbstständig geordert werden, demonstrierte Petri in einem Livebeispiel.

Reto Gisler, Key Account Manager bei Iscar Hartmetall, sprach über intelligente Produktivität in der Metallzerspanung, die die Rentabilität bestimmt, und warf symbolisch mit (kopierten) Hunderternoten um sich. Als zentralen Punkt sieht Gisler die Auswahl des richtigen Werkzeuges als Faktor für die Produktivität und nicht die reinen Werkzeugkosten und stellte das in einem Rechenbeispiel dar. Laut Beispiel können Rabatte bei den Werkzeugkosten und längere Standzeitung die Kosten pro Bauteil um maximal ein Prozent verringern. Durch ein Werkzeug, mit dem eine 20 Prozent höhere Produktivität erzielt wird, werden die Fixkosten pro Bauteil entsprechend verringert. Selbst mit höheren Werkzeugkosten können so pro Bauteil 15 Prozent der Kosten eingespart werden.

Optimierung von Produktionsprozessen

Joseph Maushart, CEO der Fraisa-Gruppe, sprach über die Optimierung von Produktionsprozessen auf den verschiedenen Entscheidungs- und Durchführungsebenen am eigenen Unternehmensbeispiel. Ein Faktor ist dabei die Standortentscheidung, die sich aus den unterschiedlichen Gegebenheiten der Standorte ergibt. So produziert Fraisa beispielsweise auch am Standort Ungarn zu einem Stundensatz von 21 Franken im Vergleich zur Schweiz mit einem Stundensatz von 63 Franken. Zugleich arbeiten die Arbeitskräfte in Ungarn qualitativ gut und sind motiviert. Eine weitere Frage zur Optimierung ist die Entscheidung, bestimmte Produkte selber zu fertigen oder zuzukaufen. Entscheidend für eine Optimierung ist das Sortiment. So konnte Fraisa im Jahr 2013 nach einer wie Maushart betonte «historischen Überprüfung des Angebotes» mit 30 weniger Artikeln 30 Prozent mehr Umsatz im Vergleich zu 2009 machen. Weitere Faktoren sind, die passende Produktionstechnologie zu finden und Prozessautomation. Mit über 140 produktiven Wochenstunden gibt es im Unternehmen für die Mitarbeiter nur Tagschichten (36 bemannte Stunden), das entspricht einem Verhältnis bemannt : unbemannt von 1 : 4. Fertigungstechnologie, Prozesssteuerung und Prozesskette sind weitere Einflussfaktoren. Insgesamt spricht Maushart vom 9-4-3-Prinzip: von neun Möglichkeiten der Produktionskostenoptimierung, die auf vier Hierarchieebenen und in drei Geschäftsbereichen liegen. «Wenn das nicht richtig verstanden wird, können Produktionskosten nicht wirklich optimiert werden», fasst Maushart zusammen.

Im SMM 3 folgt die Fortsetzung des Berichtes zum SMM-Kongress «Moderne Produktionstechnik: Produktivität steigern – Prozesse optimieren». <<

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