Einblick in die Oldtimer-Werkstatt Emil Frey Classics und Roos Engineering Oldtimer: Im Alter brauchts Pflege

Autor: Silvano Böni

Nicht nur Menschen werden im Alter anfälliger auf Wehwehchen, auch Autos kränkeln hie und da mal vor sich hin. Insbesondere, wenn es sich um einen mehrere Jahrzehnte alten Oldtimer handelt. Doch was machen, wenn der Liebling nicht mehr so will, wie er sollte? Die Antwort ist simpel: Ab zum Spezialisten für Classic-Cars.

Ein besonderer Schatz der Sammlung in Safenwil, ein Aston Martin DB4 Vantage.
Ein besonderer Schatz der Sammlung in Safenwil, ein Aston Martin DB4 Vantage.
(Bild: Thomas Entzeroth)

Die erste Frühlingssonne zeigt sich am Himmel, nur einige Quellwolken sind zu sehen. Saisonstart für die Spezialisten britischer Oldtimer der Emil Frey Classics AG und Roos Engineering Ltd aus Safenwil. «Die ruhige Zeit ist vorbei, nun erwachen die klassischen Fahrzeuge aus dem Winterschlaf», erklärt René Gauch, Geschäftsführer der Roos Engineering Ltd. Kaum ist der Satz zu Ende gesprochen, klingelt bereits das Telefon. Ein englischer Flitzer eines Kunden will nicht mehr anspringen. «Solche Anrufe bekommen wir im Frühjahr häufig», so der Oldtimer-Spezialist. Es wird nicht lange gefackelt, das Fahrzeug wird von den Fachleuten der beiden Firmen abgeholt. Im gedeckten und geschlossenen Transporter stellt Philip Ringier klar. Er ist für den Oldtimerhandel verantwortlich. «Wir bewegen Klassiker, deren Wert auch weit über die Millionen-Franken-Grenze hinausgeht; da ist eine gewisse Vorsicht natürlich Pflicht.»

Schrauberparadies im Mittelland

Der Weg ist nicht weit, der Kunde wohnt in der Nähe des Neubaus in Safenwil. Somit vergehen nur wenige Minuten, bis das Fahrzeug bei den Oldtimerspezialisten ankommt. Erst 2015 wurde das Gebäude eröffnet, erbaut von der Firma Kifa. Der Spezialist für Holzsystembauten aller Art erbaute die Werkstatt innert kürzester Zeit. Die Farbe der Blechaussenhülle des Baus weckt sofort Erinnerungen an das klassische British Racing Green. Von aussen absolut unscheinbar, eröffnet sich eine neue Welt, sobald das Schiebetor der Werkstatt sich öffnet. Mit grosser Vorsicht wird der abgeholte Klassiker vom Anhänger geladen und ins Schrauberparadies hineingeschoben. Die rötlichen Tonplatten des Bodens, auf denen sich die Räder langsam drehen, geben einen schönen Kontrast zur grünen Aussenhaut und den grossen Holzbalken der Decke. Der Belag hat aber nicht nur ästhetische Gründe. «Rutschfest, immun gegen Flüssigkeiten wie Öle und Treibstoff sowie leicht zu reinigen musste er sein», so René Gauch.

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Beide Firmen, Emil Frey Classics AG und Roos Engineering Ltd, arbeiten unter dem gleichen Dach. Emil Frey kümmert sich um die britischen Klassiker von Jaguar, Austin Healey, MG, Rover oder Triumph. Roos Engineering ist dagegen zertifizierter Spezialist für die Marken Aston Martin und Lagonda. «Weltweit gibt es nur 13 Heritage Specialists von Aston Martin. Wir sind der Einzige im deutschsprachigen Raum», so René Gauch und betont «Wir haben auch Kunden aus Frankreich, Italien und dem Nahen Osten. Einige sogar aus England, das spricht für unsere Qualität, wenn selbst aus dem Mutterland der Fahrzeuge uns das Vertrauen geschenkt wird.»

Eingangscheck auf Herz und Nieren

Kommt ein defektes Fahrzeug an der Werkstatt an, steht erstmals der Eingangscheck an. Der Klassiker kommt auf einen der zwölf Autolifte, die feinsäuberlich in Dreiergruppen über die Halle verteilt sind. Im vorderen Teil sechs von Emil Frey, hinten sechs von Roos. Auf Herz und Nieren wird das Fahrzeug dann begutachtet und getestet. Ist die Batterie noch in Ordnung, hat der Motor genügend Öl, wie sehen die Reifen aus? Aber auch die Bremsflüssigkeit wird überprüft, das Getriebeöl ebenfalls. «Nach dem Eingangscheck weiss man mit grosser Wahrscheinlichkeit, was alles am Fahrzeug gemacht werden muss, damit der Kunde wieder sorglos damit herumfahren kann», so der Geschäftsführer.

Je länger ein Fahrzeug nicht bewegt wird, umso schlechter steht es um seinen Zustand. Bei nur einer Wintersaison kann es mal an der Batterie liegen, falls der Wagen nicht direkt anspringt. Sind es mehrere Saisons und stand das Fahrzeug vielleicht sogar noch an einem feuchten Ort, wird es bereits problematisch. «Feuchtigkeit ist natürlich Gift für das Auto. Ebenso grosse Temperaturschwankungen, da sich so überall Kondenswasser bilden kann», so Philip Ringier, der sich als Verantwortlicher für den Ein- und Verkauf der Fahrzeuge damit bestens auskennt.

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Über den Autor

 Silvano Böni

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Chefredaktor at - Aktuelle Technik, Vogel Communications Group AG