Högg AG Produktionstechnik und Hardinge Kellenberger AG Ostschweizer Symbiose in der Rundschleifbearbeitung

Von Andrea Jäger 7 min Lesedauer

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Die Högg AG Produktionstechnik aus Wattwil ist ein weit über die Ostschweiz hinaus bekanntes Qualitätsunternehmen in der Metallverarbeitungsindustrie mit über 50 CNC-Maschinen auf 10 000 m2 Fertigungsfläche. Bei der Rundschleifbearbeitung vertraut man bei Högg seit Jahren auf den Schweizer Schleifspezialisten Kellenberger.

V. l. n. r.: Fertigungsleiter Stefan Kaufmann, CEO Ivo Högg und Programmierer/Einrichter Andreas Hausmann haben gut lachen. Die Kellenberger 100 liefert hochpräzise Werkstücke und ist dazu leicht zu programmieren.(Bild:  Högg/Kellenberger)
V. l. n. r.: Fertigungsleiter Stefan Kaufmann, CEO Ivo Högg und Programmierer/Einrichter Andreas Hausmann haben gut lachen. Die Kellenberger 100 liefert hochpräzise Werkstücke und ist dazu leicht zu programmieren.
(Bild: Högg/Kellenberger)

Als der Hufschmied Alfred Högg 1905 seine Schmiede in Lichtensteig gründete, konnte er nicht ahnen, dass sein Unternehmen einmal vier Generationen in die Zukunft reichen würde. Heute, fast 120 Jahre später, residiert die Högg AG Produktionstechnik in einer hochmodernen Produktionsstätte im nahegelegenen Wattwil und ist eines von drei Standbeinen der familiengeführten Högg-Gruppe.

Rund 100 t Stahl, 100 t Chromstahl und 200 t Aluminium verarbeitet das Unternehmen jedes Jahr, Tendenz steigend. Die Produkte – hochgenaue Teile, massgefertigte Profile und montierte Baugruppen – gehen in Branchen wie den allgemeinen Maschinenbau, den Energiesektor, die Textilmaschinenindustrie, die Luft- und Raumfahrt, die Mikromechanik, die Sensor- und Medizintechnik sowie in die Laserindustrie.

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Aus dieser leistungsstarken Basis entwickelte sich 1990 die Högg Liftsysteme AG sowie 2012 die Simplify Engineering AG, die sich als Systemanbieter mit der Beförderung von Menschen und Gütern befasst. Die drei Unternehmen werden unabhängig geführt, arbeiten aber vernetzt und nutzen die Synergien, die sich aus der Zusammenarbeit ergeben, wie z.B. bei den Treppenliften, deren Komponenten in der Simplify Engineering AG konstruiert und von der Högg Produktionstechnik gefertigt werden. 160 Mitarbeitende sind in der Gesamtgruppe tätig, 110 davon allein in der Högg Produktionstechnik.

Die Brüder Ivo und Roman Högg verantworten in vierter Generation die Belange der Gesamtgruppe und der Einzelunternehmen. Für CEO Ivo Högg liegen die Erfolgsfaktoren des Unternehmens vor allem in einem offenen Geist, der dazu führt, dass Chancen erkannt und ergriffen werden. Der Maschinenbauingenieur führt dazu aus: «Bei uns wird kontinuierlich daran gearbeitet, Neuerungen zu definieren, die den Erfolg des Unternehmens sicherstellen. In einem inhabergeführten Familienunternehmen können langfristige Strategien sehr gut umgesetzt werden. Das schafft Stabilität und Kontinuität für Kunden und Mitarbeiter und letztlich auch für die Lieferanten. Ein wichtiger Faktor sind unsere Mitarbeiter. Viele sind schon sehr lange bei uns und alle zeichnen sich dadurch aus, dass sie sehr fachkompetent und kundenorientiert sind.» Damit das so bleibt, bildet man bei Högg seit vielen Jahren den Nachwuchs selbst aus.

Stefan Kaufmann leitet seit 2014 die Fertigung bei Högg Produktionstechnik. Er und seine 85 hoch qualifizierten Mitarbeitenden in der Produktion beherrschen alle mit Zerspanung verbundenen Prozesse wie Drehen, Bohren, Fräsen und Schleifen bestens. Neben den üblichen Materialien Stahl, Aluminium und Messing ist man auch gerüstet für die Bearbeitung von Keramikteilen, z. B. für die in der Region starke Textilindustrie, und schwierigen Werkstoffen wie INVAR, einer Eisen-Nickel-Legierung, für deren Bearbeitung Spezialwerkzeuge eingesetzt werden. Von kleineren Werkstücken bis hin zu 6 m langen gefrästen Spezial-Profilen reicht die Bandbreite. Die Losgrössen bewegen sich typischerweise von 50 bis 2000, Einzelteilfertigung und grosse Serien sind aber auch keine Seltenheit. In der Produktionshalle findet sich daher eine sehr grosse Vielfalt an Drehmaschinen, Fräsmaschinen und Schleifmaschinen.

Schleiftechnik aus der Ostschweiz

Insgesamt sieben Schleifmaschinen stehen im Schleifbereich, darunter zwei Kellenberger-Universal-Rundschleifmaschinen, eine von ursprünglich zwei KEL-Varia und als jüngster Neuzugang eine Kellenberger 100, die 2021 beschafft wurde. Die Universal-Rundschleifmaschine KEL-Varia – das Vorgängermodell der heutigen Premium-Baureihe Kellenberger 1000 – steht wie diese für höchste Bearbeitungs- und Oberflächenqualität. Ihre hohe statische und dynamische Steifigkeit und Stabilität bilden die Basis für hohe Präzision und grosse Produktivität. Das Leistungsspektrum dieser Maschine orientiert sich an den Qualitätsanforderungen der Präzisionsfertigung von Prototypen sowie Klein- und Mittelserien.

Bei der Beschaffung der neuen Rundschleifmaschine wurde nur Kellenberger angefragt. Die Gründe dafür nennt Stefan Kaufmann: «Wir legen grossen Wert darauf, dass Lieferanten aus der Region berücksichtigt werden, wenn es möglich ist. Der Vorteil der räumlichen Nähe ist für uns natürlich auch, dass der Service schnell da ist, wenn man ihn braucht. Wir machen allerdings bereits viel mit KEL-Remote, dem Online-Servicemodul von Kellenberger. Damit sind wir sehr zufrieden.»

Die Kellenberger 100 ist eine modulare Plattformlösung, mit der unterschiedliche Maschinenkonzepte mit starker Kundenorientierung verwirklicht werden können. Die Maschine ist mit Spitzenweiten von 1000/600 mm und einer Spitzenhöhe von 200 mm verfügbar und für Werkstückgewichte bis 150 kg konzipiert. Die hohe Antriebsleistung der Schleifscheibe sorgt für erhöhte Produktivität und die neu entwickelte Z-Führung für grosse Profilgenauigkeit. Die C-Achse mit Direktantrieb bringt eine höhere Genauigkeit beim Unrundschleifen, was für Werkstücke wie Kurvenscheiben, die bei Högg gefertigt werden, sehr wichtig ist.

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Zu den technischen Highlights der Maschine zählen:

  • ein innovativer Kompaktschleifkopf (10 Schleifkopfvarianten, 11,5 kW Antriebsleistung, 500 mm Scheibe, bis 63 m/s, HF-Spindeln für Innenschleifen inkl. Diagonal- und Tandem-Anordnung),
  • ein kollisionsfreier Universalkopf mit drei Werkzeug- und einer Messposition
  • sowie eine neue Messtaster-Anordnung ohne Schwenkmechanismus für erhöhte Messgenauigkeit.

Die verstärkte Verschalung erlaubt zudem grösste Schleifscheibendurchmesser beim Innenschleifen (bis 125 mm).

Polymechaniker Andreas Hausmann ist seit über 40 Jahren im Unternehmen tätig, hat 1981 als Lehrling angefangen und bedient und programmiert unter anderem die Kellenberger-Maschinen. Er sagt: «Bei der Kellenberger 100 überzeugen uns nicht nur die Bearbeitungsqualität der Maschine mit einer Genauigkeit von 2/100stel, die Linearführungen und der gute Wärmegang, sondern auch die bessere Zugänglichkeit zum gut strukturierten Arbeitsraum und der breitere Abstand zwischen den Spindeln. Auch ist der mit zwei Innenschleifspindeln ausgestattete Schleifkopf besser eingeteilt.»

Die Kellenberger 100 ist mit der neuen CNC-Steuerung Fanuc 31i mit 19"-Touch-Screen ausgestattet. Andreas Hausmann schätzt die einfache Programmierung, die mit der von Kellenberger entwickelten, neuen Software Blue Solution direkt an der Maschine möglich ist: «Aufgrund der Teilespezifikation erfolgt die Programmierung bei uns aber in der Regel extern mit der Kellenberger-Software Black CAM Solution, die speziell für das Unrundschleifen entwickelt wurde. Die Steuerung verfügt ausserdem über die Funktion Ausschussminimierung, die in einem Probelauf Einfluss- oder Störfaktoren aufzeigt.»

Die Kellenberger 100 eignet sich ideal für die unterschiedlichsten Automatisierungslösungen. Doch obwohl bei Högg bereits ca. 30 Prozent aller Maschinen automatisiert sind, sieht man für die Kellenberger 100 hier keinen Bedarf. «Das kann sich ändern, aber im Augenblick geben die Werkstücke das nicht her», sagt Stefan Kaufmann.

Wie sehr bei Högg auf höchste Qualität geachtet wird, zeigt die konsequente Trennung der Fertigungsbereiche in Stahl- und Aluminiumbearbeitung. Stefan Kaufmann führt aus: «Aluminiumteile sind empfindlich. Die Oberflächen der bearbeiteten Werkstücke, wie z. B. Zylinderrohre oder Kolben, müssen aber makellos sein. Deshalb achten wir extrem auf Sauberkeit und unterbinden jeden Späneflug. Insbesondere Aluspäne sind kritisch, die sollten an Ort und Stelle bleiben.» Für die Montage von Komponenten für sensible Branchen wie die Vakuum-, Halbleiter- und Solarindustrie steht bei Högg ausserdem ein Reinraum zur Verfügung.

Hardinge-Kellenberger-Exponate zur Grinding Hub 2024
Innovativer Technologietransfer im Rundschleifen

Für den Schweizer Schleifspezialisten Kellenberger hat sich die neue Produktionsstätte in Goldach bereits bestens bewährt. Die Synergien aus der Zusammenlegung aller Schleifmarken der Hardinge-Gruppe bilden die Basis für technologische Neuerungen im Bereich Rundschleifen.

Die hochpräzisen Hauser-Koordinatenschleifmaschinen liefern dabei die Technologie, die Ingenieure und Softwareexperten von Kellenberger wiederum das Know-how für die Einbindung in die Rundschleifmaschinen der Marken Kellenberger und Voumard, die über eine geregelte C-Achse verfügen. Damit ist es nun möglich, beispielsweise bei der Schleifbearbeitung von Futter- und Spindelteilen Nuten und Satellitenbohrungen ebenfalls mitzuschleifen. Da in diesem Fall das Werkstück nicht auf eine andere Maschine umgespannt werden muss, bleibt die hohe Präzision im µm-Bereich erhalten.

Neuer Grafikmodus «gSHAPE» für den Import von dxf-Dateien

Die Software Blue Solution ist ebenfalls innovativ weiterentwickelt worden. Zeichnungen eines Werkstücks im dxf-Format können nun mithilfe der neuen und laut Hersteller am Markt einzigartigen Erweiterung «gSHAPE» direkt eingelesen werden. Die Soll-Kontur des Werkstücks aus der Zeichnung wird im Object Guide der Blue Solution mit Technologie angereichert und in Schleifprozesse übersetzt, inklusive der Schleifscheibenposition. Zeichnungsinterpretations- und Übertragungsfehler werden eliminiert. Mit diesem neuen Tool ergibt sich ein digitaler Workflow von der Zeichnung bis zum Programm. Die einfache Bedienung der Blue Solution bleibt erhalten.

Voumard 30 mit Automation und erweiterten Abrichtmöglichkeiten

Neben der Hardinge-Super-Precision-Drehmaschine T51 mit Schleifeinheit stellt Kellenberger die erst vor Kurzem am Markt vorgestellte Innenschleifmaschine Voumard 30 auf der Grinding Hub aus. Sie ergänzt die hochpräzise Innenschleifkompetenz der Marke Voumard um eine Maschine für alle Branchen, deren Hauptaugenmerk auf einfachen Innenschleifbearbeitungen in der Klein- und Mittelserie liegt. Die Voumard 30 ist für Werkstücklänge bis 150 mm und Durchmesser bis 150 mm ausgelegt. Je nach Anwendungsfall können wahlweise eine oder zwei parallel angeordnete Innenschleifspindeln zum Einsatz kommen. Diese hochwertigen Innenschleifspindeln sorgen für beste Schleifergebnisse bei kurzen Taktzeiten. Sie sind mit Drehzahlen von 45 000 bis 120 000 min-1 erhältlich.

Die Abrichtmöglichkeiten auf der Voumard 30 sind deutlich erweitert worden. Neben dem festen Halter, der Standardlösung für den Einsatz mit einer Spindel, sind ein rotierender Halter für CBN- und Diamantscheiben und eine Abrichtglocke für kleine Durchmesser bis 30 mm erhältlich.

Die Voumard 30 ist mit einer Fanuc-0i-Steuerung mit der neuesten Kellenberger-Softwaregeneration Blue Solution ausgestattet, die inzwischen bei allen Voumard- und Kellenberger-Schleifmaschinen zum Standard gehört.

Die Maschine kann ausserdem mit einer Automation ausgerüstet werden. Die Besonderheit: Die Automation ist in die Maschinenverkleidung integriert.

(neu)

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