Ostschweizer Technologiesymposium 2015

OTS 2015: Erfolg am Werkplatz 4.0

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Schwierig: aktuelle Währungs- situation

Doch wie können Unternehmen von Industrie 4.0 profitieren? Nach Aussage Thomas Zellweger bringt die aktuelle Währungssituation Schweizer Unternehmen an ihre Grenzen. Aufgrund von Margenverlusten sind die Unternehmen umso mehr gefordert, Technologie-Trends voll auszuschöpfen. Hier kommt der Nutzung von Industrie 4.0 eine wichtige Rolle zu, um in der Zukunft eine starke Marktposition zu behaupten.

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Industrie 4.0 – wichtiger Baustein

Industrie 4.0 rettet nach Aussage von Zellweger zwar nicht den Werkplatz Schweiz, aber sie ist ein wichtiger Baustein, um international in Zukunft wettbewerbsfähig und erfolgreich zu bleiben. Der Werkplatz Schweiz ist massiv gefordert, er benötigt eine Kultur des Aufbruchs, des Pioniergeists und schliesslich Herzblut für die vernetzte Industrie.

Denn: ohne starke Industrie keine starke Volkswirtschaft. Th. Zellweger hält es auch für ein grundfalsches Gedankengut, dass die Schweiz eine reine Dienstleistungs-nation ist. Denn Fakt ist: Wenn die Industrie einen Franken Mehrwert generiert, gibt es eine positive wirtschaftliche Hebelwirkung auf alle anderen Sektoren um die Industrie herum.

Hausaufgaben nicht überall gemacht

Th. Zellweger fährt fort, indem er der Schweizer Industrie auf die Finger schaut: die Schweizer Industrie habe ihre Hausaufgaben nicht überall richtig gemacht, sagt er beispielsweise. Die Schweizer Produktivitätsfortschritte hinken laut Statistiken gegenüber Deutschland und den USA hinterher.

Th. Zellweger ist allerdings in diesem Zusammenhang nicht darauf eingegangen, dass Deutschland, USA und Schweiz unterschiedliche Industrien haben. Die hochautomatisierte Automobilindustrie ist beispielsweise in der Schweiz im Zulieferwesen präsent. Zudem ist die Schweiz massiv KMU-orientiert, wo oft Kleinserien und Mittelserien vorherrschen, infolgedessen die Produktivität nicht derart hochgefahren werden kann wie in Grossserienbereichen.

Wie dem auch sei, gerade aufgrund der KMU-Struktur sind die Schweizer Unternehmen in Bezug auf Industrie 4.0 umso mehr gefordert, haben sie doch keine Think-Tanks im Rücken, wie sich das global agierende Grossunternehmen leisten können.

Wichtigste Handelspartner in unmittelbarer Nähe

Wenn Schweizer KMU, unabhängig von Industrie 4.0, auch in Zukunft erfolgreich bleiben wollen, gilt es, sich zu fokussieren.

Die wichtigsten Handelspartner liegen in unmittelbarer Nähe: Allein das Handelsvolumen von Baden-Württemberg ist gleich gross wie das der USA. Deutschland ist für die Schweiz der stärkste Handelspartner, gefolgt von den USA.

Umso mehr sollte man sein Augenmerk auf die unmittelbare Region legen, wobei man Asien keinesfalls vernachlässigen dürfe. Denn hier generiert die Schweizer Industrie ein kontinuierliches Wachstum.

Damit Schweizer Unternehmen konkurrenzfähig bleiben, nennt Th. Zellweger drei Aspekte, die seiner Meinung nach entscheidend seien:

1. Innovation weiter intensivieren, aus den Forschungen müssen Produkte und Dienstleistungen entstehen, die vermarktet werden können.

2. Agilität steigern: Produktivitätsverbesserungen und Automatisierung intensivieren.

3. Talente im Land fordern und fördern. Hochleistungskultur entwickeln, das duale Ausbildungssystem weiterpflegen und entwickeln.

Innovation als Kopierschutz

Weitere Aspekte um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen, sind genereller Natur: Produktivität verbessern, Einkauf optimieren, Prozesse optimieren ggf. verlagern; Vertrieb intensivieren und/oder den Marktdruck erhöhen. Und schliesslich gegen das Swiss-Made-Image – Schweiz gleich teuer – ankämpfen. Nochmals zum Thema Innovation, das sei nach Aussage von Th. Zellweger auch eine Art Kopierschutz des Geschäftsmodells. Innovation kann sich dabei sowohl auf die Produkte als auch den gesamten Produktionsprozess beziehen.

Industrie 4.0 ein Bündel voller Chancen

Nach Ansicht von Prof. Dr. K. Wegener (Leiter IWF, ETH Zürich, inspire) wird Industrie 4.0 sehr unterschiedlich bewertet, es spaltet sozusagen die Gemüter: Industrie 4.0 wird gelebt, belächelt und schliesslich gescholten. Gerade dann, wenn man Ersteres macht, Industrie 4.0 lebt, dann bietet es laut Prof. Wegener ein Bündel voller Chancen. Industrie 4.0 in Frage zu stellen, hält Prof. Wegener für abwegig, denn Industrie 4.0 ist in vielen Unternehmen zumindest in Teilbereichen längst Alltag.

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