Patchen auf hohem Niveau

Redakteur: Redaktion SMM

Noch vor etwa zwei Jahren wäre der Fall sonnenklar gewesen: Blade Integrated Disks (Blisks) mit schwerbeschädigten Schaufeln mussten ausgesondert und durch Neuteile ersetzt werden. Das ist jetzt anders: Mit dem Patching-Verfahren hat die MTU ein technologisch anspruchsvolles Reparaturverfahren entwickelt, um komplexe Blisk-Bauteile aus dem Eurofightertriebwerk EJ200 wieder einsatzfähig zu machen.

Anbieter zum Thema

«Liebend gerne hätten wir solche Bauteile schon früher repariert», sagt Dirk Eckart vom MTU-Instandsetzungsteam, «nur - es gab damals einfach noch kein etabliertes und zugelassenes Reparaturverfahren für Blisks.» Dass der reparierte Niederdruckverdichter-Blisk nun wieder irgendwo hoch oben in der Luft mit fast Mach zwei seine Arbeit verrichten wird, ist insofern eine waschechte Weltpremiere. Der Ingenieur und seine Kollegen haben im Dezember 2007 das erste gepatchte Blisk-Bauteil an die deutsche Luftwaffe übergeben. Vorgeschaltet waren eine intensive Reparaturentwicklung sowie umfangreiche Validierungstests, welche die uneingeschränkte Wiederverwendung des reparierten Bauteils garantieren.

Eigens entwickeltes Lichtbogenschweissverfahren

Beim Patching wird der beschädigte Teil der Triebwerkschaufel zunächst vollautomatisch abgetrennt. Mittels eines eigens entwickelten Wolframplasma-Lichtbogenschweissverfahrens werden daraufhin die Ersatzteile für die abgetrennten Schaufelbereiche angefügt. Im letzten Schritt stellen die Reparaturspezialisten mit einem adaptiven Fräsprozess die Schaufelgeometrie wieder her.

«Dieser Erfolg kam nicht über Nacht», sagt Eckart, «natürlich arbeiten wir schon seit Jahren an einem solchen Reparaturverfahren.» Das Unternehmen setzt fast alle Triebwerke der deutschen Luftwaffe instand. «Daher musste natürlich auch für die damals neue Blisk-Technologie ein Reparaturverfahren entwickelt werden», berichtet Eckart. Leichter gesagt als getan, denn als fest mit dem Rotor verbundene Bestandteile gehören die Schaufeln der Bliskbauweise in die für rotierende Bauteile geltende Sicherheitsklasse eins.