Lothar Horn, Geschäftsführer der Paul Horn GmbH im Interview mit dem SMM Paul Horn GmbH verzehnfacht Mitarbeiterzahl von 140 auf 1400

Redakteur: Matthias Böhm

Die Paul Horn GmbH aus Tübingen ist in den letzten 20 Jahren um den Faktor 10 von 140 auf 1400 Mitarbeiter gewachsen und damit einer der erfolgreichsten Werkzeughersteller Europas. Am SMM-Kongress wird der Inhaber und Geschäftsführer Lothar Horn aufzeigen, welche Strategien für den zukünftigen Erfolg des Unternehmens von Bedeutung sind.

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«Bei uns arbeiten keine Nummern, sondern bei uns arbeiten Menschen.» Lothar Horn, Geschäftsführer der Paul Horn GmbH
«Bei uns arbeiten keine Nummern, sondern bei uns arbeiten Menschen.» Lothar Horn, Geschäftsführer der Paul Horn GmbH
(Bild: www.nicosauermann.com)

SMM: Die Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn
GmbH wurde am 1. November 1969 durch Ihren Vater gegründet. In 20 Jahren hat sich die Mitarbeiterzahl verzehnfacht auf heute 1400 Mitarbeiter. Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Faktoren für die erfolgreiche Entwicklung Ihres Unternehmens?

Lothar Horn: Wie Sie bereits richtig erkannt haben, Herr Böhm, sind dabei mehrere Faktoren verantwortlich. Wir waren immer und sind auch heute ein Familienbetrieb. Ich kann mit Stolz behaupten, dass der wohl wichtigste Erfolgsfaktor unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind. Dazu gehören Zusammenhalt, der Drang, mehr zu erreichen und alle Veränderungen mitzugehen. Auf Führungsebene zeichnen uns kurz-, mittel- und langfristige Planungen und Investitionen aus – und natürlich auch ein wenig Bauchgefühl. Darüber hinaus war und ist es wichtig, dass das Kernsortiment ständig weiterentwickelt wird und man trotzdem das Gesamtportfolio ständig weiter ausbaut, um neue Märkte – auch regional bzw. global – zu erschliessen. Dazu gehören – international – auch unsere Ländervertretungen, wie z. B. in der Schweiz die Dihawag. All das ist natürlich zielgerichtet auf unsere Kunden.

Seit 1991 traten Sie in das Unternehmen ein und übernahmen 1995 die Geschäftsführung von Ihrem Vater. Was waren für Sie in den vergangenen 22 Jahren als Geschäftsführer die grössten Herausforderungen?

L. Horn: Ganz klar die Zukunft des Unternehmens. Wie richten wir uns aus. Damit meine ich zum einen, welche Produkte, Branchen und Märkte wir bedienen, aufbauen, hinzugewinnen und pflegen; zum anderen auch, welche Unternehmenskultur für mich, für uns wichtig ist. Ich war und bin der Überzeugung, dass wir ein sozial eingestelltes Unternehmen sind und bleiben. Wir wollen das Beste für unsere Kunden, und das geht nur gemeinsam mit unseren Mitarbeitern. Und mit diesen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bestimmen wir die gesamte Prozesskette, von der F&E, über den eigenen Werkzeugbau, die Pulveraufbereitung, die Formgebung, die Sinterei, das Schleifen bis hin zum Inhouse-Beschichten. Auch unser Produktportfolio entwickelte sich ständig weiter. Neue Anwendungen wie Hochvorschubfräsen und Tangentialfräsen oder ganz aktuell das Wälzschälen stellen die Weichen für unsere Zukunft.

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Welche Rollen spielen die Nähe zum Kunden und der Wissenstransfer von Kundenanwendungen zurück in die Entwicklung?

L. Horn: Die Nähe zum Kunden ist ein absolutes Muss. Wir wollen und brauchen diese Nähe. Und aus dieser Nähe entsteht auch ein grosser Teil des Wissenstransfers. Der Transfer darf dabei natürlich nicht nur einseitig sein, um langfristig gemeinsam erfolgreich zu bleiben. Wir haben uns heute diesbezüglich etwas differenzierter aufgestellt, als das bis vor ein paar Jahren noch der Fall war. Neben unserem Aussen­dienst, zusammen mit unseren Anwendungstechnikern und dem Ver­triebs­innen­dienst, unterstützen nun auch Produkt­manager unsere Kunden und unseren Vertrieb. Neben diesem Dialog bietet auch unsere Horn-Akademie mit unterschiedlichen Kundenseminaren, aber auch mit Seminaren bei den Kunden vor Ort eine Plattform für Wissenstransfer.

Welchen Stellenwert haben die Markenpositionierung von Horn und der Bekanntheitsgrad Ihres Unternehmens und Ihrer Technologien in Ihren Märkten?

L. Horn: Unsere Position im Markt verstehen wir eher als Partner anstatt als Lieferant. Wir wollen den Dialog mit unseren Kunden. Denn gemeinsam können wir die beste Lösung erarbeiten. Unsere Werkzeuge sind auf Qualität, Leistung und bei Bedarf auf Individualität ausgelegt. Schnelligkeit ist ein weiteres Positionierungsmerkmal. Mit unserem Greenline-­Produktions-System sind wir beispielsweise in der Lage, Sonderwerkzeuge nach Zeichnungsfreigabe innerhalb von fünf Arbeitstagen auszuliefern.

Was sind rückblickend betrachtet die entscheidenden Faktoren gewesen, dass Ihr Unternehmen über einen derart hohen Bekanntheitsgrad in Ihrer Branche verfügt?

L. Horn: Zuverlässigkeit und absolute Kundenorientierung zusammen mit ehrlicher und informativer Kommunika­tion, beispielsweise in Fachmagazinen, sowie einem authentischen Markt- und Messe­auftritt. Wir haben immer ein offenes Ohr für unsere Kunden und sind für sie da, nicht nur wenn es läuft, sondern auch, wenn es nicht läuft. 2009 während der Krise waren wir bei unseren Kunden vor Ort, auch wenn wenig bis nichts ging. Aber sobald etwas benötigt wurde, waren wir für sie da.

Welchen Anteil am Erfolg haben Ihre Mitarbeiter und wie würden Sie Ihre persönliche Rolle am Erfolg Ihres Unternehmens einordnen?

L. Horn: Wie eingangs schon angedeutet, sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unser wichtigster Erfolgsfaktor. Bei uns arbeiten keine Nummern, sondern bei uns arbeiten Menschen. Einer davon bin ich übrigens auch und nehme dabei die Rolle als Geschäftsführer ein und wahr. Umso wichtiger ist es, zu wissen, dass jede und jeder wichtig ist. Nur gemeinsam sind wir stark – und das ist nicht bloss ein Spruch, sondern bei uns gelebte Unternehmenskultur. Wir bilden aktuell über 60 Auszubildende aus, haben mehrere Studenten in einem eigens für Zerspanungswerkzeuge initiierten Studiengang und über unsere Horn-Akademie bieten wir ein umfangreiches Weiterbildungs- und Qualifikationsprogramm.

Was sind die grössten zukünftigen Herausforderungen in Ihrem Sektor und wie werden Sie reagieren?

L. Horn: Die Digitalisierung und Vernetzung ist mit Sicherheit die grösste Herausforderung der absehbaren Zukunft. Und trotzdem darf man den Blick auf das Wesentliche – nämlich die Werkzeug­lösungen an sich – nicht verlieren. Nur wenn wir hier weiterhin spitze sind, können Digitalisierung und Vernetzung gelingen und unterstützend mehr erreichen. Wir selbst haben zu diesem Thema einen Bereich geschaffen, der sich damit beschäftigt. Und da wir als Werkzeughersteller natürlich nur einen Teil in der Informations- und Prozesskette ausmachen, pflegen wir beste Kontakte und Zusammenarbeit mit Maschinenherstellern, Spannmittel- und Softwareherstellern sowie weiteren wichtigen Prozessteilnehmern. Die Zukunft wird heute geschrieben. SMM

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