Integrierte Passivierung Reinigen und Passivieren in einem Prozess

Redakteur: Anne Richter

>> Hygienische Sauberkeit bis ins kleinste Detail ist bei der Herstellung chirurgischer Instrumente ein Muss. Ausserdem erfordern die im Krankenhaus eingesetzten, immer aggressiveren Reinigungsmittel eine widerstandsfähige Oberfläche. Um beides effizient zu erzielen, konzipierte Roll für einen international tätigen Hersteller ein wässriges Reinigungssystem mit integrierter Passivierung.

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Die Anlage mit sechs Becken ermöglicht Reinigungs- und Passivierungsprozesse mit automatisiertem Warentransport.
Die Anlage mit sechs Becken ermöglicht Reinigungs- und Passivierungsprozesse mit automatisiertem Warentransport.
(Bild: Karl Roll)

Das Programm der Lawton GmbH & Co. KG umfasst rund 16 000 verschiedene Instrumente und Spezialprodukte für die offene und minimal invasive Chirurgie. Die Produkte wie Scheren, Klemmen, Pinzetten, Haken, Nadelhalter werden aus Titan, unterschiedlichen Spezialstählen und Keramik gefertigt und in 90 Ländern vertrieben.

Passivieren als Schutz vor chemischen Attacken

Um einerseits die Kapazität zu erweitern und andererseits die Qualität weiter zu erhöhen, investierte das Fridinger Unternehmen in ein neues Reinigungssystem. Da es sich um den Endreinigungsprozess handelt, zählten die zuverlässige Entfernung der Rückstände des Polier- und Bearbeitungsmediums, eine hochwertige Ausführung und hohe Verfügbarkeit der Anlage zu den wesentlichen Vorgaben. Ausserdem war eine Passivierung in die Anlage zu integrieren und der Prozess sollte vollautomatisch erfolgen. Die zusätzliche Passivierung verleiht den Oberflächen der Instrumente einen besseren Schutz gegen chemische Attacken, denen sie durch zunehmend aggressivere, teilweise hochalkalische Reinigungsmedien ausgesetzt sind. Diese Mittel werden in Krankenhäusern eingesetzt, um Keime abzutöten.

Nach Gesprächen mit mehreren Anlagenbauern entschied sich Lawton für eine Anlage der Karl Roll GmbH, die mit wasserbasierten Medien betrieben wird. Ausschlaggebend war einerseits das Konzept der Anlage, andererseits die guten Erfahrungen des medizintechnischen Unternehmens mit zwei Reinigungssystemen von Roll.

Barcodegesteuerter Prozess

Die Mehrkammer-Tauchanlage verfügt über sechs Becken und ermöglicht einen Durchsatz von 18 Chargen pro Stunde. Das maximale Chargengewicht liegt bei 20 kg. Für die Reinigung werden die Instrumente in speziellen, 550 x 300 x 400 mm (L x B x H) grossen Warengestellen platziert. Die Zuführung der Gestelle erfolgt über eine Rollenbahn, die auf der Be- und Entladeseite einen Puffer von zehn Chargen ermöglicht. Um eine optimale Behandlung der unterschiedlichen Instrumente zu gewährleisten, sind in der Anlagensteuerung teilespezifische Programme hinterlegt. Die Auswahl des jeweiligen Programms erfolgt automatisch durch einen Barcode, der über ein Lesegerät an die Steuerung gemeldet wird. Im Reinigungsprozess durchlaufen die Instrumente zunächst ein alkalisches Bad und Vorspülbad, das jeweils mit einer Ultraschalleinrichtung ausgestattet ist. Nach dem anschliessenden Feinspülschritt werden die Warengestelle in das Passivierungsbad transportiert. Die Passivierung und das folgende Vorspülbad sind ebenfalls mit Ultraschall ausgestattet. Nach dem abschliessenden Feinspülen gelangen die Instrumente in einen Warmluft-/Vakuumtrockner. Diese Kombination gewährleistet, dass auch bei sehr filigranen Instrumenten eine effektive Trocknung erzielt wird. Ausserdem kommen sie kühler aus der Anlage und können schneller weiterbearbeitet und verpackt werden. Der automatische Transport der Warengestelle durch die Anlage erfolgt mit Förderrechen. Je nach Programm können die Chargen an jeder Station aus dem Prozess herausgefahren oder einzelne Stationen ausgelassen werden.

Optimale Badpflege sichert Ergebnis

Um eine optimale Konzentration der Reiniger- und Passierkomponente sicherzustellen, wird der pH-Wert der Bäder permanent überwacht und die Medien bei Bedarf automatisch zudosiert. Die Feinspülphasen nach der Reinigung und Passivierung erfolgen mit voll entsalztem (VE) Wasser. Es wird im Kreislauf geführt und mindestens dreimal pro Stunde über Aktivkohle- und Mischbett-Ionenaustauscher umgewälzt. Einen wesentlichen Beitrag zur hohen Reinigungsqualität und langen Badstandzeit leistet auch die hochwertige Filtration, die mit Beutel- und Kerzenfiltern realisiert wurde. <<

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