Trends der Zukunft Revolution der Produktion

Autor / Redakteur: Karl Osti, Industry Manager Manufacturing bei Autodesk / Luca Meister

Selbstkommunizierende und -denkende Maschinen, Losgrösse eins, Schwarmfinanzierung, radikale Preispolitik dank innovativer Produktions­mecha­nis­men und das Ende der Ortsgebundenheit – einige Firmen zeigen bereits auf, wie sich die Produktion auch für Konzerne in den nächsten Jahren verändern wird.

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Zusammen mit Autodesk entwickelte Airbus eine Kabinentrennwand und druckte sie mittels additiver Fertigung: Sie ist dank Hilfe durch die Software leichter und stabiler als jedes Design eines Menschen.
Zusammen mit Autodesk entwickelte Airbus eine Kabinentrennwand und druckte sie mittels additiver Fertigung: Sie ist dank Hilfe durch die Software leichter und stabiler als jedes Design eines Menschen.
(Bild: Autodesk)

Die Zukunft der Produktion ist da. Grosskonzerne, aber auch KMU werden sich den neuen Gegebenheiten und Prozessen anpassen müssen, um weiter konkurrenzfähig zu bleiben. Dabei müssen Unternehmen nicht nur die Konstruktion und Fertigung von Erzeugnissen im Blick behalten, sondern auch identifizieren, wer die Kunden sind, wo sie sich befinden und worauf sie Wert legen. Der traditionelle Produktlebenszyklus wird von tiefgreifenden disruptiven Umwälzungen erfasst, auf die Hersteller nicht nur reagieren sollten. Sie sollten sie vielmehr proaktiv anstossen, um Vorteile zu erzielen und neue Geschäfts­felder zu entdecken.

Weltweite Produktion dank additiver Fertigungsverfahren

Die additive Fertigung sorgt für völlig neue Möglichkeiten bei der Produktion – sowohl beim Herstellungsprozess, der nun viel schneller und unkomplizierter erfolgt, als auch beim Standort. Mithilfe von additiven Fertigungsverfahren auf Basis von 3D-­Layern können aus Ideen in kürzester Zeit Produkte werden. Zudem ist die Erstellung von Strukturen und Formen, die bisher entweder gar nicht oder nur umständlich mit aufwendigen Konstruktionen realisiert werden konnten, möglich.

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Diese neuen Verfahren wirken sich auf Unternehmen jeder Grösse aus: Durch bessere Kommunikations- und Konnektivitätsmöglichkeiten können Konzerne ihre Design- und Konstruktionsteams weltweit ansiedeln und so optimal auf regionale Vorlieben und Gepflogenheiten eingehen. Kleine Start-ups haben mit Mikrofabriken und der Spezial­fertigung unmittelbaren Zugang zu Lieferketten.

Ausserdem werden Fertigungsverfahren immer flexibler und sind heute weitgehend automatisiert, sodass schnelle Produktionswechsel möglich sind. Kleine Serien lassen sich kostengünstiger produzieren, und Produktaufrüstungen können auch ohne grossen Investitionsaufwand problemlos durchgeführt werden. Dank dieser Innovationen sind auch individuelle Spezialanfertigungen deutlich günstiger. Ein Beispiel: In einem aktuellen Projekt entwickelt Autodesk zusammen mit der Paracycling-Weltmeisterin Denise Schindler eine neuartige Prothese, die in Zukunft auch für den Massenmarkt hergestellt werden könnte.

Crowdfunding und Open Source

Weitere Trends begünstigen ebenfalls die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Über Crowdfunding können Einzelpersonen und Unternehmen Projekte finanzieren, ohne wie bisher grosse Summen an Eigenkapital aufbringen zu müssen. In Verbindung mit günstigen Produktionsmethoden kann heute also fast jeder seine Ideen schnell realisieren und auf den Markt bringen.

Dabei wirkt sich auch die geänderte Einstellung hinsichtlich des Schutzes von geistigem Eigentum durch Patente aus. Unternehmen geben durch den Ansatz der Veröffentlichung von Entwicklungs- und Konstruktionsinformationen zwar einige Geheimnisse preis, allerdings wird dieser vermeintliche Nachteil bei der Aktivierung einer Community, die sich an der Entwicklung des Produkts beteiligt, mehr als aufgehoben. In der Welt der IT zeigen einige beeindruckende Beispiele vom Betriebssystem über Browser und Spiele bis hin zum globalen Lexikon, dass dank Schwarmintelligenz konkurrenzfähige Produkte entstehen, die etablierte Mitbewerber vom Markt verdrängen können.

Anspruchsvolle Kunden und Vernetzung

Verbraucher legen heute grösseren Wert auf Ästhetik, Personalisierung, Nachhaltigkeit und auf den Fertigungsort. Kunden haben andere Erwartungen als in der Vergangenheit, insbesondere, da zahlreiche Produkte heute über Software-Updates verbessert werden können. Dies gilt nicht nur für Smartphones, TV-Geräte oder Computer, sondern auch für Autos und in Kürze viele weitere Güter. Erstmals in der Geschichte können Produkte heute während ihres Lebenszyklus besser werden, anstatt an Wert zu verlieren.

Kunden haben einen grossen Einfluss auf Unternehmensentscheidungen. Zudem führt die geografische und generationsspezifische Fragmentierung dazu, dass Hersteller mehr Entwurfsalternativen hervorbringen müssen, um die Vorlieben und Vorstellungen von Menschen in unterschiedlichen Regionen und Kulturkreisen zu erfüllen.

Produkte sind miteinander verbunden und vernetzt. Dies bedeutet aber auch, dass Produkte heute komplexer sind und Sensoren, Elektronik sowie integrierte Software erfordern. Unternehmen, die ein eigenes Ökosystem aus ihren Geräten und der Software zur Benutzung dieser entwickeln, können die Produktbindung erhöhen.

Die Revolution des traditionellen Produktlebenszyklus

Alle Phasen eines Produktlebenszyklus sind von diesen Änderungen betroffen. In der Konzeptphase müssen Unternehmen eine Personalisierung ihres Produkts vornehmen. Dies ist bei Konsumgütern über eine massgeschneiderte Fertigung möglich, wobei das Design genau an die Masse des Verbrauchers angepasst werden kann, während sich dieses Ziel bei grossen Industrieprodukten über die Konfiguration erreichen lässt.

Bei der Planungs- und Designphase ist eine effiziente Zusammenarbeit entscheidend. In der Vergangenheit konnten Hersteller nur auf das Fachwissen und Know-how innerhalb ihres Unternehmens zurückgreifen, doch da Produkte immer komplexer werden, ist dies nicht mehr genug. Auto­desk bietet leistungsstarke Werkzeuge, die Unternehmen bei Projekten eine Zusammenarbeit mit Experten in aller Welt ermöglichen. Mit den richtigen Werkzeugen für die Zusammenarbeit müssen Hersteller keine teuren Betriebsstätten direkt in den Zentren der Innovation einrichten. Sie haben auch an externen Standorten über die Cloud Zugang zu den erforderlichen Kompetenzen und Talenten. Dies entspricht dem Prinzip des «Nextshorings»: Das Design und die Planung finden am Ort der Innovation statt, die Fertigung allerdings am Ort der Nachfrage. Zudem können Unternehmen Produkte in kleinen Mengen herstellen und die herkömmlichen Verfahren in puncto Wirtschaftlichkeit durch Massenproduktion vernachlässigen.

Beim Vertrieb findet die konstruktive Interaktion zwischen Anbieter und Kunde früher statt als bisher. Mithilfe eines Online-Zugriffs auf die Konfigura­tionstechnologie und immersiver Methoden können Kunden das Produkt und seine Vorteile noch besser kennenlernen, bevor sie eine Kaufentscheidung treffen und sich finanziell verpflichten. Dadurch lässt sich das Risiko für Kunden reduzieren.

Product-as-a-Service

All diese Möglichkeiten führen dazu, dass sich der traditionelle Wert eines Produkts erweitern lässt. Anstatt zu festen Kosten ein Produkt herzustellen und auszuliefern, auf das der Hersteller später keinerlei Einfluss mehr hat, kann das Unternehmen vernetzte Serviceleistungen anbieten und so eine Beziehung zum Produkt aufrechterhalten. Dies entspricht dem Gedanken des Produkts als Dienst­leistung («PaaS», Product-as-a-Service). In letzter Konsequenz bedeutet dies eine Transformation des Geschäftsmodells: Ein Triebwerkhersteller zum Beispiel bietet mittlerweile nicht das physische Produkt, sondern eine feste Anzahl an Flugstunden an. Kunden sind nicht mehr abhängig von einem einzelnen Objekt, was die Kundenbindung erhöht.

Die Produktinnovationsplattform von Autodesk beinhaltet all diese Schritte: die Fähigkeit, ein holistisches Produktmodell zu erstellen, das nicht nur geometrische Konstruktionsdaten sowie Simula­tionsdaten umfasst, sondern auch marktspezifische Informationen in Bezug auf Nachfrage und Verkaufsabschlüsse bis hin zu den Leistungsmerkmalen des Produkts, das von Verbrauchern in zahlreichen Ländern in der ganzen Welt verwendet wird. Diese Produktinnovationsplattform bietet im Hinblick auf den Informationsgehalt deutlich mehr Vorteile für das Unternehmen und wird für das Entwerfen, Konstruieren, Zusammenarbeiten und Fertigen der Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit auf den Märkten der Zukunft sein. So können Hersteller die Vorteile der Digitalisierung nutzen und sich im Wettbewerb mit agilen Konkurrenten durchsetzen. SMM

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